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title: Jeroen Hoet über den Durchbruch bei eyeo B.V.’s Sensortechnologie
date: 2026-09-30T08:23:35Z
modified: 2026-09-30T08:23:35Z
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# „Wir setzen an der Ursache an, nicht am Symptom“ – Jeroen Hoet über den Durchbruch bei eyeo B.V.’s Sensortechnologie

**Interview mit Jeroen Hoet, Mitgründer und CEO von eyeo B.V.**

**Jeder Kamerasensor der Welt hat dieselbe jahrzehntealte Einschränkung. Warum gab es so lange kaum grundlegende Fortschritte in der Sensorentwicklung, und was hat euch schließlich ermöglicht, das Problem zu lösen?**

Jeder Kamerasensor funktioniert nach demselben Prinzip: Vor jedem Pixel sitzt ein winziger roter, grüner oder blauer Farbfilter, der nur die jeweils passende Farbe durchlässt und den Rest blockiert. Diese Filter ermöglichen es dem Sensor, Farbe zu erkennen, absorbieren dabei aber auch 70 Prozent des Lichts, bevor es überhaupt den Pixel erreicht.

Sensorhersteller haben rund um diesen Filter erhebliche Fortschritte erzielt: Sensoren wurden schneller, kleiner, empfindlicher und einfacher in großem Maßstab zu fertigen. Dieser gesamte Fortschritt fand jedoch rund um den Filter statt. Der Filter selbst blieb seit seiner Einführung vor über 50 Jahren weitgehend unverändert.

Für uns begann die Veränderung mit Forschung, die 2018 beim imec startete. Die Forschung zeigte erstmals, dass sich vertikale Wellenleiter-Nanostrukturen nutzen lassen, um Farbinformationen ohne Filter und auf einer Skala unterhalb der Beugungsgrenze zu gewinnen.

Im Kern konnten wir Licht nun nicht mehr filtern, sondern aufspalten. Wir fangen das gesamte Licht ein und trennen es in seine Farben und leiten jedes Photon direkt zu dem Pixel, für das es bestimmt ist.

Entscheidend war dabei die Fähigkeit von imec, in den eigenen, hochmodernen Anlagen Prototypen zu entwickeln. Letztlich machte die Kombination verschiedener Kompetenzen den Unterschied: Expertise in Photonik, Bildgebung und Farbwissenschaft, die Möglichkeit, in einer hauseigenen CMOS-Fertigungsstätte Prototypen zu entwickeln, und vor allem die Bereitschaft, Farbbildgebung grundlegend neu zu denken, statt nach der nächsten kleinen Verbesserung am Filter zu suchen.

Heute bauen wir auf dieser Forschung auf und überführen sie in konkrete Produkte. Die durch über 26 Patente geschützte eyeo NCOS®-Plattform verdreifacht die Lichtempfindlichkeit und überwindet bisherige Auflösungsgrenzen. Dieser Durchbruch ermöglicht Bildqualität, Farbgenauigkeit, Auflösung und Kosteneffizienz in einer Form, die bisher nicht erreichbar war.

Um diesen Durchbruch zu erzielen, brauchte es die richtige Forschung, den richtigen Zeitpunkt und ein Team, das bereit war, sich vollständig auf einen neuen Ansatz einzulassen.



![](https://www.htgf.de/wp-content/uploads/2026/09/Eyeo105257-1-1620x1080.jpg)

Team von eyeo B.V. (Bild: eyeo B.V)

**Von der Gründung Ende 2024 bis zu einer Series A über 40 Millionen Euro im Jahr 2026: Was war die schwierigste Phase und wie habt ihr sie gemeistert?**

Die schwierigste Phase war der Übergang von einem bedeutenden wissenschaftlichen Durchbruch zu einem Unternehmen, dem Kunden, Partner und Investoren zutrauen, die Technologie auch in der Praxis und im industriellen Maßstab zu liefern.

Die Technologie war im Forschungsumfeld bewiesen. Gleichzeitig mussten wir darauf aufbauend ein fertigungstaugliches Produkt entwickeln, Fertigungspartnerschaften aufbauen, und ein Team mit umfassender Expertise in Halbleitern und Optik gewinnen. All das musste parallel geschehen, während wir unseren Wert gegenüber sehr unterschiedlichen Branchen unter Beweis stellen mussten.

