Der Weg zu tierversuchsfreien Medikamenten – Lukas Gaats von mo:re im Interview
Das Hamburger Life Science-Startup mo:re setzt mit seiner innovativen Laborplattform, die die automatisierte Planung, Kultivierung und Analyse komplexer 3D-Zellkulturmodelle ermöglicht, neue Maßstäbe in der tierversuchsfreien Medikamentenentwicklung.
Durch die kürzlich abgeschlossene Seed-Finanzierung in Höhe von 2,3 Millionen Euro, angeführt vom HTGF, will mo:re Organoide als Standardlabortechnik etablieren und so die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente grundlegend verändern. Wir haben uns mit Lukas Gaats, Mitgründer und CEO von mo:re zusammengesetzt, um zu erfahren wie die Idee zu mo:re entstand, welche Herausforderungen das Team bereits gemeistert hat und was als Nächstes ansteht.
Lukas Gaates, Mitgründer und CEO von mo:re (Bild: mo:re)
Lukas, wie ist die Idee zu mo:re entstanden?
Die Idee kam während meines Forschungsaufenthaltes an der Queensland University of Technology (QUT). Im Labor von Professor Hutmacher haben wir an der Standardisierung von Bioprinting-Verfahren gearbeitet und während Interviews mit verschiedenen Forschern wurde mir ersichtlich, dass die Plattform kommerzielles Potenzial bietet. Ich habe meinen Mitgründer David während des MBA Studiums kennengelernt, in dem wir nicht nur die unternehmerischen Werkzeuge vermittelt bekamen, sondern auch die Lust am Gründen entdeckten. Wir wollten dieses Erlebnis haben, und als sich aus meiner Zeit als Mediziningenieur eine so vielversprechende Technologie entwickelte, ergab sich die perfekte Gelegenheit.
Bevor es an den Markt geht, muss eine Lösung validiert werden. Wie seid ihr dabei vorgegangen?
Wir haben die Technologie im Labor umfassend wissenschaftlich validiert und in der Entwicklung des Roboters auf klassische Prototyping Methoden zurückgegriffen. Die wichtigste Frage, die wir uns bei jeder Design- oder auch wissenschaftlichen Entscheidung stellen, ist die nach dem konkreten Ergebnis und wie es uns unseren Zielen näherbringt. Dadurch konnten wir auch mit anfangs bescheidenen Mitteln sehr fokussiert die ersten Prototypen und Anwendungen validieren.
Ihr habt gerade eine Seed-Finanzierung abgeschlossen – was sind eure nächsten Schritte?
Wir sind zu 100% auf die Kommerzialisierung fokussiert, da wir im Januar unser Produkt auf den Markt eingeführt haben. Es ist zu bedenken, dass wir Hardware, Software & Wetware (also die Organoide) anbieten, insbesondere im letzteren Bereich können wir nun signifikante Ressourcen investieren, um weitere Kunden von unserer Lösung zu überzeugen.
Jedes Startup steht vor Hürden. Was war eure bisher größte Herausforderung – und wie habt ihr sie gemeistert?
Meine größte Herausforderung war mental: Die Verantwortung, beispielsweise für das Wohlergehen unserer Mitarbeitenden, ist enorm und es gilt stets optimistisch voranzugehen. Diese mentale Belastung habe ich anfangs unterschätzt. Wir vergewissern uns regelmäßig im Führungsteam, dass der Zusammenhalt auch in schweren Momenten stark ist und sich niemand allein gelassen fühlt. Mit dem Wachstum ist es schön und beruhigend zu sehen, dass mit der mo:re GmbH allmählich etwas Größeres entsteht, als die Beiträge einzelner Personen.
Welche Learnings aus der bisherigen Reise würdest du anderen Gründer:innen mitgeben?
Verliert nie die Perspektive! Ein Startup – mit allen Höhen und Tiefen – ist eine unglaubliche Chance zu wachsen. Seid dankbar dafür, aber euch auch der Intensität bewusst. Versucht regelmäßig Abstand zu bekommen durch Hobbys, Reisen, oder Zeit mit Freunden und Familie, auch wenn es sie natürlich brennend interessiert, was grade im Startup los ist. So hat es bei mir geklappt, die letzten zwei Jahre mit Leidenschaft und Freude zu bewältigen.
Vielen Dank, Lukas, für die interessanten Einblicke, Lukas!
KI gegen Papierkram – Interview mit Mike McCarthy, Co-Founder von cloudsquid
Im vergangenen November gab cloudsquid den Abschluss seiner Pre-Seed-Finanzierungsrunde unter der Leitung des HTGF bekannt. Das Startup hat es auf Papierkram abgesehen und setzt KI-Agenten ein, um Teams bei der Automatisierung dokumentenlastiger Arbeitsabläufe zu unterstützen. Erste Kunden transformieren kritische Arbeitsabläufe in den Bereichen Buchhaltung, Versicherungsansprüche und Lieferkettenbetrieb. Wir haben uns mit dem Gründer Mike zusammengesetzt, um über das vielfältige Team, seine Motivation, die gewonnenen Erkenntnisse und die nächsten Schritte für das Unternehmen zu sprechen.
Mike McCarthy (mitte) und sein Co-Founder, Sangwoo Bae (links) und Filip Rejmus (rechts).
Euer Team hat unterschiedliche Hintergründe – was ist eure gemeinsame Motivation und wie ergänzt Ihr euch?
Unsere Vielfalt ist unsere Stärke. Ich bin aus den USA nach Berlin gezogen, Filip aus Polen und Sang aus Südkorea. Wir vereinen die Perspektiven der Millennials und der Generation Z. Diese Mischung hilft uns, Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln anzugehen und anders zu denken. Ich denke, unser gemeinsamer Wert ist Leidenschaft und Intensität. Wir haben großes Glück, dass wir die Möglichkeit haben, in einer so aufregenden Zeit der Technologie zusammenzukommen und dieses Unternehmen aufzubauen. Wir alle haben die Herausforderungen der Anpassung erlebt und die für das Unternehmertum unerlässliche Stärke und Flexibilität entwickelt.
Ihr habt euer Produkt kürzlich gelauncht. Was war der größte „Aha-Moment“ auf dem Weg dorthin?
Unsere größte Erkenntnis betraf die Einführung von KI in Unternehmen. Trotz des Hypes nutzen die meisten traditionellen und Enterprise-Unternehmen generative KI nur oberflächlich. Viele Anbieter zwingen Unternehmen neue Systeme auf, die nicht bereit für schnelle Veränderungen sind. Unser Ansatz, Dokumenten-Workflows zwischen bestehenden Systemen zu lösen und Unternehmen gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, vertraute Prozesse und Tools beizubehalten, bietet einen realistischeren Weg zur Einführung. Durch diese Systemlücken geht enorme Effizienz verloren, was die perfekte Gelegenheit für KI-Workflows schafft, die vorher aufgrund der enormen Gewinne an Argumentations- und Intelligenzfähigkeiten nicht möglich waren.
Wonach sucht ihr aktuell? Wie kann das HTGF-Netzwerk euch unterstützen?
Nachdem wir selektiv mit frühen Partnern zusammengearbeitet haben, sind wir bereit für die Skalierung. Wir würden gerne mit Unternehmen im Netzwerk sprechen, die bereit sind, diese Probleme anzugehen. Wir zielen auf mühsame Dokumenten-Workflows ab, die vor LLM nicht zu lösen waren. Zum Beispiel das Extrahieren von Daten aus 150-seitigen PDFs mit unzähligen Einzelposten in Kreditorenbuchhaltungsprozessen, bei denen jeder Kunde unterschiedliche Vorlagen verwendet. Diese mühsame Querverweisarbeit kostet Unternehmen Millionen und kein Mensch will sie machen. Genau diese Arbeitsabläufe wollen wir in Angriff nehmen.
Welche Hürden musstet ihr beim Aufbau von Cloudsquid überwinden, die ihr nicht erwartet hattet?
Der Aufbau auf sich schnell entwickelnden KI-Modellen erfordert eine ständige Neubewertung. Man muss sich immer wieder fragen, was möglich ist, und bereit sein, über Nacht umzuschwenken. Das treibt uns an, für die Zukunft zu bauen und anders zu denken. Es stellt auch die konventionelle Weisheit über die kundenorientierte Entwicklung von Funktionen in Frage. Kundenfeedback ist zwar wichtig, aber die Kunden verstehen die KI-Fähigkeiten heute nicht vollständig, geschweige denn in sechs Monaten. Wir müssen uns diese Zukunft für sie vorstellen.
In der Pre-Seed-Phase ist jede Entscheidung wichtig. Welcher eurer ersten Schritte hat sich als der wertvollste erwiesen?
Unsere Reise beinhaltete einen großen Pivot und mehrere kleinere, um unseren Fokus zu verfeinern. Pre-Seed erfordert eine experimentelle Denkweise, das Testen von Ideen und das Sammeln von Marktfeedback. Der schlimmste Fehler ist es, sich auf eine Idee festzulegen, von der man selbst oder der Markt nicht überzeugt ist. Wenn man das richtige Problem gefunden hat, erhalten Kundeninteraktionen eine andere Dynamik.
Wie kam es zu eurem Pivot?
Wir folgten dem üblichen Rat, eine Idee vorab zu verkaufen und nur einen Monat nach der Gründung ein kostenpflichtiges MVP zu erstellen. Wir haben vier Monate lang an diesem Projekt gearbeitet, bevor wir merkten, dass es nicht der richtige Weg für uns war. Für uns war das kontraproduktiv, weil es unsere Flexibilität einschränkte, unseren Instinkten und dem Feedback des Marktes zu folgen. Wir waren an die Erfüllung eines bezahlten Vertrags gebunden. Wir haben unsere Verpflichtung erfüllt, aber schnell die Richtung geändert. Diese Erfahrung hat uns wertvolle Lektionen über die Entwicklung von KI-First-Produkten gelehrt.
Was ist euer bester Tipp für Gründer, die sich derzeit in der Pre-Seed-Phase befinden?
Seid leidenschaftlich und überzeugt, aber schaltet euer Ego aus, wenn ihr falsch liegt. Anpassungsfähigkeit wird in dieser chaotischen Technologielandschaft über den Erfolg entscheiden. Verliebt euch in das Problem, nicht in eure Lösung.
Innovationen, Investments, Impact: Das HTGF Biotech-Jahr 2024 im Rückblick
Um einen Rückblick auf ein besonderes Biotech-Jahr zu werfen, haben wir uns mit den Investment-Professionals Dr. Laura Pedroza, Dr. Frank Hensel und Dr. Angelika Vlachou aus unserem Life Sciences-Team zusammengesetzt. 2024 war ein Jahr der großen Finanzierungsrunden und einem Milliarden-Exit im HTGF-Portfolio. Gleichzeitig bleibt die sinkende Investitionsbereitschaft in frühen Phasen eine Herausforderung. Doch auch auf politischer und struktureller Ebene gab es wichtige Entwicklungen: Dr. Angelika Vlachou ordnet zentrale Förderinitiativen ein, die den Innovationsstandort Deutschland stärken und zukunftsweisende Technologien wie Gen- und Zelltherapien vorantreiben sollen.
Welche Entwicklungen prägten den Biotech-Sektor in Deutschland und Europa im Jahr 2024?
Dr. Frank Hensel: 2024 war ein starkes Jahr für den Biotech-Sektor. Wir haben einige bedeutende Finanzierungsrunden gesehen, darunter Catalym und ITM. Und diese Entwicklung spiegelt sich auch in unserem HTGF-Portfolio wider. Insgesamt wurden mehr als 800 Millionen Euro an Anschlussfinanzierungen in Life-Sciences-Startups gesichert, insbesondere durch große Runden wie bei Tubulis, Alentis oder SciRhom. Ein absolutes Rekordjahr.
Ein wichtiger Faktor für diesen Erfolg war auch das erfolgreiche Fundraising großer Life-Science-Fonds. Unsere frühen Investitionen in innovative Wissenschaft und starke Gründerteams zahlen sich nun aus. Das gesamte Biotech-Ökosystem wird reifer, und immer mehr Unternehmen mit soliden Pipelines erreichen klinische Entwicklungsphasen. Dadurch werden sie auch für europäische und amerikanische Fonds zunehmend interessant.
Während Anschlussfinanzierungen früher eine große Herausforderung waren, sehen wir heute eine echte Chance, europäische Champions aufzubauen. Dies unterstützen wir auch mit dem im letzten Jahr gestarteten Wachstumsfonds, dem HTGF Opportunity, mit welchem wir die positiven Entwicklungen der späteren Runden auch finanziell bei ausgewählten Portfoliounternehmen unterstützen wollen.
