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Wie Wissenschaftler zu erfolgreichen Gründern werden 

Interview mit Klaus Lehmann, Partner HTGF


Erfolgreich gründen im Industrial-Tech-Bereich – Klaus Lehmann begleitet für den High-Tech-Gründerfonds seit 14 Jahren Wissenschaftlerinnen und Forscher bei der Gründung erfolgreicher Start-ups. Nun ist der Industrial-Tech-Experte zum Partner des HTGF ernannt worden. Im Interview erklärt er, was Start-ups aus der Wissenschaft bedenken sollten und warum der HTGF gerade für sie ein guter Partner ist.

Robotik, Laser, Sensorik, VR im Maschinenbau, Energie: Seit 14 Jahren begleitest du für den HTGF Start-ups aus dem Bereich Industrial Tech. Viele Gründerinnen und Gründer kommen hier aus der Wissenschaft, richtig?

Ja, und das Gute ist: Gründen ist für Wissenschaftler und Forscherinnen inzwischen ein wichtiger Karriereweg. Früher blieb man entweder an der Uni oder ging in ein großes Industrieunternehmen. Inzwischen ist das eigene Start-up ein neuer dritter Karriereweg, der sich unter Wissenschaftlern etabliert hat. Dazu kommt, dass sich auch Deutschlands Industrie weiterentwickelt hat. Es gibt eine größere Offenheit gegenüber neuen Technologien.

Bist du von den Start-up-Strategien der deutschen Industrie überzeugt?

Es hat lange gedauert, und es mussten erstmal ein paar Schockwellen durch die Wirtschaft gehen, mit Playern wie Airbnb und Tesla, die ganze Branchen disruptiert haben. Aber inzwischen haben Deutschlands Industrieunternehmen verstanden, wie schnell Technologie sein kann, und dass sie sich öffnen müssen, um weiter relevant zu sein. Die Zusammenarbeit mit Start-ups ist zum Glück für viele längst inhärenter Teil der konzerneigenen Innovationsstrategie.

Und Deutschlands Universitäten? Du hast als Industrial-Tech-Experte viel mit Wissenschaftlern zu tun, betreust für den HTGF gleichzeitig die Partnerschaften mit den Hochschulen und Forschungsinstituten. Können die mithalten mit der schnellen Entwicklung?

Das Bild ist differenziert. Es gibt einerseits leider noch immer einen großen Mittelbau an Universitäten, die das Thema Unternehmertum zwar auf dem Schirm haben, aber in der Realität nur unzureichend unterstützen. Auch im Gesamtbild hinkt Deutschland, was die Anzahl an Ausgründungen aus der Wissenschaft betrifft, im europäischen Vergleich noch sehr hinterher. Andererseits aber gibt es hierzulande sicherlich gut 20 Universitäten und Forschungsinstitutionen, die ich als Vorbilder bezeichnen würde und die die Verwertung von wissenschaftlicher Forschung durch gezielte Ausgründungen klar auf ihrer Agenda haben.

Welche sind das für dich?

Unter anderen die TU Dresden, die RWTH Aachen, die KIT in Karlsruhe oder die TU Berlin. An der TU München hat man mit „Unternehmertum“ sogar eine eigene Organisation mit über 100 Leuten auf die Beine gestellt, die sich nur um dieses Thema kümmert.

Wie sieht es mit den Gründerinnen und Gründern aus der Wissenschaft aus? Sind sie neben ihrem Fachwissen ausreichend darauf vorbereitet ein Start-up aufzubauen?

Menschen aus der Forschung haben oft ein anderes Mindset als der klassische BWL-Absolvent. Das muss zwar nicht unbedingt ein Hindernis sein. Aber klar, wer ein Start-up aufbauen will, braucht auch den Mut und Willen zum Unternehmertum. Wir als HTGF verstehen uns hier als Partner und unterstützen dabei, die richtigen strategischen Schritte zu planen und umzusetzen.

Was ist dein Tipp an Wissenschaftler, die selbst gründen wollen?

Unbedingt an den Kunden denken! Denn ein Problem ist oft, dass in rein wissenschaftlichen Entwicklungsprozessen die Marktdynamik erst zu spät in den Blick genommen wird. Die Forscher sind jahrelang in die Entwicklung einer Lösung vertieft und sehen sich dann plötzlich mit der Thematik konfrontiert: Technologie sucht Problem. Als Start-up sollte man umgekehrt denken: Problem sucht Technologie. Deshalb rate ich allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die eine Gründung planen, frühzeitig die Kundenperspektive mitzudenken, potenzielle Kunden anzugehen und ihre Lösung aktiv zu testen.

„Jahrelang in die Entwicklung einer Lösung vertieft“– das hört sich nach sehr langfristigen Projekten auch für euch an.

Wenn man es mit schnell-drehenden E-Commerce Start-ups vergleicht, stimmt das. Bei Industrial Tech haben wir es mit ganz anderen Entwicklungs- und Markteinführungszyklen zu tun. Die Kunden haben viel komplexere Sales-Zyklen. Während man eine SaaS-Lizenz für 100€ im Monat verkaufen kann, kosten die Produkte unserer Portfolios auch schnell mal 600.000€. Dafür gilt andersherum: Wenn ein erfolgreicher Markteintritt gelingt, ist der Outcome enorm!

Und über diesen langen Zeitraum begleitet ihr die Start-ups auch?

Wenn wir an die Technologie und den potenziellen Produkt Market-Fit glauben, dann sind wir als langfristige Partner und Unterstützer voll an Bord und begleiten den Entwicklungsprozess.

Zu welchem Zeitpunkt können sich Gründer aus der Wissenschaft bei euch melden?

Es kann vorkommen, dass Forscherinnen oder Forscher allein, ohne Team und nur mit einem rudimentären Prototyp zu uns kommen – und wir investieren trotzdem, weil wir die Vision der Gründer teilen und mit ihnen gemeinsam das Team und das Unternehmen aufbauen wollen.  Wir haben in den letzten 15 Jahren in fast 600 Start-ups investiert und so nicht nur einen riesigen Erfahrungsschatz gesammelt, sondern auch ein treffsicheres Gefühl dafür entwickelt, wo Potentiale liegen.

Hast du ein Beispiel für euer langfristiges Engagement?

Auf jeden Fall „Next Kraftwerke“, eines unserer erfolgreichsten Portfoliounternehmen. Die Gründer haben eine Lösung entwickelt, um viele kleine Energieerzeuger zu einem großen virtuellen Kraftwerk zusammenzuschließen. Zum einen um deren Leistung an die Energiebörse zu bringen und um zum anderen gleichzeitig Schwankungen im Stromnetz ausgleichen zu können. Ihr Entwicklungsweg von einem universitären Startup zum europäischen Marktführer ist ein gutes Beispiel für Industrial Tech und unserem langfristigen Kommittent.

Kannst du das genauer erklären?

Wir begleiten das Unternehmen seit über zehn Jahren und sind den Gründern partnerschaftlich verbunden. In den ersten drei Jahren nach der Finanzierung haben sie kaum Umsatz gemacht. Mittlerweile ist die Firma von zwei Gründern auf 150 Mitarbeiter angewachsen, der Umsatz liegt bei 700 Mio. Euro. Heute ist Next Kraftwerke damit europäischer Marktführer im Bereich Virtual Power Plants.

Vielen Dank für das spannende Interview, Klaus!

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