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Trends aufspüren und implementieren: Start-up-Arbeit bei Bosch

In der fast 140-jährigen Firmengeschichte von Bosch ist Forschung und Entwicklung ein zentraler Baustein, um das Unternehmen innovativ und erfolgreich zu halten. Auch die Integration neuer Ideen durch junge externe Unternehmen ist hierbei ein wichtiger Aspekt, verrät Dr. Volker Nadenau im Gespräch. Er ist Senior Vice President Corporate Sector Research and Advance Engineering. Im Interview berichtet er über seine Arbeit in der Konzernforschung, wie Robert Bosch seine Entwicklung lebendig hält und welche Rolle Start-ups für die Weiterentwicklung eines großen Konzerns spielen können.


Herr Dr. Nadenau, Sie verantworten als Senior Vice President einen großen Teil der Konzernforschung. Eine gute Gelegenheit, aktuelle Entwicklungen aus Ihrer Perspektive zu sehen. Was sind Technologie- und Markttrends, die starke Veränderungen prägen?

Ein Beispiel: Auf Technologieseite befinden wir uns auf der Schwelle, auf der sich Quantensensorik und ein paar Schritte weiter auch Quantencomputing manifestieren. Die Entwicklung findet in einem unglaublichen Tempo statt: Vor zehn Jahren noch befand sich dieser Bereich in der absoluten Grundlagenforschung. Heute sehen wir immer mehr Start-ups, aber eben auch große Technologiekonzerne wie IBM, Google und Co., die mit dieser Technologie arbeiten. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir hier eine Menge relevanter Produkte sehen werden.

Und bei den Markttrends?

Klarer Markttrend ist weiterhin die Individualisierung im Endkunden-Geschäft. Jeder will jedes Produkt individualisiert haben. Persönliche Experience, gepaart mit ultimativer Vernetzung im eigenen Umfeld. Gerade im Consumer Bereich zeichnet sich der Wunsch ab, alle Devices mehr miteinander zu vernetzen und mit einem Nutzerprofil immer weiter zu personalisieren.

Nun geht es darum, diese Trends intern für und bei Bosch zu integrieren. Gibt es einen Trick, wie man Trends für den eigenen Bereich nutzbar machen kann?

Ein wichtiger Aspekt ist der ständige Austausch. Natürlich intern mit Kolleginnen und Kollegen, aber eben auch mit jungen externen Unternehmen und Start-ups. Während dieser Gespräche kann man viel voneinander lernen, auch weil sie die Möglichkeit bieten, eine andere Perspektive einzunehmen. Hierfür planen wir viel Zeit ein. Nicht wie in schnellen Pitch-Prozessen, in denen man in wenigen Minuten alle Informationen austauschen muss.

Das Ergebnis dieser Gespräche ist oftmals eine intensive Zusammenarbeit, die dann auch zu einer technischen Weiterentwicklung führt. So entstehen intensive Beziehungen mit den Start-ups. In einzelnen Fällen sind Start-ups auch schon von Bosch übernommen worden, um dann vollständig die Technologie in unsere Produktentwicklung einzubringen.

Bosch arbeitet bereits seit dem ersten Fonds mit dem High-Tech Gründerfonds (HTGF) zusammen. Welche Vorteile sehen Sie in der Zusammenarbeit?

Der HTGF ist für uns eine Art Trend-Radar. Er ist eng am Markt und erkennt so die Herausforderungen der Zeit. In Gesprächen mit den Start-ups und den Investmentmanagern können wir sehen, welche Technologien am Markt gerade vorbereitet werden und potenziell vor einem Durchbruch stehen. Hier können wir unser eigenes Portfolio abgleichen.

Außerdem hat der HTGF einen sehr professionellen Filter-Prozess und informiert uns immer gut über neue Aktivitäten am Markt und in bestimmten Technologiefeldern.

Kam es schon konkret zu Übernahmen von Portfolio-Unternehmen des HTGF?

Ja, bereits zweimal konnten wir Start-ups aus dem Portfolio des HTGF übernehmen. Aber auch Zusammenarbeiten im Sinne von Joint Development Agreement oder Auftragsarbeiten sind Szenarien, bei welchen wir immer wieder auf Empfehlungen aus dem HTGF zurückgreifen. Das partnerschaftliche Verhältnis mit dem HTGF ist für uns eine logische Ergänzung zu den anderen Start-up-Aktivitäten bei Bosch.

Wie sehen diese anderen Start-up-Aktivitäten aus?

Wir bei Bosch suchen auf vielen Ebenen nach innovativen Firmen. Da wäre die eben beschriebene Zusammenarbeit mit dem HTGF. Aber auch international halten wir immer Ausschau nach jungen Unternehmen: So haben wir zum Beispiel eine kleine Dependance in Israel, die wir gegründet haben, weil wir die unglaublich agile Start-up-Szene dort sehr schätzen. Hier können wir immer wieder neue Innovationen und Ideen finden.

Und auch intern sind wir in diesem Bereich sehr aktiv: Da ist zum Beispiel RBVC, Robert Bosch Venture Capital, unser Venture Arm, der in Start-ups investiert. Ich selbst bin dann auch in der Technologie-Bewertung von Start-ups dabei, in die möglicherweise investiert werden soll.

Zusätzlich haben wir auch eine Open Innovation Einheit. Hier geht es darum, die guten Ideen, manchmal auch gute Leute aus Start-ups in die Zusammenarbeit mit Bosch zu bringen, um so oftmals für uns Dinge zu erschließen, die wir intern nicht haben oder bei uns länger dauern würden; oder auch Aspekte, die wir einfach übersehen haben.

Hilft ihr Forscherblick bei der Bewertung solcher Start-ups?

Wir haben intern bei Bosch viele Expert:innen, die den Markt sehr gut kennen. Sollte es trotzdem Fragen bei der Technologiebewertung geben, sind wir in der Konzernforschung eine gute Anlaufstelle. Auch hier gilt: Verschiedene Meinungen und verschiedene Blickwinkel ergeben am Ende ein komplettes Bild.

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