Dr. Laura Pedroza: Gleichzeitig beobachten wir eine gegenläufige Entwicklung: Immer mehr Fonds ziehen sich aus frühen Finanzierungsphasen zurück, was die Pre-Seed- und Seed-Finanzierung anspruchsvoller macht. Besonders Runden im hohen einstelligen Millionenbereich, die die Entwicklung signifikant „derisken“, sind schwieriger geworden. Da gerade diese Unternehmen die Champions von morgen sind, ist die Finanzierung in der frühen Phase durch den HTGF eine solide Basis für den ganzen Markt. In 2024 waren wir an rund der Hälfte aller Seed-Finanzierungsrunden in Deutschland beteiligt!
Wichtige Initiativen aus Deutschland – Eine Einordnung von Dr. Angelika Vlachou
Biotechnologie ist eine der Zukunftstechnologien, die eine zentrale Rolle in Deutschland spielt. Dr. Angelika Vlachou, Partnerin beim HTGF, gibt einen Überblick über zentrale Initiativen, die den Fortschritt in Bereichen wie Gen- und Zelltherapie sowie die Unterstützung von Startups vorantreiben – von GoBio bis hin zu weiteren bedeutenden Initiativen im Bereich Gen- und Zelltherapien.
Fast doppelt so viel Finanzmittel konnte die deutsche Biotech-Branche in 2024 im Vergleich zum Vorjahr einwerben. Das Jahr 2024 war besonders: Im VC-Bereich geprägt durch wenige, einzelne Finanzierungsrunden, die außerordentlich hoch waren, während die Anzahl der Finanzierungsrunden – insbesondere in der frühen Phase vor Serie A – rückläufig war und deren Zustandekommen zunehmend herausfordernd. Das spiegelt sich auch in unserem Portfolio wider.
Neben großartigen Innovationen und Investorengeld braucht es Gründungswillige, professionellen Techtransfer und vor allem erfahrene Manager, um erfolgreiche Unternehmen zu bauen. Diese Faktoren sind zusammenzubringen und zu vernetzen, um exzellente Wissenschaft in die Kommerzialisierung zu führen. Wir haben eine großartige Forschung in Deutschland – doch um daraus mehr erfolgreiche Gründungen auf den Weg zu bringen, gibt es noch Potenzial nach oben. Gezielter Technologietransfer und Translation in einer vorausschauenden Strategie legen den Grundstein für späteren Markterfolg.
Deutschland zeichnet viele einzelne Biotech-Cluster aus. Diese besser zu vernetzen und daraus einen schlagkräftigen europäischen Hub, ein dynamisches Start-up Ökosystem zu formen, ist eine zentrale Aufgabe. Die Neuauflage von Go-Bio ist sehr erfreulich, um den Transfer von Forschungsideen aus der lebenswissenschaftlichen Grundlagenforschung in die Anwendung zu unterstützen. Seit letztem Jahr gibt es mit Genenovate das erste deutschlandweite Entrepreneurship-Programm, um Wissenschaftler auf dem Gebiet der Gen- und Zelltherapien gezielt auf ihre Rolle als Unternehmern vorzubereiten. Davon brauchen wir mehr!
Welche langfristigen Trends und Entwicklungen haben sich herauskristallisiert?
Dr. Frank Hensel: Ein weiterhin starker Trend sind Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs). Bereits mit Emergence konnten wir einen erfolgreichen Exit verzeichnen, und mit Tubulis sowie Alentis haben wir bedeutende Player im Portfolio.
Ein weiteres zentrales Thema in 2024 war die Immunologie. Unsere frühe Investition in SciRhom aus dem Jahr 2016 zahlt sich aus: Das Unternehmen hat nun die finanziellen Mittel, um die Wirksamkeit in der klinischen Phase zu zeigen. Hier zeigt sich ganz klar der strategische Wert eines diversifizierten Portfolios – sowohl in Bezug auf Indikationen als auch Modalitäten.
Dr. Laura Pedroza: Zudem sehen wir ein enormes Interesse an KI-gestützten Lösungen. Besonders hervorzuheben ist die Aignostics-Finanzierungsrunde, ein Leuchtturmprojekt im Bereich KI-gestützter digitaler Pathologie mit Wurzeln an der Charité. KI wird sich zunehmend als wertvolles Tool in Biotech-Unternehmen etablieren und neue Möglichkeiten in Hinblick auf den Targetspace und die Assets eröffnen.
Blicken wir auf das HTGF-Portfolio. Wir haben 2024 Jahr einen Milliarden-Exit gesehen, aber auch viel Neugeschäft. Was hat dieses Jahr so besonders gemacht?
Dr. Frank Hensel: Neben den großen Finanzierungsrunden war der Exit von Cardior natürlich ein ganz besonderes Highlight für uns. Ein zweites Unicorn im Life-Sciences-Bereich macht uns stolz und ist Testament für die Stärke der deutschen Forschungslandschaft sowie die Qualität unserer exzellenten Gründerteams.
Dr. Laura Pedroza: Im Neugeschäft haben wir in Unternehmen wie Umlaut, TQ, Refoxy, TecRegen und SRTD investiert. Dabei setzen wir gezielt auf neue Modalitäten und Biologie mit hohem Risiko, aber eben auch hohem Potenzial.
Wie hat sich die Zusammenarbeit innerhalb der Biotech-Community weiterentwickelt?
Dr. Laura Pedroza: Eine enge Vernetzung ist essenziell. Der HTGF und seine Konsortium-Partner in der Frühphase haben es geschafft, nicht nur große europäische, sondern auch amerikanische Fonds einzubinden. Wir beobachten zudem immer mehr pan-europäische Teams, die die Biotech-Community weiter zusammenwachsen lassen.
Welche Tipps würdet ihr angehenden Biotech-Gründerinnen und -Gründern mit auf den Weg geben?
Dr. Frank Hensel: Für angehende Gründerteams ist der frühe Austausch mit relevanten Akteuren wie Pharmaunternehmen und VC-Investoren entscheidend. Wir setzen bereits in der Pre-Seed-Phase an, indem wir mit Technologietransferstellen, Universitäten und Forschungsinstituten zusammenarbeiten. Wir wollen die Teams schon vor der eigentlichen Gründung optimal vorbereiten. Unsere Botschaft: Der HTGF bleibt weiterhin nah and der starken Forschung in Deutschland und unterstützt die Translation in innovative Startups.
HTGF brand new: Unser neues Corporate Design ist da
Wir haben es getan: Ein neues Design, das zeigt, wer wir sind und wofür wir stehen – und das einem beeindruckenden Portfolio die Bühne überlässt. Im Jahr seines 20. Geburtstags präsentiert sich der HTGF mit einem neuen Markenbild.
Als Venture Capitalist sind wir in den vergangenen Jahren stetig gewachsen: an Erfahrung, Expertise und Erfolgen.
„Es war an der Zeit, diese Entwicklung sichtbar zu machen. Unsere neue visuelle Identität spiegelt sowohl die Vielfalt unseres Portfolios als auch die Bandbreite unseres Investmentansatzes wider. Gleichzeitig verkörpert sie die Energie unseres Teams, das jeden Tag dafür brennt, Gründerinnen und Gründer dabei zu unterstützen, mit ihren Ideen und Technologien die Welt zu verändern”,
erklärt Geschäftsführerin Romy Schnelle den Schritt zum neuen Markenbild.
So präsentiert sich der High-Tech Gründerfonds zukünftig nicht nur in neuem Design: Auch die Verwendung der Kurzform HTGF, die sich international längst etabliert hat, wird zum zentralen Namen in der gesamten Markenkommunikation.
Brand Purpose
Auch das deutsche Startup-Ökosystem hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Als einer der aktivsten Seed-Investoren Europas hat der HTGF an dieser Entwicklung einen großen Anteil haben dürfen: Seit 2005 investieren wir frühphasig in Tech-Startups – internationale Marktführer von morgen. Dabei investieren wir oft früher als andere, um cutting-edge Technologien und wegweisenden Geschäftsmodellen bereits ab der Pre-Seed-Phase den nächsten wichtigen Schritt zu ermöglichen.
„Für uns als VC bedeutet das nicht nur, früh ins Risiko zu gehen, es erfordert vor allem: Menschenkenntnis“,
sagt Romy Schnelle.
Als ein wesentlicher Aspekt des Erfolgs vom HTGF und gleichzeitig Kern des Purpose gilt deshalb einmal mehr: Wir investieren in Menschen. „We invest in people“ bleibt auch im neuen Look eine zentrale Botschaft.
Brand Personality first
Wir begegnen Gründerinnen und Gründern auf Augenhöhe: Ein einfaches, aber unschlagbares Erfolgsrezept. So sind einige der innovativsten Startups Europas mit dem HTGF gestartet, weil unsere Partner:innen und Investment Manager:innen ihr Gespür für Gründer:innen und den richtigen Zeitpunkt bewiesen haben.
„Für uns war folgerichtig, dass wir die für den Relaunch initiale Analysen unserer Markenpersönlichkeit – neben vielen Perspektiven aus unserem Team – auch mit unseren Portfolio-Startups durchführen wollten“,
erklärt Claudia Seifert, Projektleiterin des Relaunchs, die Herangehensweise.
Dazu fragten wir Gründerinnen und Gründer aus unserem Portfolio nach ihrem persönlichen Bild zur Marke HTGF. Mit dem beeindruckend deutlichen Ergebnis einerseits: Unsere Markenwerte sind auch nach außen lebendig und erlebbar – ob in der direkten Zusammenarbeit mit unseren Investment Professionals oder bei unserer Flagship-Conference dem „HTGF Family Day“.
Andererseits war das Ergebnis verbunden mit dem deutlichen Auftrag zu einem Design-Relaunch: Der visuelle Auftritt der Marke HTGF war hinter den Möglichkeiten zurückgeblieben.
„Neben der Auswahl einer erfahrenen Agentur, die das Rebranding begleitet, ist es unerlässlich, den Blick für die Positionierung von innen nach außen zu wenden“,
erläutert Claudia Seifert.
Erfolgsvorteil Vielfalt: Tech Founders are different
Eine große Stärke liegt in der Diversität unserer drei Investmentbereiche. Unsere Investment-Teams aus Industrial, Climate & Deep Tech, Life Sciences & Chemie sowie Digital Tech vereinen Expertinnen und Experten aus: Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung – mit tiefem und spezifischem Tech-Know-how, Gründungserfahrung und unternehmerischem Mindset. Tech Startups haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse, benötigen spezifischen Netzwerk-Support und ein tiefes Marktverständnis in den jeweiligen Geschäftsfeldern. Diese Diversität drücken wir im neuen Design mit unserem Farbverlauf als zentrales Visual aus.
„Als VC sind wir genau wie unsere Startups in dynamischen Strukturen und Märkten unterwegs – ein Startup-Team zu sein bedeutet, sich in einem ständigen Transformationsprozess zu befinden. Deshalb bringt unser neues Design auch zum Ausdruck: Wir passen uns schnell und flexibel an neue Anforderungen an“,
sagt Stefanie Grüter, Partnerin Communication & Relations.
Neben der Farbigkeit unterstreicht das neue Design mit einem neuen Logo auch das Standing des HTGF in der deutschen und europäischen Venture Capital Szene: Die Wort-Bild-Marke setzt die vier Buchstaben HTGF selbstbewusst in Schwarz-Weiß und schafft damit ein Kontrast-Statement zum dynamischen Verlauf.
„Variable, freistehende Elemente formen das „F“: Genau wie unsere Fonds selbst, die sich immer wieder neu zusammensetzen. Gleichzeitig illustriert das typografische Logo die zentralen Themen Performance und Wachstum“,
erklärt Stefanie Grüter.
🚀 Farbverlauf: So vielfältig wie unser Portfolio. So dynamisch wie unser Investment Approach. So vielseitig wie unsere Expertise.
⚡ Klares, internationales Logo: Nahbar, selbstbewusst und mit klarem Fokus – so arbeiten wir auch mit Startups, Partnern und Investoren in Deutschland, Europa und mit internationaler Strahlkraft.
🌍 Markenpersönlichkeit: Familiär, nahbar, vernetzend und mit der Vision für eine erfolgreiche Zukunft – weil wir mehr geben als Kapital, weil wir mehr bieten als Investments.
Neues Zuhause für Transparenz und Offenheit
Auch räumlich hat der HTGF zum Launch des Designs und der Website ein neues Zuhause gefunden. Mit dem neuen Office an unserem Hauptstandort in Bonn können wir auch als Team zukünftig noch transparenter und nahbarer zusammenarbeiten.
