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Life Science Pitch Day: Echte Unternehmer:innen, echte Innovation, echter Mehrwert

Es war ein besonderer Moment, als CureVac-Gründer Ingmar Hoerr auf dem Life Science Pitch Day seine Unternehmergeschichte geteilt hat. Mehr als 30 Start-ups, Investor:innen und Wissenschaftler:innen konnten an dem Event Ende September teilnehmen, das der High-Tech Gründerfonds (HTGF) gemeinsam mit den Partnerunternehmen Bayer und Boehringer Ingelheim sowie dem Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie (IZB) veranstaltete. Wir sprechen mit den beiden Organisator:innen beim HTGF: Dr. Caroline Fichtner und Dr. Martin Pfister, beide Principal beim HTGF, blicken im Interview auf aktuelle Trends, erklären, welchen Einfluss die gesteigerte Berichterstattung während der Pandemie auf den Bereich hatte und welche Themen die Veranstaltung prägten.


Ende September fand der Life Science Pitch Day statt. Um was ging es genau?

Caroline: Den Pitch Day gibt es in verschiedenen Formaten. Grundsätzlich können sich Start-ups bewerben und etwa 10 davon ihre Idee vorstellen. Wir laden dazu Investoren der Branche und Investoren der HTGF Fonds ein. Es geht bei diesem Format nicht darum, unser eigenes Portfolio zu präsentieren. Deswegen richten wir uns immer an Unternehmen auch außerhalb unseres eigenen Netzwerks und an Start-ups, die nicht mehr zwingend in der Seed-Phase sein müssen. Bei dem Life Science Pitch Day geht es spezifisch um Biotech- und Pharma-Projekte.

Was ist das Besondere an Eurem Pitch Day?

Martin: Die Entwicklung im Biotech-Bereich ist sehr umfassend. Hier ist es wichtig, dass Investoren und junge Entwicklerteams früh eine gute Gesprächsebene finden. Diese können wir bei einem solchen fokussierten Event bereitstellen.

Caroline: Gerade der Bereich Wirkstoffentwicklung hat seine Eigenheiten und ist damit in der Ansprache möglicher Investoren sehr speziell. Lange Entwicklungszyklen, strenge und stark geregelte Vorgaben, bestimmte Reihenfolgen in der Entwicklung, sind einzuhalten. All das macht diesen Bereich sehr kapitalintensiv. Investoren müssen daher wissenschaftlich tief in die Themen einsteigen und die entsprechende Erfahrung mitbringen.

Teilt Ihr die Auffassung, dass der Bereich Life Sciences im Allgemeinen und Biotech im Speziellen durch die Pandemie einen zusätzlichen Aufschwung erfahren hat?

Martin: Auf jeden Fall, wir sehen, dass gerade Startups im Biotech- und Pharma-Bereich in den vergangenen Jahren hohe Investitionssummen einsammeln konnte. Die Branche ist auch in Europa geprägt von großen Finanzierungsrunden. Die Pandemie und damit der Fokus auf deutsche Impfstoffhersteller wie BioNTech oder CureVac haben hier natürlich zusätzliche Aufmerksamkeit gebracht. Wir merken dadurch einen Shift in den Themen, die plötzlich relevanter werden, beispielsweise mRNA, Gentherapie und Antikörper. Das zeigt sich auch an den teilnehmenden Firmen unseres Pitch Days.

Und parallel dazu hat auch die Medienpräsenz von Life Sciences und Biotech zugenommen in den vergangenen Monaten.

Caroline: Für uns und viele Expertinnen und Experten ist natürlich nicht erst seit der Pandemie klar: Biotech ist ein Innovationsbereich mit echten Unternehmern, mit echten Erfolgen, die einen echten Mehrwert schaffen. Die öffentliche Diskussion jetzt aber hat auch der breiten Öffentlichkeit gezeigt, wie groß der Raum für Innovation ist. Früher hat oftmals das Bild dominiert, Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, seien „nerdige“ Wissenschaftlerinnen und Forscher. Der Öffentlichkeit war das Thema zu komplex, um sich damit zu beschäftigen.

Martin: Es ist gut, dass die mediale Präsenz gewachsen ist. Wir sehen das auch an praktischen Beispielen aus unserem Portfolio: Cardior zum Beispiel ist ein Unternehmen, das an einer Therapie gegen Herzinsuffizienz auf einer mRNA-Basis forscht und nach einer 64 Mio EUR Finanzierung nun vermehrt Aufmerksamkeit bekommt. Durch die Berichterstattung steigt auch für andere die Motivation zu gründen. Hinzu kommen erfolgreiche Biotech- und Life-Sciences-Gründer:innen, die erneut gründen, nachdem sie ein Unternehmen mit Wirksamkeitsdaten an Patienten erfolgreich veräußern konnten.

