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Die Post Merger Integration als wichtiger Faktor erfolgreicher Übernahmen

Eine Übernahme ist mit dem Vertragsabschluss längst nicht vorbei – mitnichten, der wichtige Prozess der Integration folgt noch. Darum bietet der High-Tech Gründerfonds (HTGF) auf der High-Tech Partnering Conference im Februar einen Think Tank zum Thema an. Ziel ist es, das Thema mit Expert:innen aus verschiedenen Blickwinkeln zu diskutieren. Im Interview verraten die Organisatoren Anke Caßing und Axel Nitsch, beide Principal beim HTGF, Hintergründe zum geplanten Format. 


Ihr plant einen Think Tank zum Thema Post Merger Integration (PMI). Gebt uns doch eine kurze Einführung, worum geht es genau? 

Axel: Zahlreiche Studien belegen, dass viele Unternehmen ihre Ziele, die sie sich durch eine Übernahme gesetzt haben, verfehlen. Oftmals ist die Post Merger Integration hier ein wichtiger Aspekt. 

Anke: Wir haben in den vielen Vorgesprächen, die wir mit Expertinnen und Experten geführt haben, eines klar gesehen: Eine erfolgreiche Post-Merger-Integration betrifft verschiedene Ebenen. Beispielhaft genannt die zügige Vereinheitlichung von Buchhaltung und Reporting, die Integration von Prozesslandschaften und oftmals vor allem auch die unterschiedlichen Kulturen aus zwei verschiedenen Unternehmen, die aufeinandertreffen. Darum ist so eine Zusammenführung ein hoch komplexer Vorgang. Es ist wichtig, diesen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.  

Gibt es typische Abläufe, die eine PMI prägen? 

Anke: Für jedes Unternehmen ist eine solche Integration grundsätzlich erst mal sehr individuell. Es gibt zahlreiche Faktoren und Einflüsse, die den Verlauf und die Art einer solchen PMI bestimmen. So gibt es zum Beispiel Übernahmen, bei denen es um einen klaren Technologietransfer geht. Ein großes Unternehmen kauft das Know-how eines Start-ups, die Integration konzentriert sich dann darauf, wie der Käufer aus dieser Technologie ein eigenes Produkt entwickeln kann. Der Fokus ist klar auf dem Wissenstransfer.  

Axel: Anders ist das zum Beispiel bei der Übernahme eines bestehenden Geschäftsmodells. Ein junges Unternehmen oder Start-up hat aus einer Innovation ein Produkt gemacht und sich bereits an einem Markt etabliert. Übernahmen zielen hier darauf ab, das gesamte Geschäftsmodell zu übernehmen. Natürlich müssen auch Finanzen und Reporting konsolidiert werden, was vergleichsweise schnell passieren kann. Aber eben je nachdem, wie tief das Unternehmen integriert werden soll, spielt die Kultur eine entscheidende Rolle. 

Warum ist euch das Thema so wichtig? 

Anke: Eines der Ziele des HTGF ist es, große Unternehmen sowie den Mittelstand mit Start-ups zusammenzubringen. Selbst wenn wir als HTGF nach einem Exit bei der Integration nicht mehr involviert sind, halten wir es für wichtig, das Thema für unsere Portfoliounternehmen und potenzielle Käufer stärker zu beleuchten. Wir wollen auf der Konferenz die Chance geben, Erfahrungen zu teilen: Was muss man beachten? Was sind gegebenenfalls Fehler, die man vermeiden kann? Genau das möchten wir in diesem Think Tank näher betrachten.  

Axel: Das Thema wird oft zu stiefmütterlich behandelt, das ist uns bei der Vorbereitung immer wieder berichtet worden. Oft werden dem ja doch komplexen Prozess einer Post-Merger-Integration nicht ausreichend zeitliche und personelle Ressourcen zugeteilt. Die Konferenz zielt auf Partnerschaften zwischen etablierten Industrieunternehmen und innovativen Start-ups ab. Akquisitionen gehören klar dazu und im HTGF-Netzwerk gibt es eine Menge Leute mit viel Erfahrung. Wir wollen Success Stories und praktikable Ansätze aus der Praxis aufzeigen.   

Welche Gäste können wir erwarten?  

Axel: Es war unser Anliegen, Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen zu bekommen. Wir freuen uns auf Ralf Temporale, Leiter Strategy, Consumer & Operations, Talent Partner bei EY, der bereits viele solcher Integrationen direkt begleitet hat. Er wird uns sicherlich viel über die Integration von Branding, Kultur und Mitarbeitenden erzählen können. 
Außerdem sprechen wir mit Sven Hänchen, Business Development Manager bei Wolters Kluwer, ein Informationsdienstleister aus den Niederlanden. Die Übernahme von Unternehmen ist bei ihnen ein fester Bestandteil der Geschäftsstrategie, auch er wird wertvolle Insights liefern und wird auch über die Integrationstiefe sprechen – ein wichtiger Aspekt bei der PMI.  

Anke: Wir freuen uns außerdem auf Sara Khan, sie ist VP of Legal Affairs bei LTN Global, einem der führenden Unternehmen im Bereich Media-Technologie. Zudem kommt Bernd Gross, der aus eigener Erfahrung berichten kann. Sein IoT-Unternehmen Cumulocity wurde 2017 von der Software AG übernommen – heute ist er CTO der Software AG.  

Axel: Er wird auch auf das Thema der Incentivierung eingehen. Also welche Anreize schafft ein Unternehmen, ein Führungsteam zu halten oder eben zu wechseln. Dieser wichtige Aspekt wird viel zu oft unterschätzt.  

Warum nennt ihr euer Format zum Thema eigentlich Think Tank? 

Anke: Weil wir das Thema von verschiedenen Facetten beleuchten. Wir starten mit kurzen Impulsvorträgen der Expert:innen. Hier erhalten wir einen ersten Einblick in ihre Erfahrungen. Dann starten wir in eine Panel-Diskussion und steigen tiefer ein in die unterschiedlichen Aspekte.  

Axel: Und natürlich wollen wir auch mit den anwesenden Gästen diskutieren. So ein Format lebt von der Diskussion. Schließlich geht es uns ja um einen umfassenden Erfahrungsaustausch, in dem alle voneinander lernen können und wichtige Impulse mitnehmen. 

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