„Wir freuen uns sehr darauf, die neue Markenausrichtung in der nächsten Zeit für alle unsere Stakeholder erlebbar zu machen“,
sagt Geschäftsführerin Romy Schnelle.
Ihre Ansprechpartnerin bei Fragen zu unserem neuen Design oder zur Verwendung des Logos:
Mit Erfahrung Neues schaffen: Der neue HTGF-Geschäftsführer Dr. Achim Plum im Interview
Innovationslust und Leidenschaft für Life Sciences – diese Eigenschaften zeichnen Dr. Achim Plum aus. Seit dem 1. Januar 2025 ist der promovierte Genetiker Teil der Geschäftsführung des High-Tech Gründerfonds (HTGF). Mit über 25 Jahren Erfahrung in der Life-Sciences-Branche bringt er tiefes Fachwissen und Managementerfahrung ein. Im Interview spricht er über die Lehren aus seiner Karriere, seine neue Rolle und die Zukunft der Branche.
Dr. Achim Plum, neues Mitglied der Geschäftsführung des HTGF
Herzlich willkommen, Achim. Wir freuen uns sehr, dass du seit dem 1. Januar als Geschäftsführer neu bei uns an Bord bist.
Dr. Achim Plum: Ich freue mich auch sehr. Es waren intensive erste Wochen, aber im besten Sinne. Der Dealflow beim HTGF ist beeindruckend, und die Kolleginnen und Kollegen bringen unglaublich viel Expertise mit. Das Team hat mich bei allen wichtigen Themen direkt eingebunden – dafür schon einmal einen herzlichen Dank! Die Einarbeitung fällt mir dadurch leicht, und ich freue mich darauf, in den nächsten Wochen noch viel tiefer einzutauchen, unsere großartigen Partner kennenzulernen und gemeinsam mit dem Team, unseren Portfolio-Unternehmen und Fondsinvestoren das Start-up-Ökosystem weiter zu stärken und Innovation voranzutreiben.
Was ist dir wichtig bei der Zusammenarbeit?
Dr. Achim Plum: Ich persönlich funktioniere am besten in Teams, die eine hohe intrinsische Motivation und einen starken Anspruch an sich selbst haben. Meine Aufgabe sehe ich darin, mit meinem Team eine klare Vision zu entwickeln und es zu unterstützen, diese Vision gemeinsam umzusetzen – und dabei möglichst viel Spaß zu haben. Ein respektvoller Umgang, Transparenz und eine offene Unternehmenskultur sind dabei essenziell. Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Kreativität und Leistung Hand in Hand gehen.
Was hast du beim HTGF vor?
Dr. Achim Plum: Der HTGF feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum und hat seitdem Großartiges erreicht. Gleichzeitig sehe ich Chancen und auch die Notwendigkeit, unsere Value Proposition – also unser Angebot für Gründer:innen und Fondsinvestoren – kontinuierlich weiterzuentwickeln. Aus unserer Stärke heraus können wir weiter wachsen, unser Portfolio noch besser unterstützen und den Mehrwert für Gründer:innen und Partner:innen steigern.
Was reizt dich an deiner neuen Aufgabe beim HTGF?
Dr. Achim Plum: Der HTGF hat als Public-Private-Partnership einen klaren Auftrag: Er soll als Katalysator im Start-up-Ökosystem wirken und die Innovationskraft Deutschlands stärken. Die Doppelrolle zwischen öffentlichem Auftrag und dem Anspruch, ein finanziell erfolgreicher Investor zu sein, macht die Aufgabe besonders spannend. Die Mission des HTGF ist ja, Start-ups mit innovativen Technologien und Geschäftsmodellen zu finanzieren und zusammen mit den Gründer:innen zukünftige Marktführer zu formen. Ich finde es sehr aufregend, diese Mission nun mit voranzutreiben – natürlich besonders im Bereich Life Sciences, den ich schwerpunktmäßig betreuen werde. Hier können wir stolz sein auf hochkarätige Start-ups und spektakuläre Exits. Ich möchte unsere Position als „Smart Money for Life Sciences“ weiter stärken und ausbauen.
Du sprichst Life Sciences an: Dein Hintergrund liegt in diesem Bereich.
Dr. Achim Plum: Genau. Ich bin promovierter Genetiker und seit 25 Jahren in der Life-Sciences-Industrie tätig. Dabei habe ich Unternehmen in der Früh- und Wachstumsphase, aber auch große Technologiekonzerne kennengelernt. Ich habe auf meinem Weg viele innovative Technologien und Geschäftsmodelle kennengelernt, Unternehmen aufgebaut, umgebaut und – manchmal leider auch – abgebaut. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, was Start-ups, aber auch etablierte Unternehmen, wirklich brauchen und wie man die Zusammenarbeit zwischen ihnen produktiv gestaltet.
Und in dieser Zeit hast du auch zwei Börsengänge begleitet. Wie stehen wir in Deutschland in diesem Bereich deiner Meinung nach da?
Dr. Achim Plum: Der deutsche Kapitalmarkt ist nach wie vor recht risikoavers, was ihn in einigen Bereichen weniger dynamisch macht. Ein weiterer Punkt ist, dass hierzulande große Pensionsfonds als wichtige Akteure fehlen, die in anderen Ländern oft eine zentrale Rolle spielen. Für umsatz- und insbesondere profitgetriebene Equity Stories funktioniert der Markt zwar ganz gut, aber bei Unternehmen aus der Life-Science-Branche wird es schwieriger. Diese Unternehmen sind oft sehr kapitalintensiv, da sie klinische Studien finanzieren müssen oder in einem stark regulierten und konservativen Umfeld agieren. In der risikoreichen Entwicklungsphase kommt dann häufig der Punkt, an dem der Börsengang (IPO) als einzige Finanzierungsoption bleibt – z.B. wenn sich noch keine Pharmaunternehmen als Entwicklungspartner oder Käufer findet. Und hier zeigt sich: An der Nasdaq kann das noch ganz gut funktionieren, in Europa eher nicht. Wenn die Aktionäre eines R&D-getriebenen Technologie-Unternehmens unmittelbar nach dem Börsengang Dividendenausschüttung erwarten, weiß das Management, dass es am falschen Börsenplatz gelistet ist… Aber ich bin optimistisch, dass sich die Einstellung dazu auch hierzulande verbessern wird… Sie muss es.
Du hast in deinen vorherigen Stationen die Finanzierungsperspektiven von Unternehmen in allen Entwicklungsstadien kennengelernt. Magst du ein paar Learnings mit uns teilen?
Dr. Achim Plum: Es gibt ein paar Weisheiten, die ich auf diesem Weg gesammelt habe, die aber nie alt werden:
Go for Smart Money, not Easy Money
Listen, Listen, Listen & Learn
Funding follows strategy
Stay focused & deliver
Das bezieht sich eigentlich alles auch auf die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Corporates. Was sind deine Erfahrungen in diesem Bereich?
Dr. Achim Plum: Die größte Herausforderung ist oft das gegenseitige Verständnis. Das lässt sich oft nur mit dem englischen Begriff „Lost in Translation“ beschreiben. Die Kulturen und ökonomischen Rahmenbedingungen sind oft sehr unterschiedlich. Da ich beide Seiten kenne, habe ich gelernt, wie man hier Brücken baut. Heute sind Konzerne aber auch besser aufgestellt, um mit Start-ups zusammenzuarbeiten. Das Insourcing – also die Eingliederung von innovativen Technologien – ist jetzt eher der Standard als die Ausnahme. Dazu trägt auch die Arbeit des HTGF bei. Wir bringen Start-ups mit Mittelständlern und Konzernen zusammen und schaffen so Mehrwert an vielen Punkten der Wertschöpfungskette in Form von Kooperationen oder M&A für alle Beteiligten.
Was sind deine Tipps für Gründer:innen im Life Science Bereich?
Dr. Achim Plum: Ganz kurz und knapp: Exzellente Wissenschaft ist der Schlüssel – aber sie allein reicht nicht aus; sucht keine Probleme für Eure Lösung, entwickelt Lösungen für reale Probleme; habt den Mut, die Dümmsten in Eurem Team zu sein.
Wo stehen wir im Bereich Life Sciences aktuell? Welche Entwicklungen fallen dir besonders auf?
Dr. Achim Plum: Wir können heute – dank moderner Hochdurchsatztechnologien –riesige Mengen hochaufgelöster biologischer Daten sehr kostengünstig erzeugen. Gepaart mit fortschrittlichen Methoden der Datenanalyse und KI besteht damit z.B. die Möglichkeit, Krankheitsmechanismen bessern zu verstehen und daraus neue Therapieansätze abzuleiten und effizienter zu entwickeln. Diese lassen sich durch klassische Small Molecule Drugs, Biologicals und (Stamm-)Zelltherapien realisieren. Genome Editing eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der Gentherapie. Zudem werden wir immer mehr entscheidungsunterstützende Systeme in der medizinischen Diagnostik sehen, die auf großen, heterogenen Datensätzen aufbauen und deren Algorithmik mit Hilfe von KI entwickelt wurde, die perspektivisch, aber auch aktive KI enthalten werden.
Und wenn wir noch weiter in die Zukunft blicken – was siehst du langfristig?
Dr. Achim Plum: Langfristig sehe ich großes Potenzial in der synthetischen Biologie. Sie könnte uns helfen, große Herausforderungen wie den Klimawandel oder den Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft zu bewältigen. Gleichzeitig wird die Medizintechnik weiter voranschreiten. Man denke nur an intelligente Implantate, innovative Mensch-Maschine-Schnittstellen oder implantierbare Biosensoren, die frühzeitige und optimierte medizinische Interventionen ermöglichen können.
Der HTGF ist durch seine Vernetzung in der Forschungslandschaft sehr gut positioniert, solche Zukunftsthemen frühzeitig zu erkennen und mit seinen Portfoliounternehmen nach vorne zu bringen.
Zum Schluss: Wenn du dich mal nicht intensiv mit dem Start-up-Ökosystem und der Zukunft von Life Science beschäftigst, was machst du dann?
Dr. Achim Plum: Du meinst privat? Ich bin ein passionierter Fotograf, koche gerne für meinen Partner und Freunde, genieße das Berliner und Köln-Bonner Kulturangebot und verreise gerne und viel. Aber es darf auch mal ein gutes Buch bei einem Rotwein vor dem Kamin sein.
HTGF-Jahr 2024: Rekorde im schwierigen Umfeld und bedeutende Veränderungen
Rekord bei den Anschlussfinanzierungen, Start-ups mit Milliardenbewertung, aber auch ein wirtschaftlich herausforderndes Umfeld: So fasst die Geschäftsführung das Jahr 2024 des High-Tech Gründerfonds zusammen. Romy Schnelle und Dr. Alex von Frankenberg blicken zurück auf ereignisreiche Monate.
Dr. Alex von Frankenberg und Romy Schnelle, Geschäftsführung des High-Tech Gründerfonds
2024 ist ein Jahr der Veränderung beim HTGF.
Romy Schnelle: Absolut. 2024 war voller Dynamik – mit vielen positiven Entwicklungen, aber auch großen Veränderungen. Ein wichtiges Ereignis ist natürlich der Abschied von Guido Schlitzer, der uns als Co-Geschäftsführer verlässt. Wir möchten hier nochmal die Gelegenheit nutzen und Guido für seine Zeit beim HTGF danken.
Alex von Frankenberg: Gleichzeitig freuen wir uns sehr auf Dr. Achim Plum. Er bringt hervorragende Erfahrungen im Bereich Life Sciences mit, in dem er mehrere Unternehmen in der Früh- und Wachstumsphase mit aufgebaut und zwei Börsengänge begleitet hat. Wir freuen uns sehr, dass er direkt zum 1. Januar startet und mit uns gemeinsam die nächsten Schritte geht.
2024 war wirtschaftlich herausfordernd. Wie hat sich der HTGF in diesem Umfeld geschlagen?
Alex von Frankenberg: Das Jahr war für uns sehr erfolgreich. Wir sind erneut einer der aktivsten Frühphaseninvestoren in Deutschland und Europa und haben bei den Anschlussfinanzierungen einen neuen Rekord aufgestellt: Über eine Milliarde Euro konnten unsere Portfolio-Unternehmen 2024 in Folgerunden von Investoren einsammeln. Das zeigt: Kapital ist weiterhin verfügbar. Ganz wichtig dabei, dass es die richtigen Unternehmen erreicht. Unser Portfolio ist hier gut aufgestellt, und wir sehen, dass unsere Start-ups auch in schwierigen Zeiten überzeugen können.