Diese erste Phase haben wir gemeistert, indem wir eng mit unseren frühen Investoren zusammengearbeitet haben, darunter der HTGF, der ein tiefes Verständnis dafür hat, was erforderlich ist, um ein derart ambitioniertes Projekt auf den Weg zu bringen.

Außerdem sind wir bei der Reihenfolge unserer Arbeit sehr diszipliniert vorgegangen. Zuerst haben wir die Kerntechnologie bewiesen, anschließend sind wir Schritt für Schritt in weitere Branchen expandieren.

In sehr kurzer Zeit ist uns der Übergang von einem forschungsgetriebenen zu einem produktorientierten Unternehmen mit klarem Fokus auf die Markteinführung gelungen. Dabei haben wir eine strategische Produkt-Roadmap und eine klare Unternehmensvision entwickelt. Genau diese Disziplin hat uns erlaubt, mit belastbaren technischen und kommerziellen Nachweisen in unsere Series A zu gehen.

**Wie stärkt die Kombination aus fortgesetzter Unterstützung bestehender Investoren und einem neuen Investor eure Fähigkeit zu skalieren?**

Es bedeutet mir sehr viel, dass unsere bestehenden Investoren weiterhin an unserer Seite stehen. Es zeigt, dass diejenigen, die uns seit den frühesten Tagen genau beobachtet und die Entwicklung unserer Technologie sowie das Wachstum unseres Teams verfolgt haben, nach wie vor fest an unsere Zukunft glauben.

Mit Innovation Industries als neuem Lead-Investor kommt ein Partner hinzu, der umfassende Erfahrung bei der Skalierung von Technologieunternehmen mitbringt. Dazu gehört auch ein Netzwerk, das uns Türen öffnet, die uns allein verschlossen geblieben wären.

Gemeinsam gibt uns das sowohl Stabilität als auch Momentum: Kapital und Vertrauen von denjenigen, die uns am besten kennen, sowie neue Expertise und Kontakte von einem Partner, der genau auf diese Wachstumsphase spezialisiert ist. Das erlaubt uns, unsere Fertigung zu skalieren, unser Team auszubauen und schneller in unsere strategisch wichtigen Märkte zu expandieren. Gleichzeitig teilen alle unsere Investoren dieselbe langfristige Perspektive.

**Die Series A ist abgeschlossen. Worauf kommt es in der nächsten Phase besonders an?**

Unsere Priorität ist jetzt, nachzuweisen, dass unsere Sensoren auch im großen Maßstab einen echten, wiederholbaren Mehrwert liefern. Wir gehen dabei stufenweise vor, über unsere Kernmärkte hinweg: Smart City, industrielle Inspektion, Physical AI, Automotive, Drohnen, XR und Mobile.

Der konkrete nächste Schritt ist unser Evaluation Kit. Wir werden es einer ausgewählten Gruppe von Tier-1-Kunden zur Verfügung stellen, die unsere Sensoren direkt in ihren eigenen Systemen testen werden. So können sie intern umfassend prüfen, ob die Leistungssteigerung den von uns kommunizierten Werten entspricht.

Anschließend wollen wir unsere ersten kommerziellen Sensoren auf den Markt bringen. Partner, die unsere Technologie mit dem Evaluation Kit validiert haben, sollen damit unmittelbar in die Serienproduktion übergehen können.

Parallel dazu wollen wir unsere Fertigungspartnerschaften weiter ausbauen, um zuverlässig auf Produktionsniveau liefern zu können. Außerdem werden wir unser Team in den Bereichen Entwicklung, Vertrieb und operative Funktionen weiter verstärken, um mit dem Tempo Schritt zu halten, das unsere Kunden erwarten.

Darüber hinaus entwickeln wir bereits die nächste Sensorgeneration, um unsere Produkt-Roadmap zu beschleunigen und der Nachfrage gerecht zu werden.

