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title: Vom Schulhof zum europäischen EdTech-Champion
date: 2026-07-22T07:16:17Z
modified: 2026-07-22T07:16:17Z
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# Vom Schulhof zum europäischen EdTech-Champion

Interview mit Daniel Zacharias, CEO und Co-Founder von Seven Education

Was passiert, wenn zwei Schüler eine App für ihre eigene Schule bauen – und daraus eines der ambitioniertesten EdTech-Unternehmen Europas entsteht? Daniel Zacharias hat genau das erlebt. 2019 investierte der HTGF in Sdui, damals noch ein junges Startup aus Koblenz, das digitale Infrastruktur in Schulen bringen wollte. Heute firmiert das Unternehmen unter dem Namen Seven Education und ist mit über 20.000 Schulen in DACH und Spanien aktiv – mit klarem Expansionskurs.

Im Interview spricht Daniel über den Ursprung der Idee, die Strategie hinter der Buy-and-Build-Expansion, was es mit den „7 Stunden“ auf sich hat – und was er Gründer:innen rät, die gerade am Anfang stehen.



![](https://www.htgf.de/wp-content/uploads/2026/07/Daniel-und-Maurice-1920x1080.jpg)

**Ihr habt als Schüler mit einem „Jugend forscht“ Projekt begonnen. Konntet ihr euch damals vorstellen, einen europäischen Tech-Champion zu bauen?**

Nein, absolut nicht. Wenn mir jemand damals als 17-Jähriger erzählt hätte, dass wir einmal auch nur mehr als 10 Mitarbeiter haben würden, hätte ich das für absolut verrückt gehalten. Du bist begeistert davon, Software zu bauen, die das Leben der Schüler, Lehrer und Eltern an unserem Schulhof verändert. Du denkst gar nicht so weit. Du denkst nicht daran, dass daraus eine Firma werden oder es riesig werden könnte. Du genießt diesen Prozess des Bauens und des Gründens, ohne das im Kopf zu haben. Und der Traum wächst dann über die Jahre. Wir sagen heute, wir sind ein Education OS, das Betriebssystem für europäische Bildungseinrichtungen: von Kita bis Schule bis zur berufsbegleitenden Bildung.



**Der HTGF hat dann 2019 investiert. Was hat euch damals zusammengebracht, und was hat diese Partnerschaft jenseits des Kapitals für euch bedeutet?**

Man muss dem HTGF ein Riesenlob aussprechen: Maurice Kügler und Markus Kreßmann haben uns sehr früh entdeckt und unser Potenzial schon vor der Pandemie gesehen. Es war sehr mutig, damals in ein EdTech Startup zu investieren, das digitale Infrastruktur in Schulen legt. Wir kommen aus Koblenz, nicht allzu weit vom Bonner HTGF-Office. Maurice kam auf uns zu. Die erste Zeit war Relationship Building, und dann haben wir gemerkt: Wir wollen Kapital aufnehmen, um das Potenzial zu nutzen und schneller zu wachsen. Da wir schon eine gute Beziehung hatten, fingen schnelle konkrete Gespräche an. Die Zeit direkt nach dem Investment war sehr wertvoll für uns. Bis dahin waren wir gut darin, Technologie zu bauen, die Probleme löst. Aber wir brauchten Unterstützung: Wie baue ich daraus wirklich eine skalierbare Firma? Das fängt von Struktur über Hiring bis zu Reporting-Strukturen – ich würde sagen, wir haben da eine sehr gute Basis gelegt für die Skalierung, die in den Jahren danach dazukam.



**Ihr habt kürzlich bekannt gegeben, unter dem Namen Seven Education zu firmieren. Wofür steht der neue Name?**

Es ist ein Neustart-Moment. Ich habe ein Schreiben an die gesamte Firma aufgesetzt – mit dem Titel „Day-One“. Wir haben bis zum Rebranding sieben Akquisitionen gemacht, aber das ist nicht der Grund für den Namen. Wir wollten als Gruppe eine neue Identität. Wir sind nicht mehr ein deutsches Startup, sondern eine europäische Plattform. Aber im Herzschlag dieses Champions soll das stecken, was alle Firmen, die wir zur Gruppe hinzugewonnen haben, mit uns verbindet: Wir wollen den Lehrkräften, Administratoren und allen, die im Bildungssystem harte Arbeit leisten, Zeit zurückgeben – damit sie mehr Zeit haben für das, was wirklich zählt.



