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title: "Zwischen Labor und Fabrikhalle: Wo liegen die Robotik-Chancen?"
date: 2026-10-28T10:03:19Z
modified: 2026-10-28T10:22:34Z
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# **Zwischen Labor und Fabrikhalle: Wo liegen die Robotik-Chancen?** 

_Dr. Gernot Berger (HTGF) und Rüdiger Süß (DLR\_Startup Factory) über Physical AI, Spin-offs und Investmentpotenziale_

Robotik steht an einem Wendepunkt. Physical AI, deutlich mehr Rechenleistung und struktureller Arbeitskräftemangel greifen gleichzeitig. Mitte Oktober haben der HTGF und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam zum [Robotics Day am DLR-Standort Oberpfaffenhofen](https://www.htgf.de/wp-content/uploads/wp-mfa-exports/post/htgf-robotics-day-2026.md) eingeladen. Robotik-Expertinnen und -Experten aus der Forschung trafen dort auf Anwender aus der Wirtschaft und Deeptech-Investoren. Jetzt fragen wir nach: Wo liegen die Investmentchancen, und was entscheidet über den Sprung vom Labor in die Fabrikhalle? Darüber sprechen Dr. Gernot Berger, Principal beim HTGF, und Rüdiger Süß, Senior Investment Manager der DLR Startup Factory.



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_von links: Dr. Gernot Berger (HTGF) und Rüdiger Süß (DLR), Bild: HTGF, DLR_ 

**Zwei Wochen nach dem Robotics Day: Welche Erkenntnis oder welcher Moment hat Euren Blick auf Robotik-Investments am meisten geschärft?**

**Rüdiger Süß:** Einen wichtigen Denkanstoß hat eine Frage aus dem Publikum gebracht, nämlich wofür man eigentlich die Fünf-Finger-Roboterhand braucht. Die Antwort: manchmal reichen drei oder auch zwei Finger und manchmal sind zwei Haken die beste Lösung. Das trifft auf die humanoide Robotik insgesamt zu. Zwar ist sie ein aktueller Hype, aber sie ist nicht immer die beste Lösung. Im persönlichen Kontakt mit dem Menschen machen Humanoide Sinn, und wenn sie sich mit dem Menschen den gleichen Arbeitsplatz teilen, also z.B. dieselben Aufgaben mit denselben Werkzeugen bewältigen sollen.

Für die Investment-Perspektive heißt das: So viele Humanoide, wie man vielleicht denkt, werden gar nicht gebraucht werden. Was gebraucht wird, sind Automatisierungslösungen, die einen wirtschaftlichen Vorteil erbringen! Der Realitätscheck zeigt also: Die Industrierobotik braucht nicht unbedingt die Humanoiden, sondern sie verlangt nach flexiblen Antworten.

**Gernot Berger:** Mich hat bestärkt, wie viele Branchen inzwischen konkrete Aufgaben für Robotik sehen. Genau das war unser Ziel. Wir wollten vor allem Anwender aus der Industrie zusammenbringen, von großen Konzernen bis zu Hidden Champions. Dazu kamen Forschende und einige Gründerteams und Investoren. Wenn Anwender und Forschung direkt miteinander diskutieren, wird schnell klar, wo eine Technologie wirklich gebraucht wird und was für den Einsatz noch fehlt. Das ist für uns eine wichtige Ergänzung zu dem, was wir im Dealflow sehen.

Ein Beispiel ist die Medizinrobotik. In unserem Dealflow ist sie nach der Industrie der zweitgrößte Anwendungsbereich. Bei der Führung durch die DLR-Labore haben wir eine sehr spannende robotergestützte Lösung zur Behandlung von Nierensteinen gesehen. Solche Anwendungen zeigen, wie weit Robotik inzwischen über die Fabrikhalle hinausgeht.

**Gernot, Du hast in deiner Präsentation gezeigt, wo im HTGF-Dealflow Gründungsdynamik entsteht und wo nicht. Wo siehst Du die größte Lücke zwischen Gründungsaktivität und Marktbedarf?**

**Gernot Berger:** Wir schauen nicht nur darauf, wo viele Teams gründen, sondern auch darauf, wo es noch wenige sind. Bei Safety, Zertifizierung und Integration ist diese Lücke besonders auffällig. Das ist der kleinste Bereich in unserem Robotik-Dealflow, obwohl genau diese Fragen den Einsatz in der Praxis oft bremsen. Das Thema zog sich durch den ganzen Tag. Ohne belastbare Antworten zur Sicherheit wird kaum ein Unternehmen einen Roboter in den Regelbetrieb übernehmen.

