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Accelerator-Aktivitäten bei SAP.iO: „Eine Win-Win-Win-Situation schaffen“

Alexa Gorman gilt weltweit als eine der führenden Start-up-Expertinnen. Bereits seit 2017 baut sie bei SAP das Start-up-Programm des Softwarekonzerns auf, seit Mai verantwortet sie als Senior Vice President und Global Head SAP.iO Foundries and Intrapreneurship weltweit die Aktivitäten. Im Interview berichtet sie von den Entwicklungen in der internationalen Start-up-Szene, der Zusammenarbeit von SAP mit jungen Unternehmen – und beantwortet die Frage, warum der Konzern auf die Zusammenarbeit mit dem High-Tech Gründerfonds setzt.


Alexa, du führst die globalen Startup-Aktivitäten bei SAP.iO. Was sind aktuelle Entwicklungen, die den Markt weltweit prägen?

Klar dominierend ist aktuell das Thema Sustainability mit vielen sehr spannenden und vielversprechenden Start-ups, die auch für SAP im B2B-Bereich sehr interessant sind. Konkret etwa im Bereich Circular Economy und bei der Messung der CO2-Emission in der Supply Chain. Auch die Auswirkungen auf den Handel zeigen sich hier immer stärker. Stichwort Recommerce. Sustainability und Green Tech betreffen alle Industrien und finden in vielen verschiedenen Ausprägungen statt.

Alexa Gorman Picture
Alexa Gorman, Senior Vice President und Global Head SAP.iO Foundries and Intrapreneurship

Was sind weitere Trends?

Wir sehen weiterhin vielversprechende Anwendungen im Bereich Daten und Analytics. Hier dominieren die Überlegungen, wie man große Datenmengen – die mittlerweile bei den meisten Unternehmen vorhanden sind – effektiv nutzen kann. Welche Rolle wird langfristig Machine Learning spielen, um wichtige Business-Insights zu erhalten? Das sind Themen, die auch im Endkundenbereich sehr relevant sind.

Wie blickst du auf die vergangenen Monate zurück? Wie steht es um die Innovationspower im Bereich B2B?

Auch wir haben die Unsicherheit zu Beginn und während Corona bemerkt, viele Termine wurden abgesagt. Als sich dann abzeichnete, dass uns diese globale Krise länger beschäftigen wird, lief das Geschäft wieder an. Was folgte, war eine Rekordzahl an Terminen für unsere Start-ups. Viele Unternehmen waren offen für Innovation, es kam zu einem regelrechten Boost. Für unsere Start-ups, vor allem in den Bereichen HR und E-Commerce, war 2020 dann ein absolutes Rekordjahr. Für uns im Team hat sich gezeigt, welche Vorteile hybride Arbeit für uns hat. Wir reisen weniger, haben mehr Zeit und sind nochmals globaler geworden, auch in der Möglichkeit, Start-ups in unsere Programme zu bringen.

Ihr arbeitet eng mit dem High-Tech Gründerfonds zusammen, warum?

Wir bekommen durch die Zusammenarbeit einen tiefen Einblick in die Startup-Landschaft. Das Team des HTGF ist sehr aktiv, hat ein herausragendes Standing und ein sehr breites Netzwerk. Davon können auch wir sehr profitieren. Der Austausch ist hier immer auf Augenhöhe. Wir haben einen sehr regen Austausch, wir arbeiten mit dem HTGF für das Sourcing unserer Programme und haben schon eine sehr schöne Anzahl von Start-ups aus dem High-Tech Gründerfonds Portfolio zu uns in die Programme nehmen können; und andersrum hat der HTGF in einige Startups aus den SAP.iO Programmen investiert. Wir hatten auch bereits schon ein gemeinsames Investment. Es ist eine gute partnerschaftliche Zusammenarbeit mit starken Ergebnissen.

Erzähle uns über eure Start-up-Arbeit bei SAP. Wie seid ihr gestartet?