Romy Schnelle: Es war definitiv kein einfaches Jahr, aber es hat gezeigt, was wir als Team erreichen können. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen haben wir gemeinsam mit unseren Fondsinvestoren und Portfolio-Unternehmen viel bewegt. Dafür möchten wir uns bei unserem Team und unseren Partnern herzlich bedanken.
Wie ist die Stimmung bei den Start-ups angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen?
Romy Schnelle: Natürlich spüren viele Start-ups die aktuellen Rahmenbedingungen. Besonders im B2B-Bereich gibt es Herausforderungen, etwa bei der Kundenakquise, weil Unternehmen insgesamt vorsichtiger agieren. Bei Anschlussfinanzierungen spüren viele Start-ups zudem, dass Investoren selektiver geworden sind – obwohl viel Kapital im Markt ist.
Alex von Frankenberg: Fokus ist entscheidend. Gerade in schwierigen Marktbedingungen zeigt sich, wie wichtig Kapitaleffizienz, ein klarer Produktfokus und gutes Management sind. Die besten Teams schaffen es auch in solchen Zeiten zu überzeugen und starke Finanzierungen abzuschließen. Und die Vergangenheit zeigt: Viele der erfolgreichsten Unternehmen sind in Krisenzeiten entstanden.
Welche Trends seht ihr aktuell im Portfolio des HTGF?
Alex von Frankenberg: Ein großes Thema sind etwa die Bereiche Climate Tech und Energy. Ein Beispiel ist unser Portfolio-Unternehmen Proxima Fusion, das auf beeindruckende Art und Weise daran arbeitet, saubere Energie durch Fusionskraft nutzbar zu machen. Sie haben im April eine Seed-Finanzierung über 20 Millionen Euro abgeschlossen. Das Unternehmen baut auf den bahnbrechenden Ergebnissen des Experiments Wendelstein 7-X (W7-X) auf, dem weltgrößten Stellarator am Max-Planck-IPP, in den die deutsche Regierung und die Europäische Union 1,3 Milliarden Euro investiert haben.
Romy Schnelle: Auch in anderen Bereichen sehen wir spannende Entwicklungen. Plancraft, ein Anbieter von Softwarelösung zur Digitalisierung von Arbeitsprozessen im Handwerk, oder doinstruct, eine Plattform für digitale Schulungen in der Industrie, haben zuletzt beeindruckende Fortschritte gemacht und konnten Investoren wie Creandum überzeugen.
Alex von Frankenberg: Besonders erfolgreich waren auch Portfolio-Unternehmen aus dem Life Science Bereich, die große Finanzierungsrunden – auch in späteren Wachstumsphasen – abgeschlossen haben. Beispielweise Tubulis, ein Unternehmen, das Antikörper-Wirkstoff-Konjugate für die Krebstherapie entwickelt oder SciRhom, das sich auf die Behandlung schwerer Autoimmunerkrankungen spezialisiert hat.
Romy Schnelle: Deshalb ist es wichtig, dass wir mit dem Opportunity Fonds Start-ups aus unserem Portfolio auch in späteren Finanzierungsrunden mit bis zu 30 Millionen Euro in der Wachstumsphase unterstützen können. Eines der ersten Start-ups, das wir auf diese Weise finanziert haben, ist Aignostics, die ein KI-Model für die Pathologie entwickeln und das Potenzial haben, so gezielter Therapien anbieten und die Entwicklungszyklen in der Pharmaindustrie verkürzen zu können.
Anfang des Jahres konntet ihr mit dem Exit von Cardior einen bedeutenden Erfolg verzeichnen. Was macht diesen Exit so besonders?
Romy Schnelle: Cardior entwickelt RNA-basierte Therapien, um Herzkrankheiten vorzubeugen, zu behandeln und umzukehren. Das Unternehmen wurde von Novo Nordisk übernommen: Mit einer Bewertung von bis zu 1,025 Milliarden Euro war es ein herausragender Erfolg für das Team und ein großer Schritt für die Forschung in diesem Bereich. Es zeigt, wie bedeutend deutsche Start-ups auf globaler Ebene sein können – und welchen Mehrwert sie für Betroffene und die Wissenschaft schaffen.
Mit EGYM hat der HTGF ein neues deutsches Unicorn im Portfolio. Was macht diese Erfolgsgeschichte aus?
Alex von Frankenberg: EGYM begleite ich seit über 10 Jahren als Investment Manager, und das Team hat in den letzten Jahren wirklich Großartiges geleistet. Die Pandemie brachte große Herausforderungen, aber sie haben klug reagiert. Mit dem Aufbau der Business Unit “Wellpass” bieten sie Unternehmen Firmenfitness für Mitarbeitende an und haben mit diesem Schritt eine wichtige Entscheidung getroffen. Heute wächst EGYM kontinuierlich und ist profitabel. Ich bin sicher, dass diese Erfolgsgeschichte noch lange nicht zu Ende erzählt ist.
Der HTGF feiert 2025 sein 20-jähriges Bestehen. Wie hat sich das Start-up-Ökosystem in dieser Zeit verändert?
Romy Schnelle: Das Ökosystem ist heute deutlich professioneller. Gründerinnen und Gründer sind sicherer und schneller in der Umsetzung ihrer Ideen, was sie mutiger macht. Gleichzeitig ist die Relevanz von Start-ups im gesamtwirtschaftlichen Kontext enorm gestiegen.
Alex von Frankenberg: Absolut. Die Konzepte sind reifer, die Unternehmen weniger fehleranfällig. Und selbst wenn Fehler passieren, können sie durch höhere Finanzierungen besser abgefedert werden. Früher waren Start-ups oft fragiler, heute sind selbst junge Unternehmen sehr solide aufgestellt.
Was dürfen wir 2025 im Jubiläumsjahr des HTGF erwarten?
Romy Schnelle: 2025 wird ein besonderes Jahr für uns. Wir planen anlässlich unseres 20-jährigen Bestehens einen besonderen Family Day in Berlin, der noch stärker auf Networking ausgerichtet ist, und natürlich eine große Geburtstagsparty. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für unseren fünften Fonds auf Hochtouren – ein klares Zeichen, dass wir langfristig in zukunftsweisende Start-ups investieren wollen.
Alex von Frankenberg: Für den HTGF und das gesamte Start-up-Ökosystem bietet 2025 viele Chancen. Mein Wunsch ist, dass wir wirtschaftlich und politisch mehr Stabilität erleben. Eine Stabilität, die auch beim HTGF wichtig ist – und für die wir auch sorgen werden, wenn mein Vertrag wie angekündigt im kommenden Jahr ausläuft. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das Team und die neue Geschäftsführung die Erfolgsgeschichte erfolgreich fortführen und ausbauen werden. Wir arbeiten in den kommenden Monaten gemeinsam daran, den HTGF in diese neue Phase zu führen. Die Erfolge der letzten 20 Jahre demonstrieren das außerordentliche Technologie- und Gründungspotential in Deutschland.
Scavenger AI: Die smarte Lösung für datengetriebene Entscheidungen in Unternehmen
Die Welt der Datenanalyse ist oft komplex und ressourcenintensiv. Das KI-Start-up Scavenger AI will dies ändern und Unternehmen dabei unterstützen, wertvolle Erkenntnisse aus ihrer Datenflut zu gewinnen. Wir haben uns mit den Gründern Felix Beissel und Maximilian Hahnenkamp zusammengesetzt, um mehr über ihre Vision, die Herausforderungen und den kürzlich erfolgten Markteintritt zu erfahren.
v. l. n. r. Felix, Maximilian und Anna von Scavenger AI (Bild: Scavenger AI)
Erzählt mal, wie kam es zur Gründung von Scavenger AI? Was hat euch inspiriert?
Maximilian: Felix und ich haben früher beide in Konzernen gearbeitet und gesehen, wie umständlich das Arbeiten mit Daten ist, die im Überfluss vorhanden sind. Alle sagen, dass es extrem wichtig ist, diese Daten zu nutzen, um Entscheidungen zu treffen, aber im Endeffekt machen es die wenigsten. Oft fehlt es an Zeit, Ressourcen oder technischen Kenntnissen, um tief in die Datenflut einzutauchen und gute Insights zu generieren. Das ist ein riesiges Problem für Unternehmen, die auf Daten angewiesen sind. Wir dachten, es müsse einfacher gehen, haben einen kleinen Prototyp gebaut und gesehen, dass es funktioniert. Und dann noch während unseres Studiums in Mailand losgelegt.
Wie profitieren Unternehmen von Scavenger AI?
Felix: In unseren vorherigen Organisationen konnten vielleicht fünf Prozent der Menschen mit Datenbanken umgehen. Mit unserer Software ermöglichen wir das direkt zu 100 Prozent. Jeder kann Scavenger AI nutzen und Fragen an die Datenbank stellen. Darüber hinaus bieten wir für jede Frage auch gleich konkrete Handlungsempfehlungen an. Wir automatisieren Arbeiten, die vorher nur Consultants oder Data Analysts gemacht haben. Dadurch sparen Unternehmen sehr viel Zeit und Geld. Gleichzeitig bekommen sie bessere Analyseergebnisse. Unsere Kunden schätzen das vor allem in Bereichen wie Supply Chain, Planung, Produktstrategie oder auch im Manufacturing.
Datenanalyse mit Scavenger AI
Ihr habt schon kurz nach der Gründung Ende 2023 erste Auszeichnungen gewonnen und konntet dann Anfang 2024 eine Pre-Seed-Runde angeführt durch den HTGF abschließen. Wie habt ihr die Anfangszeit erlebt und was ist seit der Runde passiert?
Felix: In der Anfangszeit ging es vor allem darum, Traction zu bekommen. Bereits vor der Pre-Seed-Runde standen wir in Kontakt mit Unternehmen aus der Industrie, um Feedback zu unserem MVP zu erhalten. Die Finanzierungsrunde hat es uns ermöglicht, das Team zu vergrößern und darüber sind wir sehr froh. Denn unser Erfolg steht und fällt mit einem starken Team, gerade in der Softwareentwicklung. Und unsere Founders’ Associate Anna, die uns seit Sommer tatkräftig an allen Fronten unterstützt, trägt maßgeblich dazu bei, dass wir weitere Kunden gewonnen haben.
Maximilian: Wir sind nun zwölf Köpfe, verteilt auf unterschiedliche Standorte unter anderem in Mailand, Wien und Deutschland. Wir haben Coworking Spaces in Köln und sind in Frankfurt gegründet. Langfristig wollen wir näher zusammenrücken und ein eigenes Büro finden. Aktuell sind wir auf der Suche nach einem Data Scientist sowie Unterstützung im Business Development und Sales. Interessierte können sich gerne direkt bei uns melden.
Ihr konntet schnell erste Kunden gewinnen und habt kürzlich euren Markteintritt verkündet.
Felix: Wir haben vor dem Markteintritt intensiv mit den Kunden gesprochen und alles sorgfältig vorbereitet. Es war ein natürlicher Prozess: Wir haben unsere Software mit einem Pilotkunden gestartet, der sie dann genutzt hat, und weitere Kunden kamen schnell hinzu. Wichtig war insbesondere, dass wir vorab sehr viel mit den Kunden gesprochen und mehr als 300 Interviews geführt haben. So konnten wir das Produkt möglichst nah an ihren Bedürfnissen entwickeln.
Maximilian: Und unsere Lösung ist sehr schnell beim Kunden einsetzbar. Wir sagen immer ein bis zwei Wochen. Es gibt individuelle Fälle, wo es länger dauert, aber es geht oft auch schneller.
Was steht nach dem Markteintritt nun auf eurer Agenda?
Maximilian: Vor allem weitere Kunden gewinnen und unser Produkt weiterentwickeln. Die Produktentwicklung bleibt immer ein zentrales Thema, um konkurrenzfähig zu bleiben. Unser Fokus liegt zudem darauf, unsere Seed-Runde im nächsten Jahr erfolgreich zu meistern. Wir wollen die richtigen Zahlen erreichen, um dann eine erfolgreiche Runde hinlegen zu können.
Felix: Auf der Produktseite sehen wir, dass es mehr Wettbewerb gibt. Dieser kommt aber eher aus der Tech-Perspektive und weniger mit dem Fokus auf den Anwender aus der Industrie. Unsere Chance liegt darin, ein Tool zu bieten, das die konkreten Herausforderungen des Mittelstands besser abdeckt. Da sehen wir unsere Stärke, weil wir ihre Probleme sehr gut lösen können und einen großen Nutzen bieten. Unsere Lösung ist aber genauso sinnvoll für Großkonzerne und wird aktuell bereits bei mehreren in der Testphase eingesetzt, u. a. bei einem großen Telekommunikationsanbieter.
