Schule digital denken: Wie paddy Lehrkräfte entlasten will

Story

Die Gründer von paddy kennen die Herausforderungen des Schulalltags aus eigener Erfahrung. Aus der Perspektive ehemaliger Schüler und mit tiefem Einblick in die Belastungen von Lehrkräften haben Matty Frommann, Lukas Portmann und Tobias Schröder eine KI-Plattform entwickelt, die Lehrkräften Zeit spart und individuellere Förderung ermöglicht. Wir haben mit Matty und Felix Assion, Investment Manager beim HTGF, gesprochen – über die Anfänge von paddy, das Marktpotenzial von EdTech und eine Vision für die Schule der Zukunft. 

Matty Frommann, CEO und Co-Founder von paddy, und Felix Assion, Investment Manager beim HTGF 

Matty, wie seid ihr auf die Idee gekommen, paddy zu gründen? Gab es konkrete Momente in eurer Schulzeit, die euch gezeigt haben: „Hier läuft etwas falsch, das ändern wir“? 

Matty Frommann: Wir haben tatsächlich schon als Schüler gestartet, eine Fortbildung für Lehrkräfte zu geben. Wir kommen aus Lehrerhaushalten, zumindest die allermeisten. Bei meinen Mitgründern sind es direkt die Eltern und bei mir im familiären Umfeld. Dadurch haben wir immer schon die Überforderung mit den digitalen Medien, aber auch Themen wie Arbeitsbelastung und Lehrkräftemangel mitbekommen, vor allem währen der Corona- Zeit. 

Viele Lehrkräfte hassen das Thema Digitalisierung inzwischen regelrecht, weil sie sagen: Es ist ein Add-on, das hilft mir nicht weiter. Die vorhandene Software löst nicht das tatsächliche Problem – und das war quasi die Gründungsidee von paddy. Die Pandemie war ein Beschleuniger.  Genau da sind wir dann reingegangen. 

Wie habt ihr euch kennengelernt? Was war dein erster Eindruck, Felix, als du Matty, Lukas und Tobias kennengelernt hast? 

Felix Assion: Matty war schon länger im Kontakt mit dem HTGF.  Mein erstes Gespräch mit Matty war dann Anfang März und kurz danach gab es auch die erste gemeinsame Pitch-Runde. Mein erster Eindruck war vor allem, dass Matty enorm professionell ist, schon sehr viel Domain Expertise im EdTech-Bereich mitbringt und auch ein gesundes Selbstbewusstsein in dem ganzen Prozess gezeigt hat. Wenig später habe ich das Team dann in Bielefeld besucht und gemerkt, mit was für einer Energie die Jungs dabei sind und wie viel Struktur sie auch schon aufgebaut haben, vor allem bei Themen wie Vertrieb und Go-to-Market. Für mich war dieser Besuch ein Gamechanger Moment und mir war klar, dass ich diesen Deal auf jeden Fall ermöglichen und umsetzen will. Danach hat das gemeinsame Arbeiten noch einmal ein ganz anderes Tempo aufgenommen. 

Matty, war es eine Herausforderung, Vertrauen aufzubauen – besonders als junge Gründer? Gab es Reaktionen von Lehrkräften nach dem Motto: „Was wollen die denn uns beibringen?“  

Matty Frommann: Zunächst hatten wir eine gesunde Naivität, die uns ins Machen gebracht hat. Das war schön für den Start und auch danach haben wir tatsächlich eher davon profitiert, dass wir so jung waren. Uns wurde immer geglaubt, dass wir den Schmerzpunkt als Schüler selbst erlebt haben, dass wir nicht weit weg sind und dass wir beide Zielgruppen – Lehrer und Schüler – immer mehr miteinander verbinden können. Das war eher der Door-Opener. 

Wie siehst du das Marktpotenzial von paddy, Felix?  

Felix Assion: Das ist kein einfaches Thema. EdTech oder Education, gerade wenn es eine B2G-Komponente hat, ist ein schwieriges Feld – insbesondere aus VC-Perspektive. Der große Hype der Coronajahre ist vorbei. Statistisch sieht man seit 2022 Year over Year einen starken Rückgang der Investments oder des Investmentvolumens in diesem Bereich. Wenn man sich aber den Bildungsmarkt mal anschaut, ist dieser ähnlich groß wie Insurance, Health oder auch Mobility. Historisch gesehen ist der Markt zudem ziemlich kapitaleffizient. Das Verhältnis zwischen Bewertung und dem benötigten Kapital ist im Education-Bereich sehr positiv. Ich glaube, dass paddy ein enorm gutes Timing hat. Lehrkräfte haben erste Erfahrungen mit KI-Tools gesammelt und merken: Die perfekte dedizierte Lösung für uns gibt es noch nicht. Gleichzeitig steigt der Druck bei dieser Berufsgruppe enorm, wie aktuelle Studien – etwa von der Bitkom1 – zeigen. Matty kennt sich da besser aus, aber wir haben erst seit den Corona-Jahren die Situation, dass auch die Hardwareausstattung quasi optimal für solche Business Cases ist. Das heißt, eigentlich kommt gerade alles perfekt zusammen. Ich persönlich blicke daher sehr bullish auf die nächsten Jahre mit paddy. 

