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GWA Hygiene und Dräger: Von der Zusammenarbeit bis zum Investment

Wie finden ein Unternehmen der Medizin- und Sicherheitstechnik mit mehr als 130 Jahren Geschichte und ein sechs Jahre altes Start-up eigentlich zusammen? Wichtig sind gemeinsame Ziele, Zusammenarbeit auf Augenhöhe und gute Partner. Das sagen zumindest Jens Altmann, President Business Unit Data Business bei Dräger sowie Tobias Gebhardt, Geschäftsführer bei GWA Hygiene. Der global agierende Konzern Dräger hat vor Kurzem in das HTGF-Portfoliounternehmen GWA Hygiene investiert. In unserem Interview sprechen die beiden über die neue Zusammenarbeit, die Herausforderung von Hygiene im Krankenhausalltag und die Kooperation mit dem High-Tech Gründerfonds (HTGF).


Herr Gebhardt, können Sie uns kurz die Arbeit Ihres Start-ups GWA Hygiene beschreiben?

Tobias Gebhardt: Das Thema Krankenhaushygiene ist vielerorts noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen: Häufig verbringen Hygiene-Teams die Hälfte ihrer Zeit damit, Daten per Hand zu sammeln und auszuwerten, dabei sind sie nicht mal gelernte Statistiker. Diese Situation ändern wir, indem wir Sensoren an die Spender von Desinfektionsmitteln anbringen. So werden Hygiene-Spender smart. Wir können erheben, wie oft und wie regelmäßig das Personal die Station nutzt oder wie viel Desinfektionsmittel diese ausgibt. All diese Daten aggregieren wir und analysieren, wo Optimierungspotenzial bei der Handhygiene besteht. So schaffen wir ein klares Bewusstsein bei allen Beteiligten.

Herr Altmann, Dräger ist sehr aktiv im Bereich moderner Krankenhaussysteme, wie vernetzte Medizintechnik und Services und treibt hier auch die Digitalisierung voran.

Jens Altmann: Vermutlich hat jeder, der schon einmal im Krankenhaus war, ein Dräger-System gesehen oder damit zu tun gehabt. Kern unserer Arbeit in der Business Unit Data Business ist es, digitale Prozesse auf unsere Geräte und Abläufe in Krankenhäusern anzuwenden. Immer mit dem Ziel, die Therapie und die klinischen Ergebnisse zu verbessern. Wir setzen auf den vermehrten Einsatz datengetriebener Lösungen und eben auch auf die Zusammenarbeit mit Partnern, wie hier mit GWA Hygiene.

GWA Hygiene Draeger Interview
v. l. n. r. Jens Altmann, President Business Unit Data Business bei Dräger sowie Tobias Gebhardt, Geschäftsführer bei GWA Hygiene

Wie haben Ihre beiden Unternehmen zusammengefunden?

Tobias Gebhardt: Ich hatte mich mit einem Krankenhaushygieniker über das hohe Infektionsrisiko von Frühchen unterhalten, gerade an den Inkubatoren für die Neugeborenen spielt Hygiene eine sehr wichtige Rolle. Dann waren wir als Portfolio-Unternehmen des HTGF auf die High-Tech Partnering Conference eingeladen und kamen sehr gezielt mit Dräger zu dem Problem ins Gespräch. Wenige Wochen später waren wir dann in Lübeck bei Dräger zu einem ersten Treffen. Daraus ist Anfang 2021 ein erstes Projekt entstanden, mittlerweile haben sich einige weitere Themen angeknüpft.

Das heißt, der HTGF hat eine entscheidende Rolle gespielt. Welche Mehrwerte bringt Ihnen die Zusammenarbeit mit dem High-Tech Gründerfonds?

Tobias Gebhardt: Ganz klar Kredibilität. Wenn wir einfach in Kaltakquise eine E-Mail an einen großen Corporate schreiben, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass wir Gehör finden.

Jens Altmann: Das Netzwerk des HTGF hilft schon sehr. Der HTGF hat einen unglaublichen Dealfunnel. Das hilft Unternehmen wie uns, Impulse und Ideen zu erhalten. Es sind bereits großartige Projekte entstanden, so wie unsere Investition in GWA Hygiene.

Wie sind Sie auf das Start-up aufmerksam geworden, Herr Altmann? Sie kannten es ja nicht vom ersten Tag der Zusammenarbeit.

Jens Altmann: Ja, das ist richtig. Aber was GWA Hygiene kann, sprach sich bei uns rum. Im vergangenen Jahr kam jemand auf mich zu und meinte: „Schau dir die mal an, das ist eine coole Truppe.“ Kurz darauf saß ich im Auto nach Stralsund auf dem Weg zu GWA Hygiene. Dort ist der Funke sofort übergesprungen.

Gleich am ersten Tag?

Ja, ich war fast einen gesamten Tag dort, wir haben uns ausgetauscht und viele Projektideen miteinander entwickelt. Wir haben uns gut verstanden. Und mit all den Ideen im Kopf bin ich dann zurück nach Lübeck gefahren. Noch aus dem Auto habe ich bei unserem Mergers & Acquisitions-Team angerufen und gesagt, dass wir mit GWA Hygiene unbedingt etwas machen müssen.

Wie kam es dann zur Entscheidung, bei GWA Hygiene zu investieren?

Jens Altmann: Für uns ist es sehr wichtig, dass wir unsere Wissens- und Technologiebasis langfristig anreichern und neue Impulse erhalten. Mit GWA Hygiene hatte ich von meinem ersten Treffen an den gesamten Zeitraum über einen sehr intensiven Austausch. Wir sehen hohe Schnittmengen, beide Parteien bringen alle Zutaten mit, die Neues ermöglichen. Wir wollen Infektionsketten nachverfolgbar machen, digitalisieren und den Prozess automatisieren. Das alles sind starke Gründe für unsere Zusammenarbeit

Wie haben Sie den Prozess erlebt, Herr Gebhardt?

Tobias Gebhardt: Sehr offen, sehr transparent. Wir hatten nie das Gefühl, wir seien Bittsteller, fragten nach Geld oder müssten zittern, dass hoffentlich alles klappt. Wir erleben einen Austausch auf Augenhöhe. Für uns ist die Beteiligung von Dräger ein großer Schritt, schließlich ist es der erste strategische Investor, den wir nun an Board haben. Aber es fühlt sich extrem gut an, weil Dräger in unserem Bereich ein äußerst gutes Technologie-Verständnis hat.

Neben dem technologischen Match ist auch die Kultur sehr wichtig, oder?

Jens Altmann: Natürlich sind es auch die Menschen, die treiben und die Zusammenarbeit tragen. Wenn das passt, dann kann man viele Dinge tun. Wenn das nicht passt, dann können noch so viele tolle Fähigkeiten da sein – dann funktioniert es einfach nicht. Der intensive Austausch zwischen Unternehmen in Fragen der Digitalisierung ist wichtig. Und Kooperation – das geht nur auf Augenhöhe.

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