Gab es beim Pitch Day einen Trend, der die Veranstaltung geprägt hat?

Caroline: Wir sehen viele junge Unternehmen im Bereich der Onkologie, also Krebsforschung. Zudem entwickeln sich Plattformtechnologien weiter: Hier forscht man an Technologien auf deren Basis dann mehrere Wirkstoffe gegen verschiedene Krankheiten entwickelt werden können – ähnlich der Arbeit von BioNTech. Interessant waren auch einige Unternehmen aus dem Bereich der Genforschung, die an einer Art CRISPR/CAS 2.0 arbeiten, die Genschere also weiterentwickeln – eine ganz spannende Plattform.

Martin: Eine weitere außergewöhnliche Entwicklung war diesmal, dass viele der Start-ups bereits eine Förderung erhalten haben; oftmals in einem akademischen Rahmen. Sie haben dort ihre Innovation gut vorantreiben können und können nun damit raus gehen. Dadurch sind sie in ihrer Entwicklung greifbarer, das ganze Projekt wird somit für mögliche Investoren noch spannender.

Sind Euch Unternehmen besonders aufgefallen?

Martin: Es gab wirklich viele gute Ideen. Mit RecTech zum Beispiel hatten wir ein interessantes Start-up aus dem Bereich der Genforschung, die mit ihrer Arbeit genetische Krankheiten heilen möchten. Sie entwickeln hochpräzise Genscheren, sogenannte Designer Rekombinasen, die Fehler im Genom korrigieren können und im Gegensatz zu anderen Enzymen wie Nukleasen fehlerfrei arbeiten.

Caroline: Durchaus spannend war auch der Pitch einer noch namenlosen NewCo, die einen neuartigen Wirkstoff gegen Alzheimer auf Basis von niedermolekularen Verbindungen erforschen. Im Gegensatz zu aktuellen Therapien könnten diese als einfache Tablette verabreicht werden und haben laut vorklinischen Tests eine bei deutlicher Wirksamkeit weniger Nebenwirkungen. Wir hatten so viele großartige Innovationen mit dabei. Es ist schön zu sehen, was hier passiert.

Ein besonderer Gast war CureVac-Gründer Ingmar Hoerr, der seine Unternehmergeschichte erzählt hat. Du hast ihn interviewt, Martin, was hat dich beeindruckt?

Martin: Es war ein sehr spannendes Gespräch, weil er von den Anfängen der CureVac berichtet hat und auch seine persönliche Geschichte mit uns geteilt hat, die – und das wird oft unterschätzt – viel mit Anders-sein und Kampf zu tun hat. Insbesondere der Mut, so ein unbesetztes, disruptives Thema wie mRNA-Impfstoffe gegen viele Widerstände voranzutreiben, war für die Gründer und mich sehr inspirierend.

Was sind denn Eure Tipps? Ihr seid ja auch fernab der Pitch Days täglich mit Investor:innen und Gründer:innen in Kontakt. Gibt es etwas, das ihr ihnen mit auf den Weg geben möchtet?

Caroline: Ich fange mal bei den Gründerinnen und Gründern an: Fokussiert Euch! Gerade Plattform-Technologien bergen die Gefahr, sich zu verlieren, weil so viel möglich ist. Diese Erfahrung machen wir häufig. Setzt Euch ein klares Ziel und lasst Euch durch frühe Angebote von größeren Partnern nicht zu sehr ablenken. Das ist ein Hinweis, den ich immer wieder gebe.

Martin: Auch ich rate den Gründern: Sucht Euch einen Partner, der Euch durch den Wald an Optionen führen kann! Wir haben es vorher angesprochen: Die Szene boomt, es entsteht viel Neues. Als Gründer benötigt man gerade auf Investorenseite einen Partner auf Augenhöhe, der sich auskennt. Wir begleiten als HTGF den Markt nun seit mehr als 16 Jahren, haben einen tiefen Einblick in die Szene. Wir kennen Investoren- und Start-up-Seite gut und wissen, wie wichtig Know-how aber auch Vertrauen zwischen den einzelnen Playern sind. Auch darum veranstalten wir Tage wie unseren Pitch Day, um eine gemeinsame Basis für langfristigen Erfolg zu schaffen.

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