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„Wir werden weiter wichtige Impulse setzen“

Der neue Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds, Guido Schlitzer, spricht über den ersten rein digitalen Family Day, die Zukunft des HTGF und warum man Dinge manchmal einfach ausprobieren muss.


Wie war für dich der erste Online Family Day, rein digital?

Guido Schlitzer: Es war super. Das Besondere am Family Day ist ja, dass wir hier Leute zusammenbringen, die sich sonst nicht getroffen hätten. Und wir haben uns schon gefragt, ob sich dieser zwischenmenschliche Aspekt ins Digitale übersetzen lässt. Aber es ist uns gelungen! Und wir wollen auch nach der Krise Synergien zwischen Digitalen- und Präsenzveranstaltungen besser nutzen als früher, um noch effektiver unsere Portfoliounternehmen, Startups, Fondsinvestoren und Industriepartner zusammenzubringen.

Bei der Family-Day-Umfrage haben die meisten Teilnehmer ja von einer positiven Stimmung in ihren Unternehmen berichtet. Wie erlebst du das?

Guido Schlitzer: Wir haben natürlich auch Unternehmen im Portfolio, die sich Sorgen machen, denen die Umsätze wegbrechen. Und keiner kann sagen, wann und wie es weitergeht. Auch die Frage, wie sich die privaten Investoren in den nächsten Monaten verhalten werden, oder wie ausländische Kapitalgeber reagieren, treibt viele um. Wir sind ja in Deutschland in der Wachstumsfinanzierung noch stark auf ausländische Investoren angewiesen. Die werden jetzt in vielen Fällen aber stärker auf den jeweiligen Heimatmarkt setzen.

Und in dieser schwierigen Zeit hast du nach insgesamt 15 Jahren beim HTGF, davon 2,5 Jahre als CFO, deine Rolle als neuer Geschäftsführer angetreten. Was hat dich an der neuen Herausforderung gereizt?

Guido Schlitzer: Da kann ich auf die Family Day Rede meines Geschäftsführer-Partners Alex von Frankenberg verweisen: Opportunity eats the world – und ich freue mich sehr über die Gelegenheit und das Vertrauen, jetzt noch mehr Verantwortung beim HTGF zu übernehmen. Ich konnte die Ausrichtung ja auch schon als CFO mitgestalten. Aber wir als HTGF sehen weiterhin die Notwendigkeit und die Möglichkeiten, stärker Impulse zu setzen. Gemeinsam wollen wir unsere Erfolgsgeschichte ausbauen. Das ist wichtig für uns und für die Branche. Wir machen schon jetzt gute Arbeit, unsere Gesellschafter sind mehr als zufrieden, aber wir wollen keinen Stillstand. Man muss sich immer neu erfinden, am Ball bleiben und auch in einem großen Team – der HTGF ist in den letzten Jahren stark gewachsen – versuchen, sich einen gewissen Startup-Spirit zu erhalten. All das treibt mich in meiner neuen Rolle jetzt an.

Du sprachst eben von aktuellen Notwendigkeiten und Möglichkeiten für den HTGF. Was meinst du damit?

Guido Schlitzer: Notwendigkeiten ergeben sich natürlich durch die Corona-Krise, die uns und viele unserer Portfolios kalt erwischt hat. Wir haben im vergangenen Jahr 400 Mio. € externes Kapital in unser Portfolio geholt. Es ist zu erwarten, dass das dieses Jahr deutlich zurückhaltender ausfallen wird. Wir werden leider Einschnitte im Portfolio sehen, es betrifft ja das Startup-Ökosystem insgesamt. Die staatliche Maßnahme wird hoffentlich unterstützen. Und wir als HTGF werden auch auf jeden Fall unseren Beitrag dazu leisten, das Ökosystem zu stabilisieren. Unter anderem auch dadurch, dass wir weiter investieren.

Hier liegen die Möglichkeiten des HTGF?

Guido Schlitzer: Ja. Das ist unsere Stärke als Public-Private-Partnership. Denn im Gegensatz zu privaten Investoren, die sich teilweise aufgrund der aktuellen Unsicherheit erstmal zurückziehen, haben wir den Anspruch, sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten weiter zu investieren. Das machen wir und werden da auch von unserem Kurs für dieses Jahr in keiner Weise abweichen. Unser erklärtes Ziel ist es außerdem, in Zukunft noch stärker zu schauen, wo es im bisherigen System Lücken gibt, und wo bestehendes Venture Capital aktuell nicht ausreicht, sei das beim Thema Wachstumsfinanzierung oder fehlenden Börsengängen. Und da sehe ich eindeutige Chancen für den HTGF, sich hier noch stärker einzubringen.

Wie wollt ihr das machen?

Guido Schlitzer: Wir haben jahrelange Erfahrung, eine breite Expertise in unserem großartigen Team und natürlich ein einzigartiges Netzwerk. Wir bringen unsere Portfolio-Unternehmen auf der einen Seite und Vertreter aus Wirtschaft und Industrie auf der anderen Seite miteinander ins Gespräch. Wir prüfen ständig, wo es gute Synergien geben könnte und vernetzen unter anderem gezielt unsere Startups mit unseren Fondsinvestoren, die dadurch wiederum neue Impulse erhalten. Das ist enorm wichtig, wenn man als Unternehmen relevant bleiben will. Bereits vor der Krise haben die meisten Unternehmen begriffen, dass Innovation der Schlüssel ist für Zukunftsfähigkeit. Aber das fällt nicht vom Himmel, sondern hier muss man aktiv etwas tun.

Könnte die Krise zu einem Innovationsschub führen?

Guido Schlitzer: Ja, auf jeden Fall. Die Krise wird uns zwar hart treffen, und ich gehe nicht davon aus, dass wir so glimpflich wie 2008 davonkommen. Nach der Finanzkrise gab es ja direkt einen Aufschwung und dann ging es eigentlich nur bergauf. Dieses Mal wird es schwieriger sein, wieder auf einen grünen Zweig zu kommen, gesamtwirtschaftlich gesehen. Trotzdem bin ich überzeugt, dass die Krise in vielen Fällen eine Initialzündung sein kann. Spätestens jetzt ist jedem bewusst, dass er bei Zukunftstechnologien anpacken und investieren muss. Und zwar genau jetzt und nicht später.

Danke für deine Zeit, Guido!