Was sind eure Tipps für Gründer:innen in der Anfangsphase?
Maximilian: Zwei Punkte: Erstens, so früh wie möglich ohne fertiges Produkt auf Kunden zugehen und versuchen, das, was man im Kopf habt, zu verkaufen. Nur so lernt man, worauf diese wirklich Wert legen. Zweitens, ein pragmatischer Ansatz ist entscheidend. Man muss einfach machen, auch viel Drecksarbeit, und konsistent dranbleiben. Das führt letztlich zum Erfolg.
Felix: Zum einen ist es meiner Meinung nach sehr schwierig, ein Unternehmen zu gründen und aufzubauen, wenn man nebenbei einer weiteren Tätigkeit nachgeht. Und dann ist es auch wichtig, sich Rat zu holen und sein Netzwerk zu nutzen. Wir haben viele kluge Leute um uns herum, die uns immer gerne unterstützen und weiterhelfen.
Vielen Dank für eure Zeit und die wertvollen Einblicke!
Kunststoffabfall und Kreislaufwirtschaft: Maike Lambarth und Dominik Novakovic von Cyclize im Gespräch
Das HTGF-Portfoliounternehmen Cyclize recycelt Kunststoffabfälle unter Zugabe von CO2 zu Synthesegas für chemische Prozesse. Im Interview teilen die Mitgründer Maike Lambarth und Dominik Novakovic ihre Erfahrungen und Herausforderungen bei der Gründung des Climate Tech-Unternehmens. Sie berichten, wie alles angefangen hat – von der ersten Idee bis zum Aufbau einer größeren Versuchsanlage. Außerdem geben sie wertvolle Tipps für Gründer:innen. Ganz wichtig dabei: Durchhaltevermögen und Teamzusammenhalt.
Wie kam es zu der Idee von Cyclize und zur Gründung?
Maike Lambarth: Wir haben an der Universität Stuttgart an einem Projekt gearbeitet, in dem es darum ging, aus CO₂ Schiffsdiesel herzustellen. Unser Part war es, einen Plasmareaktor zu entwickeln, der CO₂ spalten kann. Stephan Renninger, unser jetziger CTO, hat damit im Herbst 2018 angefangen und ich bin Anfang 2019 dazu gestoßen.
Wir waren beide wissenschaftliche Mitarbeiter mit Ingenieurshintergrund und hatten bis dato wenige Berührungspunkte mit Plasma. Diese Unbefangenheit erwies sich als Vorteil, da wir ohne festgefahrene Vorstellungen an das Thema herangehen konnten und verfolgten einen unkonventionellen Ansatz. Etwa ein Jahr später stieß unser späterer Mitgründer Jan Stein zu uns. Er war zu Beginn als Student dabei und hat von Anfang an wertvolle Arbeit geleistet. Als das Forschungsprojekt dann endete, mussten wir zusammenfassen, dass die CO2-Spaltung technisch zwar sehr gut funktionierte, diese jedoch durch ihren hohen Energiebedarf bis hin zur Herstellung von Diesel heute und auf absehbare Zeit unwirtschaftlich war.
Wir wussten aber, dass wir mit unserem sehr effizienten Plasmareaktor Kohlenstoff recyceln können. Die Frage war also, ob es eine andere wirtschaftliche Anwendung gibt. Stephan hatte schließlich die Idee, Kunststoffabfälle zu nutzen. Das hatte zwei entscheidende Vorteile: Zum einen erhielten wir dadurch eine zusätzliche Kohlenstoffquelle, zum anderen eine Energiequelle. So konnte der Bedarf an elektrischer Energie erheblich reduziert werden, wodurch das Verfahren unter heutigen Marktkonditionen wirtschaftlich tragfähig ist. Die Idee für Cyclize war geboren!
Und dann bist du zum Team gestoßen, Dominik.
Dominik Novakovic: Ja, richtig. Es stellte sich die Frage, welche Fördermöglichkeiten am besten geeignet wären, um die Technologie aus der Forschung in die Anwendung zu bringen. Im Zuge der Bewerbung für den EXIST-Forschungstransfer wurde klar, dass jemand mit betriebswirtschaftlichem Know-how benötigt wurde, und so stieß ich 2022 dazu. Wir sind mit der Förderung durch den EXIST-Forschungstransfer gestartet, haben im Rahmen dessen viele technische Meilensteine erreicht, uns weiter als Team geformt und großes Interesse vom Markt erhalten, was schließlich 2023 zur Gründung der GmbH geführt hat.
Cyclize Gründerteam: links, unten Dominik Novakovic, oben Jan Stein, mitte, Maike Lambarth und rechts, Stephan Renninger (Bild: Cyclize)
Ihr richtet euch an die Chemieindustrie. Wie profitiert diese von eurer Lösung?
Maike Lambarth: „To cyclize“ bedeutet im Englischen, eine Kohlenstoffkette zu einem Kreis zusammenzuschließen. Wir können mit Cyclize drei Aspekte abdecken: Erstens können wir fossile Einsatzstoffe wie Erdgas ersetzen, indem wir Synthesegas herstellen, das als Grundbaustein für viele Produkte dient. Zweitens können wir Kohlenstoff recyceln und damit Kunststoffabfälle verwerten, die bisher nicht recycelt werden können. Dabei brauchen wir keine Vorsortierung, sondern können gemischte, verklebte, beschichtete oder mit anderen Materialien gefüllte Kunststoffe recyceln. Unser Prozess erzeugt Gas, das verglichen mit flüssigen Produkten einfach zu reinigen ist. Drittens können wir neben Kunststoffabfällen auch CO2 recyceln und zur Herstellung von neuen Kunststoffprodukten nutzen. Dies ist eine seltene Fähigkeit, da die meisten Technologien CO2 nur abtrennen und lagern, jedoch nicht stofflich verwerten.
Dominik Novakovic: Ein weiterer entscheidender Faktor zur Skalierung unserer Lösung in der chemischen Industrie ist die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens. Die chemische Industrie steht vor erheblichen Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf CO2-Emissionen und die Nutzung fossiler Ressourcen. Unsere Lösung bietet ein Verfahren, das preislich mit bestehenden Lösungen konkurrieren kann, und damit ein wesentlicher Baustein der zukünftigen Chemieindustrie sein kann.
Wir beobachten, dass in der Industrie ein großer Druck besteht, Prozesse zu entwickeln, die nicht auf fossilen Brennstoffen basieren, und dass Lösungen gefragt sind, die wirtschaftlich konkurrenzfähig sind. Unsere Technologie kann diese Anforderungen erfüllen. Es ist nicht nur wichtig, einen Prozess zu bieten, sondern auch sicherzustellen, dass die Lösung skalierbar und marktfähig ist.
Wo haben sich eure Wege mit dem HTGF gekreuzt?
Dominik Novakovic: Deutschen Start-ups im Hardware-Bereich ist der HTGF ein Begriff. Wir haben schon früh Kontakt aufgenommen. Eine entscheidende Begegnung fand dann auf dem Chemistry Pitch Day 2023 statt. Das Team verfügt über umfassende Expertise und weiß sehr gut, wie erfolgreiche Hardwareunternehmen aufgebaut und skaliert werden. Wir sind sehr froh, dass der HTGF jetzt Teil unserer Reise ist.
Stichwort Skalierung: Womit beschäftigt ihr euch aktuell und was sind die nächsten Herausforderungen?
Maike Lambarth: Mit unserem Demonstrator an der Uni Stuttgart bieten wir Versuchsreihen an: Firmen stehen vor der Herausforderung der Zirkularität und der Nettonull für ihre bestehenden Produkte. Wir bieten hier eine passende Lösung. Die Unternehmen senden uns entweder Industrieabfälle oder auch End-of-Life Produkte zu, die sie in Zukunft recyceln wollen. Ziel ist, zu testen, inwieweit unsere Technologie eine wirtschaftliche Lösung darstellt.
Zusätzlich arbeiten wir gerade an der Inbetriebnahme eines deutlich größeren Demonstrators, der bereits semi-kontinuierlich und in industrienaher Umgebung läuft. Die Universität Stuttgart bietet hier mit ihrem eigenen Forschungskraftwerk eine hervorragende Infrastruktur. Ab 2025 ist unsere große Aufgabe, die erste Pilotanlage in einem Chemiepark zu realisieren. Das bildet die Grundlage für unsere erste kommerzielle Chemieanlage im industriellen Umfeld eines Chemieparks.
Es gibt also viel zu tun. Sucht ihr aktuell Verstärkung?
Dominik Novakovic: Im ersten Jahr sind wir bereits stark gewachsen und sind jetzt ein interdisziplinäres Team von über zehn Kolleg:innen. Wir sind immer auf der Suche nach Personen, die Erfahrung und Expertise in unserem Bereich mitbringen und mit uns die Chemieindustrie defossilisieren.
Was wären eure drei Ratschläge für (angehende) Gründer:innen im Hardware-Bereich?
Maike Lambarth: Mein erster Tipp wäre, sich nicht entmutigen zu lassen, denn gerade im Hardware-Bereich begegnet man viel Pessimismus. Man hat uns oft gesagt, dass es nicht funktionieren wird, dass wir zu viel Geld brauchen und dass die Technologie schwierig zu skalieren sei. Entgegen diesen Einschätzungen haben wir eine sehr erfolgreiche Seed-Runde über 4,75 Millionen Euro abgeschlossen und erhalten zahlreiche Anfragen aus dem Markt. Man darf also seinen Weg gehen und an seine Vision glauben.
Dominik Novakovic: Mein Rat ist, von den Erfahrungen anderer zu lernen. Es gibt so viele Menschen, die den Weg der Unternehmensgründung gegangen sind, erfolgreich oder nicht. Ihre Erfahrungen sind wertvoll und können helfen, den eigenen Weg zu finden. Man sollte eine konkrete Vorstellung haben, aber auch offen gegenüber der Expertise und Erfahrungen anderer sein.
Maike Lambarth: Und unser dritter Punkt: Zeit ins Team investieren. Oft scheitert es an diesem Punkt. Wir haben schnell gelernt, dass es wichtig ist, sich regelmäßig zusammenzusetzen und auch über zwischenmenschliche Dinge zu sprechen.
This is how we did it – Folge 6 mit Maximilian Webers, Co-Founder & CEO von COLIPI
COLIPI entwickelt ein industriell-biotechnologisches Verfahren, um klimaschädliches CO2 und kohlenstoffhaltige Industrieabfälle in Climate Oil umwandelt. Das Produkt ist eine nachhaltige und klimaneutrale Alternative zu Palmöl und Erdöl und hat das Potential, der weltweit schnellste und damit kostengünstigste CO2-transformierende Bioprozess zu werden.
In unserem Interview spricht Maximilain Webers, Co-Founder & CEO von COLIPI, über die Klimakrise als Chance für neue Lösungen, über den Sprung oder Wurf ins kalte Wasser und darüber, wie man trotz Herausforderungen und großer persönlicher Verantwortung die Gründungserfahrung genießen kann.
Maximilian Webers, Co-Founder und CEO von COLIPI (Image: COLIPI)
Welche Chancen hat die Krise für euch als junges Unternehmen eröffnet? Die ganz große strategische Krise ist die Klimaerwärmung. Diese bestimmt das Leben der Menschen über Generationen und zwingt Industrien komplett neu zu denken. Besonders Erdöl muss ausgephast werden, wobei der Bedarf nach Kohlenwasserstoffen weiter hunderte Millionen Tonnen groß ist. Das zukünftig gewaltig klaffende Loch zwischen Erdöl-Angebot und -nachfrage muss von alternativen Quellen gedeckt werden. Hier kommen Power-to-Liquid-Lösungen (PtL-Lösungen) wie von uns in Frage. Bei so wichtigen Themen wie Versorgungssicherheit sind staatliche sowie private Funding -Potentiale entsprechend groß. Taktischere Krisen wie etwa Engpässe der Pflanzen- und Erdölversorgung, verursacht durch den russischen Angriff auf die Ukraine, geben lokalen PtL-Lösungen auch kurzfristig Bedeutung, noch weit vor den Jahr 2050 Szenarien der Klimakatastrophe. Durch die Erhöhung des Leitzinses zwischen 2022 und 2024 ist es für Start-ups, als alternative Anlageklasse, schwieriger geworden Kapital einzuwerben. Auch wir haben etwas Zeit für die Seed-Phase gebraucht. Das hat uns geholfen unternehmerisch zu denken, denn wir haben nach optionalen Funding-Methoden gesucht und diese im Umsatz gefunden, der sich 2023 auf €250.000 belief.