Wir haben unsere Aktivitäten immer wieder weiterentwickelt. In 2017 haben wir uns neu aufgestellt und konzentrieren uns auf junge Unternehmen, die für unsere Kunden einen Mehrwert bieten. Unser Fokuspunkt liegt nun klar auf Start-ups, auf ihrem Weg zu SAP-Partnern zu begleiten und sie somit beim Skalieren zu unterstützen. Wir sehen die Startups als die nächste Generation von SAP-Partnern und möchten ihnen einen beschleunigten Weg in diese Partnerschaft bieten.

Das heißt, Start-ups werden mithilfe von SAP.iO zu Partnern und Anbietern für Eure Kunden?

Ja, das ist das Ziel. Wir möchten damit eine Win-Win-Win-Situation schaffen. Junge Unternehmen bekommen Zugang zu unserer Plattform und Schnittstellen, bekommen gegebenenfalls sogar eine SAP-Zertifizierung und profitieren davon, dass sie ihre Produkte unseren mehr als 450.000 Kunden aus fast allen Industriezweigen auf dem SAP-Store anbieten können. Unsere Kunden profitieren von innovativen Start-up-Lösungen, die wir uns als SAP.iO genau angesehen haben. Und wir als SAP profitieren von einem stetig wachsenden Ökosystem mit vielen unterschiedlichen innovativen Partnern, die die SAP-Lösungen komplementieren.

Hast du ein konkretes Beispiel?

Unser Ziel ist es, die Start-ups so in unser SAP-Ökosystem aufzunehmen, dass wir sie im Idealfall in unseren Vertrieb integrieren können. Wie das aussehen kann, illustriere ich gern mit BigID, einem Data & Analytics-Start-up aus Israel, inzwischen ein Unicorn. Die Partnerschaft ist mit dem Startup gewachsen und die Lösung des Startups wird nun von unserem Vertrieb aktiv angeboten. Um dieses Level der Partnerschaft zu erreichen, muss ein Start-up natürlich schon eine bestimmte Größe und einen bestimmten Umsatz erreichen, aber es zeigt, dass wir jungen Unternehmen in ihrem Wachstum begleiten können.

Wie läuft der Prozess ab? Wie wird man ein SAP.iO-Start-up?

Die Start-ups müssen innovative B2B-Lösungen haben, erste Kunden und außerdem schon eine erste Finanzierungsrunde hinter sich haben. Das zeigt uns eine gewisse Reife und das Potenzial gemeinsam mit uns zu wachsen. Die Aufgabe unseres Teams bei SAP.iO ist nach diesen Start-ups zu suchen und sie in unser Ökosystem zu integrieren.

Wie viele Innovation Hubs, also Foundries, gibt es inzwischen weltweit?

Es sind neun weltweit, pro Foundry laufen zwei Programme pro Jahr zu bestimmten Themen. Wir holen bei der Auswahl von Start-ups die Erfahrung unserer internen Tech-Expert:innen dazu, fragen aber auch unser Vertriebsteam, wie sie das Potenzial von Start-ups sehen, und wir laden sogar Kund:innen zu den Screenings ein, um deren Einschätzung zu bekommen.

Was würdest du anderen Unternehmen empfehlen, die überlegen mehr mit Start-ups zu kooperieren?

Was nichts bringt, ist nur aus Marketing-Zwecken mit Start-ups zusammenzuarbeiten. Es ist vor allem wichtig, sich über das strategische Ziel klar zu werden. Es ist ja ein Unterschied, ob man Start-ups als reinen Investment-Case sieht, mit ihrer Hilfe Zusatzangebote für die eigenen Kunden aufbauen will oder mit Start-up-Unterstützung die eigene digitale Transformation vorantreiben möchte. Alles legitime Ansätze, die man aber zu Beginn klar ziehen sollte. Vor allem sollte die Zusammenarbeit mit Start-ups Mehrwerte generieren, und zwar für alle Seiten. Sowohl für das Unternehmen als auch für das Start-up.

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