**Was hat es mit der Sieben auf sich?**

Es gibt eine Studie aus den 1960er-Jahren, die besagt, dass Schulen in Europa damals noch sieben Stunden pro Woche mehr Zeit zum Unterrichten hatten. Damals hättest du für unser Interview mit dem Auto oder Zug nach Koblenz kommen müssen, statt über Teams zu sprechen. Das hätte locker zwei Stunden mehr Zeit gekostet. Überleg mal: Trotz allem technologischen Fortschritt hat sich das in Schulen ins Gegenteil verkehrt – Administrationssysteme kosten Pädagog:innen heute mehr Zeit, nicht weniger. Das wollen wir drehen. Diese sieben Stunden pro Woche zurückzugeben – das ist unser Herzschlag.



**Was war die Strategie bei euren Akquisitionen?**

Es ist von allem etwas, auch Technologie – und die Synergien von allem zusammen. Wir waren Deutsche und wollten nach Europa. Wenn du Märkte komplett organisch zu erschließen versuchst, dauert das sehr viel Zeit, vor allem im Bildungsbereich. Du musst Referenzen aufbauen, ein Team vor Ort aufbauen – das ist tough. Dadurch, dass wir unsere Expansion in neue Länder über M&As gemacht haben, haben wir dort einen extremen Boost bekommen. Das hängt aber auch eng mit Talent zusammen: Wir haben durch die Akquisitionen unglaublich gute Manager in die Firma bekommen – Menschen, die ich heute als Mitgründer sehe, weil wir gemeinsam etwas Neues schaffen.



**Wo seht ihr noch Wachstumschancen, und welche technologischen Innovationen wollt ihr als nächstes angehen?**

Erstens: Viele sagen, man müsse nach Amerika und Asien gehen, um große Firmen zu bauen. Aber ich glaube, Europa hat ein unglaubliches Potenzial und sind da sehr committed. Wir sind heute in DACH und Spanien aktiv und wollen weitere Länder erreichen – wir bleiben auf klarem Expansionskurs.

Und zweitens: Ich glaube, AI wird die Art verändern, wie Lehrer im Alltag arbeiten. Bildung adaptiert Technologie normalerweise deutlich langsamer als andere Bereiche. Wir wollen der Partner für Schulen sein, der sie auch in diesem KI-Zeitalter mitnimmt: sowohl diejenigen, die begeistert vorne dabei sind, als auch die, die sich damit schwertun.



**Was ist euer erster Eindruck beim Marktvergleich – also Deutschland und dem europäischen Ausland?**

Schulen in Europa befinden sich an ähnlichen Punkten, haben aber unterschiedliche Prioritäten – was ich das „Top-of-Mind-Problem“ nenne. Sie fokussieren unterschiedlich, weil sie kulturell anders geprägt sind. Wir sehen den Trend, dass kleinere Länder schneller vorankommen. Die Schweiz ist ein absoluter Vorreiter. Wir wollen aber jedes Land dort abholen, wo es steht.



**Was ist deine Zukunftsvision?**

Ich hoffe auf zwei Dinge: Erstens, dass wir möglichst nah an den sieben Stunden sind – fünf oder sechs sind realistisch. Zweitens, dass wir deutlich mehr Schulen erreichen. Heute sind es mehr als 20.000 – diese Zahl wollen wir in 3-4 Jahren verdoppeln. Und ich hoffe für die ganze Gründerszene, dass wir zeigen können: Man kann in Europa, in einem schwierigen Markt, eine großartige Firma aufbauen. Als junge Gründer direkt aus dem Abitur, ohne rationale Gründe, warum das funktionieren sollte – und trotzdem einen europäischen Champion bauen. Das ist mir persönlich sehr wichtig.



**Welchen Rat würdest du Gründerinnen und Gründern, wenn sie ganz am Anfang stehen?**

Früher habe ich immer gesagt: Seid mutig. Dazu stehe ich. Aber ich glaube auch: Gründen ist brutal hart. Die Journey hat viele Ups und Downs. Deswegen wünsche ich jeder Gründerin und jedem Gründer eine große Portion Resilienz. Jeder zieht sie aus anderen Dingen – aus der Mission, aber auch aus dem Umfeld. Zeit für Freude nicht zu verlieren, nur weil man an einer spannenden Idee arbeitet: Das ist wichtig. It’s not a sprint, it’s a marathon. Es wird tiefe Täler geben – aber Resilienz macht am Ende den Unterschied. Wenn du lange genug diszipliniert am Richtigen arbeitest, ist die Chance auf Glück deutlich höher.



Vielen Dank für deine Zeit und die großartigen Insights!