Was war euer größtes Learning aus dieser Zeit? Alles braucht seine Zeit, insbesondere bei hochtechnologischen, nicht-software-basierten Start-ups. Es gibt immer einen Weg und es gibt immer zahlende Kunden, wenn man verkaufen kann.
Welche vielleicht auch unerwarteten Entwicklungen oder Herausforderungen habt ihr in der Anfangsphase erlebt, und wie habt ihr als Team darauf reagiert? Unsere EXIST-Förderung läuft noch bis November 2024. Wir dachten anfänglich fest daran, bis zum Ende an der TU Hamburg zu bleiben und deren Ressourcen zu nutzen. Als das COLIPI-Projekt dann aber schneller gewachsen ist als angenommen und nicht mehr genügend Platz vorhanden war, hat man uns gebeten, umzuziehen. Wir wurden also in Sachen Raumsuche und Laboraufbau früher als gedacht in das kalte Wasser geworfen. Aber was hilft es? Wir haben als Team die Ärmel hochgerempelt, die neue Realität akzeptiert und sitzen seit Anfang des Jahres 2024 in eigenen Büros und Laboren. Das war eine große Teamleistung. Darauf sind wir sehr stolz.
Worauf sollten Gründer:innen besonders achten, wenn sie jetzt ein Start-up gründen? Es gibt so viel, auf das geachtet werden muss und es ist so situationsabhängig. Vielleicht darf ich aber sagen, macht euch darauf gefasst, dass es harte Arbeit und ein Teil eures Lebens wird. Freude und Frust liegen dicht beieinander und es gibt wenig dazwischen. Alles lamentieren hilft nicht, ihr seid als Gründerinnen und Gründer für den Erfolg verantwortlich. Egal ob ein Zulieferer zu spät liefert oder jemand unerwartet kündigt oder ähnlich, das interessiert niemanden da draußen, das Einzige, was gesehen wird und was zählt ist der finanzielle Erfolg. Investoren müssen mit Start-ups mehr Geld machen als mit anderen Geldanlagen, damit das vergleichbar hohe Risiko gerechtfertigt ist.
Wollt ihr unseren Leser:innen sonst noch etwas mitgeben? Genießt die Gründerzeit. Es wird die Zeit eures Lebens. Seid dankbar für jede Erfahrung, ob diese sich gut oder schlecht anfühlt, sie lässt euch allemal wachsen.
Cultimate Foods: Interview mit Eugenia Sagué über die Zukunft von Fleischalternativen
Wir haben uns mit Eugenia Sagué, Mitgründerin und Geschäftsführerin von Cultimate Foods, zusammengesetzt, um mehr über das in Hannover und Berlin ansässige Foodtech-Start-up und die nächste Generation von Fleischalternativen zu erfahren. Eugenia gibt uns einen Einblick in die Idee hinter der Gründung, die Technologie ihrer Produkte und die Herausforderungen, die sie bei der Entwicklung und Skalierung meistern müssen.
Wie kam es dazu, dass ihr Cultimate Foods gegründet habt?
Eugenia Sagué: Aus unserer beruflichen Erfahrung wissen wir, dass es noch keine perfekte Lösung für Fleischalternativen gibt. Wir sind davon überzeugt, dass die Akzeptanz durch besser schmeckende Produkte deutlich beschleunigt wird. Wir können den Fleischgeschmack liefern, den sich Verbraucher:innen wünschen und gleichzeitig dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und die Massentierhaltung zu minimieren.
Das Gründungsteam von Cultimate Foods
Kannst du uns mehr über die Technologie hinter euren Produkten erzählen?
Eugenia Sagué: Unser CultiFat ist eine kultivierte Zutat, die mit in Zellkultur gezüchteten tierischen Fettzellen (Schweine- und Rinderfettzellen) hergestellt wird. Es bietet ein natürliches Lipidprofil, das den Geschmack, die Textur und die Saftigkeit von pflanzlichen Fleischalternativen bereits in geringen Mengen verbessert. Dadurch werden unerwünschte Geschmacksnoten minimiert und Clean-Label-Formulierungen, d.h. Lebensmittelprodukte mit transparenten, kurzen und verständlichen Inhaltsstofflisten, unterstützt, indem Zusatzstoffe ersetzt und eine nahtlose Integration in bestehende Produktionsprozesse ermöglicht werden.
Was für Herausforderungen gibt es bei der Entwicklung und Skalierung eurer Produkte?
Eugenia Sagué: Die größten Herausforderungen beim Skalieren unserer Produkte sind die hohen Kosten für das Zellkulturmedium und die Gestaltung der Bioprozesse. Mehr als 30 % der Produktionskosten machen die Kulturmedien aus. Diese müssen lebensmitteltauglich, tierfreundlich und wirtschaftlich sein. Das bedeutet, dass ein Gleichgewicht zwischen den Kosten und den Bedürfnissen der Zellen gefunden werden muss.
Unsicherheiten in Bezug auf Innovation, behördliche Genehmigungen und die Notwendigkeit von Partnerschaften mit spezialisierten Unternehmen stellen ein Risiko dar. Um diese Herausforderung zu meistern, ist es notwendig, mit Medienexperten zusammenzuarbeiten, sich auf maßgeschneiderte Medienformulierungen (angepasst an bestimmte Zelltypen) zu konzentrieren und nicht essenzielle Komponenten, die die Kosten in die Höhe treiben, zu eliminieren.
Die Skalierung von 1-l- auf 10.000-l-Bioreaktoren ist alles andere als einfach. Sollte das nicht funktionieren, könnten wir auch eine „Scale-out“-Strategie mit kleineren Bioreaktoren fahren und dabei die Zellmetriken für mehr Effizienz beibehalten. Und um diese Herausforderungen zu meistern, brauchen wir Pilotvalidierungen und müssen auch Fortschritte in der Zelltechnologie nutzen.
Wie siehst du die Zukunft der Fleischalternativen?
Eugenia Sagué: Ich glaube, dass in naher Zukunft vor allem hybride Produkte den Markt dominieren werden, da sie mit authentischem Geschmack punkten. Pflanzliche Produkte werden mit kultiviertem tierischem Fett als Geschmacksträger veredelt. Und die von uns entwickelte Zutat auf Basis von kultiviertem Fett könnte eine zentrale Rolle in diesen neuen Produkten spielen.
Welchen Ratschlag würdest du Gründer:innen geben, die in der Lebensmitteltechnologiebranche durchstarten wollen?
Eugenia Sagué: Folgt eurer Leidenschaft, das ist mein wichtigster Tipp!
This is how we did it – Folge 5 mit Lea Frank, Co-Founder und CEO von anybill
Im Dezember 2019 haben Lea Frank und Tobias Gubo gemeinsam anybill gegründet, um eine moderne Lösung für die Belegausgabeplicht, die Anfang 2020 in Deutschland in Kraft getreten ist, zu bauen. anybill nutzte das Momentum, um die Digitalisierung und Vernetzung am Point of Sale voranzutreiben: der digitale Kassenbon war geboren. Heute ist der digitale Kassenbon für zahlreiche Handelsunternehmen nicht nur ein Grund für mehr Nachhaltigkeit, sondern auch ein wertvolles Marketingtool.
In unserer Reihe „This is how we did it“ sprechen wir mit Lea über ihre Gründungserfahrung. Die Covid-Pandemie stellte anybill einerseits vor Herausforderungen, half andererseits aber die Akzeptanz des Produkts voranzubringen. Lea berichtet über Remote Work und Teamspirit, den richtigen Fokus in Krisenzeiten und darüber, sich wechselnden Bedingungen anzupassen.
Welche Chancen hat die Krise für euch als junges Unternehmen eröffnet? Was war euer größtes Learning aus dieser Zeit?
Insbesondere die Covid Krise hatte uns in dem Sinne in die Karten gespielt, dass die Digitalisierung dadurch viel schneller vorangeschritten ist und ganz konkret z. B. der QR-Code in der breiten Masse bekannt wurde. Seither wurde im Handel auch der Trend in Richtung Omnichannel und die Vernetzung der Kanäle nochmal beschleunigt. Zudem sind Krisenzeiten generell Zeiten, die dazu anhalten, sich stärker zu fokussieren, insbesondere auch seitdem die Kapitalmärkte angespannt sind und es um kapitaleffizientes Wachstum geht. Diese „neue / realistischere“ Zeit mit dem Shift von „Wachstum um jeden Preis“ hinzu „kapitaleffizientem Wirtschaften“ hat wieder mehr mit echtem unternehmerischem Erfolg zu tun. Allerdings ist die Transition von Modus 1 in Zeiten als die Märkte überhitzt waren hinzu Modus 2, der heutigen Realität, definitiv herausfordernd, aber wenn man das auch geschafft hat, hat man wirklich bewiesen, dass man ein erfolgreiches Unternehmen bauen kann.
Lea Frank, Co-Founder und CEO von anybill (Bild: anybill)
Welche vielleicht auch unerwarteten Entwicklungen oder Herausforderungen habt ihr in der Anfangsphase erlebt, und wie habt ihr als Team darauf reagiert?
Wir haben im März 2020 die ersten Mitarbeiter eingestellt – also direkt mit dem Start der Covid-Krise. Damals haben wir dann natürlich alle remote angefangen, aber das war überhaupt kein Problem, denn das funktioniert ja bekanntermaßen in den heutigen Zeiten sehr gut. Sobald Treffen vor Ort wieder möglich waren, haben wir uns dann auch regelmäßig vor Ort getroffen. Seitdem arbeiten wir überwiegend im Office und gelegentlich im Homeoffice. Der Großteil des Teams kommt aber regelmäßig ins Office. Genau dieser Teamspirit macht uns auch aus.
Worauf sollten Gründer:innen besonders achten, wenn sie jetzt ein Start-up gründen?
Sich sehr gut überlegen, welchen Weg sie gehen wollen, insbesondere welche Form der Finanzierung zum eigenen Business passt (z.B. Bootstrapped oder VC finanziert), sich möglichst kapitaleffizient aufstellen und immer den Fokus beibehalten.
Wollt ihr unseren Leser:innen sonst noch etwas mitgeben?
Investiert in euer Netzwerk und in möglichst viel Austausch mit erfahrenen Unternehmern.
Von der Forschung zum Markt: Phytonics’ Durchbruch in der Photovoltaik
Die globale Energiewende braucht innovative Technologien. Zu den aufstrebenden Start-ups in diesem Bereich gehört das HTGF-Portfolio-Unternehmen Phytonics. Das KIT-Spin-off hat kürzlich eine selbstklebende Folie für blendfreie Solarmodule auf den Markt gebracht. Diese ermöglicht es Solarmodule in Bereichen einzusetzen, die bislang aufgrund der Blendprobleme ungenutzt blieben. Im Interview gibt Mitgründer Ruben Hünig Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Start-ups und die Herausforderungen bei der Markteinführung. Zudem teilt Ruben seine wichtigsten Learnings aus der Gründungsphase.
Ruben, wie ist es zur Idee für Phytonics gekommen? Was treibt euch an und welche Vision verfolgt ihr?
In meiner Promotion habe ich mich mit verschiedenen optischen Konzepten beschäftigt, um herauszufinden, wie man Licht in Solarzellen effizienter in Strom umwandeln kann. Zufällig habe ich dann einen Vortrag der Biologin Anna Schulte besucht, die aus der bekannten Forschungsgruppe stammt, die z.B. den Lotuseffekt erforscht und publik gemacht hat. Im Vortrag ging es um die optischen Eigenschaften von unterschiedlichen Pflanzenoberflächen, die auf einer Vielfalt an verschiedensten Mikro- und Nanostrukturen basieren. Danach sind wir ins Labor gegangen, und haben mit einem Abformverfahren verschiedene Pflanzenoberflächenstrukturen auf Solarzellen übertragen. Die Ergebnisse, vor allem bei Rosenblüten, waren so gut, dass ich zunächst Zweifel an der Messung hatte. Sie waren aber reproduzierbar und wurden in verschiedenen Experimenten bestätigt. Zusammen mit meinen Mitgründern Benjamin und Raphael, die damals als Masterstudenten an dem Thema arbeiteten, und meinem langjährigen Freund Moritz, der bereits ein anderes HTGF-Start-up erfolgreich gegründet hatte, entwickelten wir die Idee, daraus ein kommerzielles Produkt zu machen. Es hat dann noch drei weitere Jahre gebraucht, bis Benjamin in seiner Dissertation eine Hochskalierung der Mikrostruktur gelang und diese auf echte, kleine Solarmodule übertragen konnte. Die Ergebnisse im Freifeld waren derart gut, dass es wirklich zu schade gewesen wäre, diese in der Schublade verschwinden zu lassen. Im Sommer 2019 fiel dann also der Entschluss, eine Firma zu gründen, die eine bionische, mikrostrukturierte Polymerfolie für Solarmodule verkaufen soll, um den Energieertrag zu steigern. Unsere Vision war von Anfang an, einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende zu leisten.