Auch bei Sensorik und Aktorik sehen wir vergleichsweise wenige Gründungen. Dr.-Ing. Werner Kraus, Forschungsbereichsleiter Automation und Robotik vom Fraunhofer IPA, hat berichtet, dass es in China inzwischen mehr als 150 Hersteller humanoider Roboter gibt, aber nur eine Handvoll Zulieferer. Für Investoren ist das spannend. Unternehmen, die zentrale Komponenten liefern, können mit ihrer Technologie viele unterschiedliche Robotikanwendungen ermöglichen.



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_Dr. Gernot Berger beim Robotics Day 2026 am DLR-Standort Oberpfaffenhofen, Bild: HTGF / Alexandra Beier_ 

**Rüdiger, Du begleitest Ausgründungen aus dem DLR und investierst mit. Welche Robotik-Technologien sind reif für den Sprung ins Startup, und woran erkennst Du, dass ein Team „investierbar“ ist?**

**Rüdiger Süß:** Es geht nicht so sehr um die Reifegrade, sondern darum, ob die Anwendung der Technologie erkennbar ist. Aber am wichtigsten ist: Sind alle Kompetenzen vorhanden, um eine Firma voranzubringen? Ein Investor braucht Vertrauen in die Personen. Können sie auch Steuern, Recht, Personalverantwortung, Kundenakquise, können sie mit Geld umgehen, unternehmerisch denken und agieren, bleiben sie auch in schlechten Zeiten bei der Stange? Und hoffentlich sind sie nicht beratungsresistent. Last but not least: wie sehr brennt das Team für seine Sache – im Fußball würde man sagen: Haben sie Zug zum Tor?

**KI-basierte Robotik: Hype oder nächster Massenmarkt? Wie ordnet Ihr Physical AI als Treiber dieser Entwicklung ein? Und was muss ein Startup zeigen, damit Ihr an sein Potenzial glaubt?**

**Gernot Berger:** Physical AI eröffnet neue Möglichkeiten für die Robotik. In unserem Robotik-Dealflow wächst dieser Bereich am stärksten, allerdings von einer kleinen Basis. Interessant finde ich, wo die Gründungen entstehen. Das Kapital und die Aufmerksamkeit fließen derzeit stark in humanoide Roboter. Viele neue Startups arbeiten aber eine Ebene darunter, an der Intelligenz, die Roboter lernfähig macht. Dr. Falk Kunadt vom DLR hat Humanoide als Technologietreiber für die gesamte Robotik beschrieben.

Ob daraus ein Massenmarkt wird, entscheidet sich an den Anwendungen. Funktioniert das System unter realen Bedingungen? Und welchen Nutzen hat der Kunde davon? Wir schauen außerdem darauf, ob das Team die Daten aus den Einsätzen nutzen kann, um sein System kontinuierlich zu verbessern. Dieses Data-Flywheel kann einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil schaffen.

**Rüdiger Süß:** Physical AI kann ein Gamechanger sein, wenn sie eine ‚dumme‘ Maschine befähigt, sich intelligenter zu verhalten, also etwa sich an wechselnde, nicht vorhersehbare Bedingungen anzupassen. Daraus können schließlich auch Massenmärkte erwachsen. Im Zusammenhang mit der Industrierobotik sehe ich sie insbesondere als einen Wegbereiter. Wenn die KI das Lernen der Roboter beschleunigt und wenn sie später im Einsatz hilft, sensorische Daten für die Vorhersage von Szenarien, wie zum Beispiel Verschleißerscheinungen zu ermitteln, dann hat das seinen Wert.

Was ein Startup zeigen muss? Zum einen, wie gesagt, eine klar erkennbare Anwendung. Zum anderen echtes proprietäres Wissen. Also, nutzen sie nicht nur fremdes Wissen und Technologie und setzen das zusammen, sondern verfügen sie wirklich über etwas Eigenes? Wenn dir der Kern gehört, bist du nicht kopierbar! Das ist das entscheidende Potenzial. Für uns muss es DLR-Technologie sein, sonst investieren wir nicht.



![](https://www.htgf.de/wp-content/uploads/2026/10/20261013-AB2_1368-1619x1080.jpg)

_Eindrücke vom Robotics Day, Bild: HTGF / Alexandra Beier_ 

**Der Weg vom Pilotprojekt in die Fabrikhalle ist die große Hürde. Welche Anwendungen und Geschäftsmodelle haben aus Eurer Sicht die besten Chancen, sie zu überwinden?**

**Rüdiger Süß:** Die Automatisierung wird zunehmen, aber sie muss nicht immer robotisch sein. Entscheidend ist, ob die Lösungen, die das Startup anbietet, schnell und unkompliziert in die bestehenden Prozesse der Kunden eingebaut werden können. Firmen werfen nicht über Nacht ihre Produktionsketten über den Haufen, nur weil ein Startup mit einer technisch faszinierenden Lösung um die Ecke kommt. Das können sie auch gar nicht. Nur wer sich am Kundennutzen orientiert, hat eine Chance, am Markt erfolgreich zu sein. Dasselbe gilt für die Geschäftsmodelle. Was passt zum anvisierten Kunden, wie flexibel und wie anpassungsfähig kann ich mein Angebot gestalten, sodass ich möglichst viele Kunden erreiche?