Matty Frommann: Historisch betrachtet haben zwei Arten von EdTech-Cases immer gut funktioniert: Entweder man geht sehr nischig rein – zum Beispiel mit einer Weiterbildungsplattform für Zahnärzte – oder man deckt eine große Bandbreite ab, etwa mit einem Cloud-System für Schulen, von dem alle profitieren können. 

Ich glaube, dass wir jetzt mit paddy und generell durch das Thema KI die Chance haben, beides zu verbinden und damit einen riesigen Markt zu erschließen. Jede Lehrkraft unterstützt jeden Schüler individuell so gut sie kann und ermöglicht es gleichzeitig, die breite Masse zu erreichen. 

Wie sieht eure Vision für Schule in 10 Jahren aus – und welche Rolle spielt paddy darin?  

Matty Frommann:  Digitalisierung und digitale Tools – die beim Unterrichten unterstützen – werden absoluter Standard sein. Wir schaffen es endlich, alle Bereiche – die Unterrichtsvorbereitung, die Durchführung und die Nachbereitung, mit Daten unterlegt – zu verbinden und jedem Schüler ein individuelles Lernerlebnis zu bieten. Genau da will sich paddy positionieren. 

Ich glaube auch, dass wir in 10 Jahren vor einer Situation stehen werden, in der wir durch Technologie gute Antworten auf den absehbaren Lehrkräftemangel haben und wir jedem Schüler und jeder Schülerin ein individuelles Lernerlebnis ermöglichen können. 

Matty Frommann (rechts) mit seinen Mitgründern Lukas Portmann (mitte) und Tobias Schröder.

Welchen Rat würdet ihr jungen Gründer:innen geben? Gibt es vielleicht gerade im EdTech-Bereich Hürden?  

Felix Assion: Im EdTech-Bereich, noch viel mehr als in anderen Branchen, reicht es nicht, ein starkes, innovatives Produkt zu haben. Man merkt früh – auch im Fundraising – dass das Thema sich in Richtung Vertrieb, Sales und Go-to-Market bewegt und dass sehr früh erwartet wird, dass schon Erfahrungen gesammelt wurden und eine klare Strategie vorhanden ist. Deshalb rate ich Teams, sich mehr Zeit zu nehmen als in anderen Branchen, wo oft ein MVP und ein Pitchdeck genügen. 

Wenn es über paddy heißt, dass sie „in sechs Monaten 1 Mio. geraised“ haben, dann ist das nur die halbe Wahrheit – davor liegt meist eine lange Phase, in der Businessmodell und Dynamiken entwickelt sowie Schulen und Lehrkräfte verstanden werden mussten. 

Wenn man als Team dann an dem Punkt ist und wirklich bereit für eine Finanzierungsrunde, sollte man sich auch noch Zeit nehmen, um zu prüfen, welche Investoren wirklich passen und genau hinschauen: Welche Mehrwerte können uns neben Kapital wirklich weiterhelfen? So viele sind das gar nicht und ich glaube, dass das Team dies am Ende sehr gut gelöst hat. 

All das war Teil der Reise. Daher wäre mein Hauptratschlag: sich Zeit nehmen, Strukturen aufbauen – und das betrifft nicht nur das Produkt selbst. 

Matty Frommann: Mein Rat: Alles auf Vertrieb setzen, möglichst schnell viele Testpiloten starten und – ganz wichtig im EdTech-Bereich – bezahlende Kunden gewinnen. Das sollte das Kernziel sein. Marketing wird spannend, wenn man auf eine kritische Masse an Kunden skaliert und verschiedene Kanäle aufbaut. Aber das Allerwichtigste sind die ersten 50 Kunden. Auch wir haben mit den ersten 50 paddy-Kunden angefangen – und das ist nicht in zwei Monaten passiert. Es hat Jahre gedauert, die richtigen Ansprechpartner zu gewinnen, in den relevanten Gremien vertreten zu sein, auf den passenden Netzwerkevents präsent zu sein und den Markt zu verstehen.  

Vielen Dank für eure Zeit und die Insights!


  1. Bereits jede zweite Lehrkraft hat KI für die Schule genutzt | Bitkom Research ↩︎

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