Foliertes PV Dach (Bild: Phytonics)
Und kürzlich ist eure selbstklebende Folie für blendfreie Solarmodule auf den Markt gekommen. Was ist das Besondere daran?
Wie jede Energieerzeugungsart kommt auch die Photovoltaik nicht ohne Emissionen aus – bei Solarmodulen ist es das reflektierte Licht, das mitunter extrem hell sein kann. Die Blendwirkungen, die dadurch entstehen, sind nicht nur ärgerlich für die Nachbarn, sondern können auch die Verkehrssicherheit gefährden. Das läuft dem eigentlichen Charme der Solarenergie entgegen, dezentral und nah am Verbraucher gewonnen zu werden. Bislang gibt es für dieses Blendproblem noch keine gute Lösung, was dazu führt, dass ein großes Potential an ungenutzten Flächen derzeit brach liegt. Mit unserer selbstklebenden Folie, die wir jetzt auf den Markt gebracht haben, werden Solarmodule wirklich „entblendet“. Dadurch wird die Nutzung der Solarenergie in sehr vielen Fällen endlich möglich.
Und welche Herausforderungen hat die Markteinführung mit sich gebracht?
Eine wichtige Lektion, die wir auf dem Weg an den Markt lernen mussten, war, dass fast niemand bereit ist, für einen Mehrertrag an Strom wirklich Geld auszugeben. Erschwerend kam hinzu, dass die Modulpreise stark gesunken sind. Ein zwei Quadratmeter großes Solarmodul mit einer Leistung von 430W kostet heute weniger als 50 Euro. Selbst bei einem Mehrertrag von 10% ergibt sich dadurch kein kostendeckender Aufpreis für eine Beschichtung, bzw. erst bei einer wirklich groß skalierten Produktion. Die schöne Nebenwirkung unserer Technologie besteht aber darin, dass quasi kein Licht reflektiert wird, was dazu führt, dass die Module blendfrei werden. Das war es, worauf die Kunden wirklich angesprungen sind, weshalb wir unser Produkt auch genau auf das Anti-Blend-Segment ausgerichtet haben. Unsere Folie ist ein Enabler, denn erst durch sie können unsere Kunden Solarenergie nutzen. Die Frage ist also nicht, ob es ein paar Prozent Mehrertrag gibt, sondern ob man 0% oder 100% Ertrag hat. Dadurch ergibt sich auch eine höhere Zahlungsbereitschaft, die uns ermöglicht, kostendeckend zu wirtschaften. Gleichzeitig ist der Beitrag, den unser Produkt zur Energiewende leistet, deutlich größer als bei ein paar Prozent Mehrertrag. Viele Kunden finden uns durch eigene Recherche, weil ihre Not entsprechend groß ist und sie dringend eine Lösung brauchen. Doch bleibt es für uns eine Herausforderung, den Markt zu informieren, dass es jetzt eine Lösung für das Blendproblem gibt. Das heißt, wir müssen bei den Blendgutachtern, den Ingenieurbüros, Modulhändlern, Installateuren, Architekten usw. bekannter werden, damit unsere Lösung in der Planung von PV-Anlagen berücksichtigt wird. Gleichzeitig ist es natürlich wichtig, die Folie durch Skaleneffekte immer günstiger anbieten zu können. Das sind aktuell unsere beiden Hauptthemen.
Wie hat euch die Verbindung zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT) geholfen und wie habt ihr den Übergang von der Forschung zur Praxis geschafft?
Die Verbindung zum KIT war auf mehreren Ebenen hilfreich. Erstens haben wir relativ günstige Räumlichkeiten bekommen, zweitens konnten wir die Labore und Infrastruktur wie z.B. das Solartestfeld des KIT mitnutzen. Und drittens hat uns sicherlich auch das Renommee beim Fundraising geholfen. Mir fallen noch viele weitere Punkte ein, wie z.B. die Unterstützung bei der Patentanmeldung, dem Vernetzen mit Investoren, Pitch-Trainings oder -Wettbewerbe. Den Übergang von der Forschung in die Praxis würde ich grob als „Öffnung“ nach außen hin bezeichnen. Während wir anfangs – überspitzt formuliert – noch dachten, alles selbst zu können und zu wissen, haben wir nach und nach gemerkt, wie wertvoll es ist, auf Messen zu gehen, mit Kunden zu sprechen und nach Partnern zu suchen, die schon Expertise auf einem bestimmten Gebiet haben, z.B. bei der Fertigung von Prägewerkzeugen oder der Herstellung von mikrostrukturierten Folien.
Rüben Hünig, Co-Founder und CEO von Phytonics (Bildrechte: Phytonics)
Was sind die nächsten Schritte und Ziele für Phytonics? Wir sind jetzt seit zwei Monaten am Markt und machen gute Umsätze. Unser nächstes Ziel ist, uns am Markt bekannt zu machen und in die Masse zu gelangen. Dafür wollen wir unsere Folie direkt bei Modulherstellern aufbringen. Leider ist die PV-Industrie in Europa mittlerweile sehr überschaubar. Deshalb werden wir mit PV-Herstellern außerhalb Europas zusammenarbeiten.
Welche Ratschläge würdest du Gründer:innen geben, die gerade erst anfangen? Wenn ich dem Ruben von 2019 heute etwas raten könnte, wären das vor allem diese drei Dinge: Erstens: Sprich so früh wie möglich mit potenziellen Kunden und nimm ihr Feedback ernst. Zweitens: Lass so viel wie möglich von erfahrenen, externen Partnern machen, auch wenn es Geld kostet. Und drittens: Hinterfrage deine Glaubenssätze und schmeiß sie über Bord, wenn es nötig ist.
Gegen den Strom – HTGF-Portfoliofirma SciRhom mit 63 Mio. EUR Serie A-Finanzierung für Mut belohnt
Im Juli noch eine der größten Finanzierungsrunden in der deutschen Biotechnologie des laufenden Jahres verkündet, startet bald die klinische Erprobung des ersten Medikaments des HTGF-Portfoliounternehmens SciRhom. Der einzigartige Therapieansatz der Firma zielt auf einen zentralen Knotenpunkt des Immunsystems ab. Im Gespräch geben Firmenmitgründer und heutiger SciRhom Geschäftsführer und COO Jens Ruhe, sein Co-Geschäftsführer und CEO Jan Poth und Frank Hensel, Principal beim HTGF, Einblicke in die seit 2016 bestehende Zusammenarbeit und die nächsten Meilensteine für das Unternehmen.
COO Dr. Jens Ruhe und CEO Dr. Jan Poth, Co-Geschäftsführer der SciRhom GmbH
Am Anfang von SciRhom stand eine nicht unstrittige wissenschaftliche Spekulation. Worum ging es dabei genau?
Jens Ruhe: Entgegen der zu der Zeit der Firmengründung vorherrschenden Meinung, entschied sich SciRhom einen neuartigen Ansatz gegen Autoimmunerkrankungen mit einem gegen iRhom2 gerichteten therapeutischen Antikörper zu verfolgen. Antikörper reagieren mit Strukturen auf der Oberfläche von Zellen. Die Lehrmeinung besagte aber, dass die Prozesse, die wir adressieren, vollständig im Inneren der Zellen und damit außerhalb der Reichweite eines Antikörpers ablaufen. Wir und allen voran unser wissenschaftlicher Mitgründer Carl Blobel, der die Grundlagen von SciRhoms Ansatz an einem renommierten US-Forschungsinstitut etabliert hat, waren anderer Überzeugung. Insofern schwamm SciRhom in der Gründungsphase in der Tat gegen den Strom.
Jan Poth: Dieser Mut des Gründerteams beindruckte mich, als ich 2022 von Boehringer Ingelheim zu SciRhom stieß – und tut es immer noch. Diese frühe Positionierung erlaubte es uns unter anderem, einen breiten Patentschutz für die von SciRhom entwickelte therapeutische Strategie aufzubauen. Das ist ein möglicher Wettbewerbsvorteil für ein fertig entwickeltes Medikament. Hinzukommt jahrelanges, wissenschaftlich sehr minutiöses Arbeiten, diesen Antikörper zu identifizieren, zu charakterisieren und mit positiven Testergebnissen zu untermauern.
Wie kam der HTGF ins Spiel und was überzeugte das Team dieses Risiko auch mitzutragen?
Frank Hensel: Insbesondere im Gesundheitssektor und in der Biotechnologie möchten wir als HTGF gerade die Ideen in Start-ups konvertieren, die auf mutigen Entscheidungen basieren und therapeutische Lösungen liefern können, die klar besser sind als die derzeitigen Standardtherapien.
Ich glaube, im Fall SciRhom waren zwei Faktoren auschlaggebend für das Investment. Zum einen kam eine der Stärken des HTGFs zum Tragen. Und zwar, dass wir in unserem rund 20-köpfigen Team in Life Sciences & Chemie diverse akademische und unternehmerische Erfahrung bündeln, um auch tief in die Wissenschaft eintauchen zu können. Ich selbst hatte Erfahrung im Bereich der therapeutischen Antikörper gesammelt und wusste, wie potent so ein Ansatz sein kann, wenn der Wirkstoff sorgfältig und smart entwickelt wird. Nicht umsonst sind Antikörpertherapien die erfolgreichste Medikamentenklasse derzeit.
Dr. Frank Hensel, Principal beim HTGF
Den anderen wichtigen Ausschlag hat klar die Qualität und die Erfahrung des SciRhom-Teams gegeben. Jens und sein Mitgründer Matthias Schneider hatten als Teil eines vorangegangenen Start-ups – der U3 Pharma AG – im Prinzip schon einmal die gesamte Wertschöpfungskette durchlaufen. U3 Pharma ging aus dem Labor von Professor Axel Ullrich am Max-Planck-Institut für Biochemie hervor. Auch hier entwickelte das Team therapeutische Antikörper bis in die klinische Erprobung. Und im Jahr 2008 erfolgte die Übernahme von U3 durch den Pharmakonzern Daiichi Sankyo für rund 150 Millionen Euro. Wir wussten also, dass das SciRhom-Team das nötige Rüstzeug mitbringt, um diese Herausforderung auch ein zweites Mal zu bewältigen. Und solche Seriengründer sind sehr wichtig für ein nachhaltiges Wachstum der deutschen Biotechnologiebranche.
Jens Ruhe: Interessanterweise hatte der Hintergrund unseres Teams auch einen Nachteil. Da SciRhom keine klassische Universitätsausgründung war und unser Team bereits über langjährige Entwicklungserfahrung verfügte, waren einige der für Gründerteams üblichen Fördertöpfe für uns nicht zugänglich. Dies verlieh der Frage, ob sich der HTGF als Frühphaseninvestor engagieren würde, zusätzliche Brisanz. Ein „Ja“ vom HTGF fungierte als wichtiger Nucleus, für die Ansprache und das Interesse weiterer, früher Kapitalgeber. Ich erinnere mich deshalb noch sehr genau an unseren ersten Besuch in Bonn – und wie beindruckt wir als Gründer waren, dass auf der Investorenseite sachkundige Fachleute saßen, die unsere Idee fundiert evaluieren konnten.
Wenn SciRhom mit ihrem Ansatz Erfolg hat, was könnte dies für Patienten mit Autoimmunerkrankungen bedeuten?
Jan Poth: Bei Autoimmun-Erkrankungen greift, vereinfacht gesagt, das Immunsystem fälschlich körpereigenes Gewebe an. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte wurden einige neue Medikamente hierfür auf den Markt gebracht. Diese Medikamente setzen in der Regel genau an einer Stellschraube an, um Krankheitssymptome zu mildern oder das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Allerdings sieht man in der täglichen Praxis, dass in Hinblick auf deren Wirksamkeit eine Art gläserne Decke erreicht ist. Der therapeutische Nutzen für den Patienten lässt sich mit diesem Paradigma nicht mehr steigern, es braucht also ein neues.
SciRhoms Ansatz zielt mit iRhom2 auf ein Molekül ab, dass sich an der Schnittstelle oder im gewissen Sinne am Ursprung gleich mehrerer krankheitsförderlicher Prozesse befindet, und verspricht dadurch deutliche Vorteile. Wenn man allerdings einen solchen Knotenpunkt adressieren will, muss man sehr spezifisch, sehr überlegt vorgehen, damit nur die Prozesse beeinflusst werden, die man beabsichtigt, und Nebenwirkungen minimiert oder ausgeschlossen werden.
