Europas Deep-Tech-Potenzial braucht mutiges Kapital

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Der kürzlich veröffentlichte Global Deep Tech Report 2026 liefert eine ernüchternde Bestandsaufnahme für Europas Innovationsökosystem – und einen klaren Aufruf zum Handeln für Investoren wie uns.

Ein Beitrag von Gregor Haidl, Partner und Head of HTGF München und einer der Mitautoren des Global Deep Tech Report 2026.

Die Zahlen sind klar: Europa ist Standort von 45 % der weltweiten Deep-Tech-Start-ups, erhält aber nur 17 % der Finanzmittel. Deutschland rangiert trotz seines wirtschaftlichen Gewichts mit nur 500 Start-ups weltweit auf Platz fünf – hinter Großbritannien (1.100) und Frankreich (800). Am auffälligsten: Europas Konversionsrate von Serie A zu Serie B liegt bei mageren 10 %, verglichen mit 24 % in Nordamerika.

Europa hat ein Problem mit der Überzeugung

Europäischen Gründern mangelt es nicht an wissenschaftlicher Tiefe oder technischer Exzellenz. Tatsächlich verfügen 61 % der Deep-Tech-Gründer über einen Master- oder Doktorgrad, wobei Ingenieurwesen, IT und Management die wichtigsten Ausbildungsbereiche sind. Dies unterstreicht die grundlegende Rolle der Hochschulbildung beim Aufbau von Unternehmen, die auf Spitzenforschung und -technik basieren. Der Bericht zeigt jedoch auch, dass europäische Deep-Tech-Gründer zwar hochqualifiziert sind, aber in Bezug auf vorherige Gründungserfahrung (36 % gegenüber 43 %), vorherige Deep-Tech-Erfahrung (24 % gegenüber 33 %) und den Besuch einer der Top-10-Universitäten (14 % gegenüber 29 %) hinter ihren nordamerikanischen Kollegen zurückbleiben. Dies deutet auf eine einzigartige Gründerszene in Europa hin, die ein maßgeschneidertes Unterstützungssystem erfordert, das die vorhandenen wissenschaftlichen Talente erkennt und fördert sowie unternehmerische Erfahrungen anregt.

Nur 36 % der europäischen Deep-Tech-Gründer haben bereits Gründungserfahrung, gegenüber 43 % in Nordamerika.
Angaben zur Methodik und Datengrundlage entnehmen Sie bitte dem Report (S. 79).

Wir beim HTGF waren schon immer der Überzeugung, dass die Unterstützung von Deep Tech in erster Linie ein frühzeitiges finanzielles Commitment erfordert, wenn Technologien noch unbewiesen sind. Der Bericht zeigt jedoch, dass Geduld, wenn sich Zeitpläne verlängern, und Durchhaltevermögen, wenn Scale-up-Kapital am dringendsten benötigt wird, noch wichtiger sind. Als Multi-Stage-Plattform von der Seed- bis zur Wachstumsphase setzen wir genau auf diese Art von Engagement.

Der Bericht bestätigt, was wir täglich beobachten: Das „Tal des Todes“ ist real, und über 90 % der Deep-Tech-Start-ups scheitern aufgrund von Finanzierungslücken – nicht wegen technologischer Misserfolge. Hybride Finanzierungsmodelle, die Eigenkapital, Zuschüsse und Fremdkapital kombinieren sind unverzichtbar.

Diese Herausforderung wird durch gravierende Ungleichheiten bei den Ausstiegsmöglichkeiten und der Skalierbarkeit noch verschärft. Die M&A-Ausstiegsquote in Nordamerika liegt bei 8 % und ist damit doppelt so hoch wie die 4 % in Europa. Dieser „Skalierungsengpass“, bei dem 81 % der europäischen Start-ups bei 50 Mitarbeitern oder weniger bleiben – im Vergleich zu 68 % in Nordamerika –, deutet auf ein systemisches Problem bei der Schaffung klarer Wege zu erfolgreichen Ausstiegen für Deep-Tech-Unternehmen hin. Um das zu schaffen, braucht es nicht nur einen strategischen Kapitaleinsatz, sondern auch die Förderung eines robusteren Ökosystems, das Scale-ups unterstützt und große Übernahmen ermöglicht.

Das New Wirtschaftswunder erfordert mutiges Kapital, das zu mutigen Gründern passt.

Europas Deep-Tech-Branche könnte bis 2030 einen Unternehmenswert von 1 Billion Euro und bis zu 1 Million Arbeitsplätze schaffen. Aber nur, wenn wir grundlegend überdenken, wie wir Kapital einsetzen. Wir brauchen mehr Investoren, die verstehen, dass Deep Tech kein Sprint ist – es ist ein Ultramarathon, der Ausdauer, Vertrauen und die Bereitschaft erfordert, über Jahrzehnte hinweg branchenprägende Unternehmen aufzubauen.

Für ein umfassendes Bild, einschließlich der Bedeutung für Gründer:innen, Investor:innen und politische Entscheidungsträger, gibt es hier den vollständigen Bericht.

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