Wenn wir diese Ziele in den kommenden anderthalb Jahren erreichen, schaffen wir die Grundlage dafür, zur Standardlösung für die Bildgebung der Zukunft zu werden.

**HTGF ist als Seed-Investor sehr früh eingestiegen. Was hat euch das konkret ermöglicht?**

Das Seed-Investment vom HTGF kam zu einem Zeitpunkt, als wir noch beweisen mussten, dass aus einem wissenschaftlichen Durchbruch im Labor ein echtes Unternehmen werden kann.

Konkret hat uns das Kapital ermöglicht, unser erstes Team aufzubauen, unser Sensor-Design-Center in Antwerpen einzurichten und mit der Patentarbeit zu beginnen. Heute schützen diese Patente 26 Innovationen, die auf der ursprünglichen Forschung aufbauen. Genauso wichtig war die Erfahrung vom HTGF mit Deep-Tech-Unternehmen. Sie hat uns wertvolle Orientierung bei Fragen der Unternehmensführung, beim Aufbau des Teams und im Bereich Investor Relations gegeben.

Das Netzwerk des HTGFs hat außerdem frühe Gespräche mit Partnern und Investoren ermöglicht, die uns gut auf unsere Series A vorbereitet haben. HTGF ist früh das Risiko eingegangen, in eine Technologie zu investieren, die gerade erst das Labor verlassen hatte. Das hat maßgeblich dazu beigetragen, unser Unternehmen in die nächste Entwicklungsphase zu bringen.



![](https://www.htgf.de/wp-content/uploads/2026/05/eyeo-color-splitter-vs-color-filter-1920x960.jpg)

_eyeo B.V. color splitter vs. traditional color filter_


**Eure Mission ist es, jedem Gerät perfektes Sehen zu ermöglichen. Welcher konkrete Meilenstein würde in fünf Jahren zeigen, dass ihr dieses Versprechen wirklich eingelöst habt?**

In fünf Jahren wird „eyeo inside“ zu einem Qualitätssiegel, nach dem Menschen gezielt suchen. Der ultimative Erfolg wäre für uns erreicht, wenn sich Kunden für ein Gerät entscheiden, weil es mit einem eyeo Sensor ausgestattet ist.

Konkret bedeutet das Smart-City-Systeme, die auch unter schwierigsten Bedingungen klar sehen und dadurch Leben schützen, wenn es darauf ankommt. Es bedeutet Inspektionssysteme, die Fehler erkennen, die heute noch übersehen werden. Es bedeutet Physical AI und Roboter, die gut genug sehen, um aufgrund ihrer Wahrnehmung autonom zu handeln.

Es bedeutet außerdem neue medizinische Geräte und lebensrettende Verfahren, die kompakt oder empfindlich genug sind, um sichtbar zu machen, was früher unsichtbar war. Es bedeutet Autos, die Gefahren rechtzeitig erkennen, um ihnen auszuweichen.

Und es bedeutet das Ende verpasster Erinnerungen: Smartphone-Kameras, die selbst unter den schwierigsten Lichtbedingungen und in kleinsten Bauformen perfekte Bilder aufnehmen.

Wenn mehrere große Gerätehersteller in diesen Bereichen unsere Sensoren als Grundlage ihrer Bildgebung einsetzen und unsere Technologie in Millionen von Geräten im Einsatz ist, dann wissen wir, dass wir unser Versprechen wirklich eingelöst haben.

Der entscheidende Meilenstein ist jedoch, was sich in den Köpfen von Ingenieurinnen und Ingenieuren verändert: Wenn jemand bei der Entwicklung einer neuen Kamera ganz selbstverständlich unsere Sensoren als erste Wahl in Betracht zieht, dann haben wir die Art und Weise verändert, wie die Branche über Bildgebung und Sehen selbst denkt. Dann wird eyeo B.V. zu einem führenden, unabhängigen und globalen Unternehmen für Bildsensoren aus Europa geworden sein. So werden wir von Europa aus als unabhängiges, weltweit führendes Unternehmen für Bildsensoren Maßstäbe setzen und damit unsere Vision verwirklichen: mit perfekter visueller Intelligenz das Leben der Menschen besser zu machen.

**Vielen Dank für die Einblicke**!