**Gernot Berger:** Im Pilotprojekt reicht es oft, wenn ein System in den meisten Fällen funktioniert. Im laufenden Betrieb muss es nahezu immer funktionieren, und zwar ohne, dass ständig ein Experte danebensteht. Meine Kollegin Viola Paszkiewicz und mein Kollege Alex Paß haben das in ihrem Vortrag zusammen mit Pierre Bürkle (Schneider Electric) sehr anschaulich gezeigt. Gute Chancen haben deshalb Anwendungen, bei denen Fehler beherrschbar sind und das System mit jedem Einsatz besser wird.

Hinsichtlich Geschäftsmodell ist Robotics-as-a-Service ein interessanter Ansatz. Der Kunde bezahlt für eine Leistung, statt die Maschine selbst zu kaufen. Das kann den Einstieg erleichtern, weil hohe Anfangsinvestitionen entfallen. Für das Startup muss das Modell allerdings ebenfalls aufgehen. Es muss die Systeme finanzieren und zuverlässig betreiben. Wir schauen deshalb genau hin, wie viel Anpassung jeder neue Kunde braucht. Wenn jedes Projekt wieder eine Sonderanfertigung ist, lässt sich das Geschäft nur schwer skalieren.

**Wo liegt in den nächsten fünf Jahren aus Eurer Sicht das größte Investmentpotenzial in der Robotik? Und was ratet Ihr Gründerteams, die jetzt starten?**

**Gernot Berger:** Besonders spannend finde ich die Physical-AI-Infrastruktur, also Technologien, die KI-Modelle mit der Hardware verbinden und im realen Betrieb nutzbar machen. Dazu kommen Lösungen für den sicheren Einsatz und Anwendungen in Bereichen, in denen Arbeitskräfte fehlen.

Ein weiterer Bereich, den wir genau beobachten, ist Industrial AI. Gemeint ist KI, die direkt in industriellen Prozessen arbeitet, etwa bei der Qualitätsprüfung, der vorausschauenden Wartung oder der Produktionsplanung. Das ist nicht immer Robotik im engeren Sinn, aber eng damit verwandt. Erste Auswertungen unseres Dealflows deuten darauf hin, dass dieser Bereich ebenfalls stark wächst.

Mein Rat an Gründerteams lautet, bei einer konkreten Aufgabe des Kunden zu starten und früh in die Praxis zu gehen. Holt Euch die passenden Partner aus Forschung und Industrie dazu. Und behaltet im Blick, was sich auf weitere Kunden übertragen lässt. So entsteht aus einer guten Lösung ein skalierbares Unternehmen.

**Rüdiger Süß:** Ich denke, das größte Potenzial liegt weniger in hochspezialisierten Teilen, sondern mehr in denen, die in allen Robotern gebraucht werden, wie Chips, im Zusammenspiel mit individualisierbaren Softwarelösungen oder Aktuatoren. Wer auf diesem Feld zuverlässig und in hoher Qualität zuliefern kann, wird langfristig zu den Gewinnern gehören. Ein sehr gutes Beispiel sehen wir gerade bei NVIDIA. Deren Chips werden für viele unterschiedliche Robotik-Lösungen eingesetzt.

Und ich rate Gründerteams zum Mut zur Schnelligkeit. Nutzt die Chancen, die sich jetzt bieten. Und: think big!



**Vielen Dank für das Gespräch und die Einblicke.**



**_Rüdiger Süß_** _ist Senior Investment Manager der DLR\_Startup Factory im Bereich Innovation, Technologietransfer und wissenschaftliche Infrastrukturen. Dort ist er für Co-Investment in DLR-Ausgründungen, das Matchmaking mit Investoren, den Support zur Erhöhung von Investment Readiness und Investment Attractiveness sowie für Venture Clienting zuständig._

**_Dr. Gernot Berger_** _ist Principal beim HTGF im Investment-Team Industrial, Climate & Deep Tech und seit 2019 beim HTGF dabei. Der Physiker mit Schwerpunkten auf Photonik, Quantentechnologien und Energiethemen hat selbst ein Photonik-Startup von der Technologie bis zum Exit mitgestaltet._