Interview mit Fabian Dudek von GlassDollar: Start-up-Innovationen systematisch nutzen

Wir haben uns mit Fabian Dudek, Gründer und CEO von GlassDollar, zusammengesetzt, um zu erfahren, wie etablierte Unternehmen systematisch Start-up-Innovationen nutzen können. GlassDollar hilft Unternehmen dabei, schnell die richtigen Lösungen zu finden und Wettbewerbsvorteile durch erfolgreiche Partnerschaften und Proof-of-Concepts zu sichern. Fabian gibt Einblicke in Innovationsmethoden und teilt seine Tipps für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.


Fabian, welche Innovationsmethoden gibt es für etablierte Unternehmen, die auf der Suche nach Start-up-Innovationen sind?
Fabian: In der heutigen dynamischen Wirtschaftswelt müssen Unternehmen, egal ob Mittelstand oder Großkonzern, innovativ bleiben, um wettbewerbsfähig zu sein. Die Innovationsmethoden lassen sich in drei Kategorien unterteilen: Build, Partner und Invest. Build bezieht sich auf die Entwicklung von Innovationen, die noch nicht auf dem Markt verfügbar sind. Dies kann intern oder durch externe Zusammenarbeit im Rahmen von Venture Building geschehen.

Fabian Dudek, Founder und CEO von GlassDoller (Foto:GlassDollar)

Wenn die gesuchte Lösung bereits im Markt verfügbar ist, gibt es die Optionen Invest und Partner. Invest bedeutet, dass das Unternehmen in Start-ups investiert und dabei eine Minderheitsbeteiligung erwirbt. Partner umfasst Venture Clienting und Corporate Startup Partnering. Beim Venture Clienting geht es darum, externe Innovationen für interne Vorteile zu nutzen. Hierbei wird schnell und effizient auf die Technologien von Start-ups zugegriffen. Corporate Start-up Partnering fördert gegenseitiges Wachstum durch engere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Start-ups. Die Synergie ist entscheidend: Start-ups bringen Innovation und Flexibilität ein, Unternehmen bieten Größe, Marktkenntnis und Ressourcen.

Wann ist es sinnvoll, selbst in Start-ups zu investieren, und wann sollte man die Technologien direkt nutzen?
Fabian: Es muss nicht unbedingt ein Entweder-oder sein. Oft arbeiten Venture Clienting Units (VCUs) mit Corporate Venture Capital (CVC) zusammen. Eine VCU ist oft der Start, da sie kostengünstiger und schneller umzusetzen ist – ein Proof of Concept (PoC) kostet typischerweise unter €100.000. VCUs können somit mehr Transaktionen durchführen und schneller Ergebnisse liefern.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Start-up-Partnering dem Risikokapital überlegen ist. Beide Ansätze ergänzen sich. VCUs identifizieren und testen neue Technologien in PoCs, die dann potenzielle Investitionsziele für CVC werden können. Dies stellt sicher, dass die Investitionen strategisch relevant und validiert sind.

Welche Best Practices würdest du einem Unternehmen empfehlen, das Venture Clienting als Innovationstool in Betracht ziehen?
Fabian: Venture Clienting ist im Kern die Professionalisierung der Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups. Da bestehende Lösungen getestet werden, ist der Prozess oft schnell profitabel. GlassDollar hat im März 2024 eine großangelegte Studie veröffentlicht, die die finanzielle Tragweite von über 66.422 Corporate-Startup-Beziehungen verdeutlicht. Wichtig ist, dass der Prozess nach einem erfolgreichen PoC nicht endet. Die validierte Lösung muss tatsächlich im Unternehmen verankert werden. Hier sind die interne Kommunikation und das Aktivieren der richtigen Abteilungen entscheidend.

Zu Beginn sollten Unternehmen drei bis fünf PoCs durchführen, um zu beweisen, dass sich der Aufwand lohnt. Dafür sollte mindestens eine Person ein Drittel ihrer Zeit für sechs bis zwölf Monate aufwenden und mit einem kleinen, sechsstelligen Budget kalkulieren. Nach einem erfolgreichen PoC sollte die Lösung im Unternehmen implementiert werden. Langfristig ist es entscheidend, die Herausforderungen des Unternehmens zu verstehen und intern möglichst viele Beteiligte einzubinden.

Und wie kann man den Mehrwert dieser Projekte quantifizierbar und verständlich nachweisen?
Fabian: Der Mehrwert wird auf der Business-Case-Ebene gemessen, also den direkten geschäftlichen Nutzen. Dazu zählen beispielsweise Arbeitszeitreduzierung, Einhaltung von Vorschriften, Reduzierung von Ausschuss oder Erschließung neuer Umsatzpotenziale. Es ist wichtig, diese Erfolge langfristig zu tracken und mit einem ROI verständlich zu machen.

Hast du weitere Tipps für neu startende Venture Clienting Units?
Fabian: Innovationsteams sollten mit einfacheren Projekten starten, um Vertrauen und Aufmerksamkeit im Unternehmen aufzubauen. Lean PoCs, die schnelle Erfolge und positiven ROI demonstrieren, sind ein guter Einstieg. Beispiele hierfür sind neue Softwarelösungen im Marketing oder HR, die Kosten einsparen oder eine Lösung, die Logistikrouten optimiert. Solche Projekte sind minimalinvasiv, aber bieten ein fruchtbares Momentum. Es ist zudem ratsam, am Anfang Expert:innen hinzuzuziehen. Diese helfen, die ersten PoCs erfolgreich umzusetzen und von den Vorteilen des Venture Clienting zu profitieren.

Und welche Ratschläge hast du für Start-ups, die mit etablierten Unternehmen zusammenarbeiten wollen?
Fabian: Start-ups sollten den Zugang zu ihrem Produkt besonders leicht machen. Anschauliche und verständliche Präsentationen erleichtern es der Venture Clienting Unit, die Lösung intern zu pitchen und den Mehrwert zu quantifizieren. Wir freuen uns natürlich immer über neue Einträge in unserer Datenbank.

Vielen Dank, Fabian, für diese Einblicke!

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