Im Juni 2024 schloss SciRhom eine neue Finanzierungsrunde mit EUR 63 Mio. ab. Der HTGF beteiligte sich erneut, genauso wie 6 nationale und internationale Venture Capital-Fonds. Was ermöglicht das frische Kapital dem Unternehmen?
Jens Ruhe: Wir können unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten fortsetzen und intensivieren. Für den Start der ersten von drei klinischen Phasen hatten wir im Prinzip alles vorbereitet. Die Zulassungsbehörden haben ihre Zustimmung für den klinischen Prüfplan erteilt, ein renommiertes Klinikzentrum in Österreich fungiert als Partner und ein etablierter molekularer Biomarker hilft, den prinzipiellen Wirkmechanismus unseres Antikörpers im Menschen zu belegen. Wenn die erste Phase voraussichtlich in den kommenden Wochen beginnt, ist für SciRhom schon auch ein historischer Meilenstein erreicht. Mit den neuen Finanzmitteln wollen wir diese Studie nun durchführen, hierin die Sicherheit des Wirkstoffs weiter untermauern, und anschließend im Zuge weiterer Studien auch den klinischen Wirksamkeitsnachweis in zwei Patientenpopulationen erbringen. Dies zu erreichen, steigert naturgemäß den Wert des Entwicklungskandidaten und damit den Firmenwert um ein Vielfaches.
Wie würde der HTGF die SciRhom Finanzierung im nationalen und internationalen Kontext einordnen?
Frank Hensel: Die Finanzierung gehört zu den großen Runden auf der europäischen Bühne im laufenden Jahr und auch in den letzten Jahren insgesamt. Das Konsortium ist breit aufgestellt und mit den neuen Investoren Andera Partners, Wellington Partners, Hadean Ventures, der MIG Capital, Kurma Partners und Bayern Kapital hoch-qualitativ besetzt. Die Tatsache, dass SciRhom ausreichend finanziert war, um seinen Wirkstoff bis zur Klinikreife zu bringen, war hierfür sicher ein klarer Vorteil.
Nachdem das Thema Finanzierung im letzten Jahr für die deutsche Biotech-Branche etwas schwierig war, sieht es in diesem Jahr wieder positiver aus. Neben SciRhom haben Firmen wie unsere Portfoliofirma Tubulis, oder auch die Krebsspezialisten CatalYm und ITM jeweils dreistellige Millionen Euro-Summen von Wagniskapitalfonds eingeworben. Auch auf der Exit-Seite kann sich das Jahr 2024 bereits gut sehen lassen, wie wir zum Beispiel an der Übernahme der HTGF-Portfoliofirma Cardior Pharmaceuticals durch den dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk sehen. Novo erwirbt Cardior für einen Betrag von bis zu 1,025 Milliarden Euro, wenn bestimmte Entwicklungs- und kommerzieller Meilensteine erreicht werden.
Insgesamt passt die SciRhom-Finanzierung also gut in den derzeitigen Aufwärtstrend und zunehmende Reife des Sektors. Und SciRhom zeigt wieder einmal, dass es ausgezeichnete Wissenschaft in Deutschland gibt und dass solche Innovationen auch Investoren anlocken können.
SciRhom schlägt mit der Serie A-Finanzierung also ein neues Kapitel auf. Wie sähe ein Zwischenfazit aus?
Jan Poth: Für mich ist die Geschichte ein Paradebeispiel, wie Biotech-Firmengründungen am besten funktionieren. Ein von der Wissenschaft absolut überzeugtes Gründungsteam trifft einen Investor, der das Risiko einschätzen kann, aber nicht scheut. Durch das HTGF-Gütesiegel motiviert beteiligen sich private Investoren bei Gründung und in Folgerunden. Der HTGF fungiert somit ein bisschen wie eine Talentschmiede im Sport – mit dem richtigen Näschen, um im jungen Talent schon den kompletten Spieler von Morgen zu erkennen.
Jens Ruhe: In den letzten Jahren haben wir unseren therapeutischen Wirkstoff optimiert und charakterisiert, Kooperationspartner gefunden, ihn in größeren Mengen herzustellen, einen starken Patentschutz aufgebaut, und so manches mehr. Nun ist es an der Zeit, die nächsten wichtigen Schritte einzuleiten und unseren Ansatz in die klinische Erprobung, und damit näher zu Patienten, die bessere Behandlungsmöglichkeiten benötigen, zu bringen. Ohne den HTGF wäre diese erste Phase der Firmengeschichte sicherlich beschwerlicher gewesen, und eventuell noch nicht so weit vorangeschritten.
Und für den HTGF? Ist das Projekt so an einem „Happy End“ angelangt?
Frank Hensel: „Happy“ ja, aber „End“ sicher nicht. Die Rolle des HTGF wandelt sich nach einer solchen Finanzierungsrunde natürlich, aber wir begleiten SciRhom weiterhin. Solche Erfolge ermöglichen uns, wieder neue Aktivitäten anzustoßen und geben einem sicherlich auch persönlich einen kleinen „Push“.
Als Fazit würde ich festhalten, dass es uns erneut gelungen ist, ein biopharmazeutisches Start-up von der Konzeptphase bis in die klinische Erprobung des ersten Wirkstoffes zu begleiten – mittlerweile einer von annährend 20 Fällen in unserem Portfolio. Und das mit einer kumulierten Investitionssumme, die vergleichbar ist mit den Forschungsausgaben, die auch Pharmakonzerne für so eine Bilanz aufwenden müssen. Von daher sind solche Fälle eine erneute Bestätigung, dass der HTGF auch ein Motor für medizinischen Fortschritt sein kann.
Vielen Dank euch für diese spannenden und wertvollen Einblicke!
This is how we did it – Folge 4 – mit Celine Göhlich, Co-Founder & Geschäftsführerin everyone energy
In der vierten Folge unserer Reihe „This is how we did it“ berichtet Céline Göhlich, Co-Founder und Geschäftsführerin von everyone energy darüber, wie sehr sich die Bedingungen für ihr Unternehmen durch die Energiekrise geändert haben und wie sie und ihre Mitgründer darauf reagiert haben. everyone energy beschleunigt den Ausbau von erneuerbaren Technologien in Gebäuden durch eine Beratungssoftware, welche die Energiewende für alle – Verbraucher:innen, Unternehmen und Lösungsanbieter – einfacher macht.
Welche Chancen hat die Krise für euch als junges Unternehmen eröffnet? Der Angriffskrieg auf die Ukraine und die daraus resultierende Energiekrise haben unser Marktumfeld tiefgreifend verändert. Plötzlich ging es für uns nicht mehr primär darum, neue Leads zu generieren, sondern die Vielzahl an Projektanfragen gezielt zu qualifizieren. Unsere Energiewendeberatungs-Software traf dabei genau den Nerv der Zeit. Durch eine schnelle Anpassung unseres Geschäftsmodells konnten wir zügig in den deutschen Markt eintreten. Politisch und gesellschaftlich ist die Energiewende durch die Krise weiter in den Fokus gerückt, was zu einem erheblichen Wachstum unseres Marktes führte und unser Start-up auch für Investoren attraktiver machte.
CélineGöhlich (Image: everyone energy)
Was war euer größtes Learning aus dieser Zeit? Die wichtigste Erkenntnis war für uns, wie entscheidend eine schnelle Reaktion auf ein sich wandelndes Marktumfeld ist – und dass man bereit sein muss, gegebenenfalls einen Pivot zu wagen. Dazu gehört, regelmäßig die eigene Wertschöpfungslogik und das Geschäftsmodell kritisch zu hinterfragen. Die große Kunst liegt darin, genau zu erkennen, was unverzichtbar ist und worauf man in Krisenzeiten verzichten kann – sprich: „Kill your darlings!“
Welche vielleicht auch unerwarteten Entwicklungen oder Herausforderungen habt ihr in der Anfangsphase erlebt, und wie habt ihr als Team darauf reagiert? Als Start-up, das im dynamischen Umfeld der Energiewende und während der Corona-Pandemie gegründet wurde, mussten wir uns von Anfang an durch Flexibilität in Arbeitsweise und Unternehmensstruktur auszeichnen. Besonders in der Anfangsphase legten wir großen Wert darauf, unsere Kosten so gering wie möglich zu halten. Wo immer es möglich war, nutzten wir externe Unterstützung, Förderprogramme und unser Netzwerk, um wertvolles Wissen und Erfahrung zu sammeln.
Worauf sollten Gründer:innen besonders achten, wenn sie jetzt ein Start-up gründen? Als Gründer:in wird man ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert – besonders in Zeiten wie diesen. Es ist entscheidend, diese Herausforderungen als lösbare Probleme zu betrachten. Dazu braucht es ein starkes Growth Mindset, aber noch viel wichtiger ist ein engagiertes Team und eine echte Begeisterung für die Sache.
Wollt ihr unseren Leser:innen sonst noch etwas mitgeben? Der Aufbau eines erfolgreichen Start-ups ist ein Marathon – es erfordert einen langen Atem und Durchhaltevermögen. Wichtig ist, dabei den gesellschaftlichen Mehrwert und den positiven Impact im Auge zu behalten. Nur so kann man auch Investoren auf diesem Weg nachhaltig mitnehmen. Aber am Ende des Tages geht es darum, an die eigene Vision zu glauben und sich nicht von Rückschlägen entmutigen zu lassen. Jede Krise birgt auch Chancen, und wer bereit ist, flexibel zu bleiben und zu lernen, kann aus diesen Chancen Großes entwickeln. Also bleibt neugierig, haltet die Augen offen und vor allem: habt Spaß dabei, die Welt zu verändern!
Vier Branding-Tipps für Start-ups und Gründer:innen
Ein Gastbeitrag von Simon Rieger, Kommunikations- und PR-Berater und -Speaker. Simon war kürzlich Teil der diesjährigen „Top 30 under 30“ der Kommunikationbsranche des PR Reports. Als Team Lead Brand Marketing, PR & Communications bei anybill setzt er sich für die Positionierung und Sichtbarkeit des Start-ups und von Co-Gründerin und CEO Lea Frank ein.
Simon Rieger (Foto: anybill)
Als Gründer:in ist es essenziell, deine Personal Brand und auch deine Start-up-Marke strategisch aufzubauen und zu pflegen. LinkedIn eignet sich dabei hervorragend als Kommunikationstool, um Kunden, Partner, Investoren und Mitarbeiter anzuziehen.
Hier sind vier wichtige Dinge, die du dabei unbedingt beachten solltest:
1. Authentizität ist das A und O Authentizität ist der Grundstein deiner Kommunikation. Sowohl online als auch offline müssen deine Auftritte echt und unverfälscht sein. Authentizität schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit, die in der Start-up-Welt unerlässlich sind. Authentische Gründer:innen werden als ehrlich und transparent wahrgenommen, was langfristige Beziehungen zu Kunden, Partnern, Investoren und auch Mitarbeitern stärkt. Also: Mache keine Kommunikationsaktivitäten, hinter denen du nicht stehst.
2. Eigenmarke definieren und abgrenzen Setze dich intensiv mit deiner persönlichen Marke auseinander. Nutze Coaching, um deine Marke zu erkennen, zu fixieren und klar zu definieren, was nicht Teil deiner Marke ist. Diese Abgrenzung hilft, ein unverwechselbares Markenbild zu schaffen, das bei deiner Zielgruppe nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Die klare Kommunikation deiner Werte und deiner Alleinstellungsmerkmale ist entscheidend.
3. Investition in gute Bilder Nein, die schnellen Office-Bilder mit dem Smartphone reichen nicht aus. Die Investition in hochwertige Portraitbilder ist ein Muss. Sie sollten im goldenen Schnitt, am besten hochkant und sympathisch, sowie der Stimmung deines Textes angepasst sein. Professionelle Fotoshootings helfen, deine Marke visuell ansprechend und konsistent darzustellen. Gute Bilder sind für deine Website, Social Media Profile und Presseauftritte unverzichtbar. Merke: “Position yourself bigger as you are!”
4.Mix aus Personal und Company Pages auf LinkedIn Vernachlässige nicht die Company Page auf LinkedIn. Ein guter Mix aus Personal Page und Company Page ist wichtig. Die Sichtbarkeit der Personal Brands sollte auf die des Unternehmens einzahlen. Mitarbeiter können aber Unternehmen wechseln und damit auch ihre Reichweite mitnehmen. Gleiches kann im Extremfall auch bei Gründer:innen passieren. Daher sollte deine Strategie sowohl die persönliche Marke als auch die Unternehmensmarke stärken. Inhalte sollten die Vision und Werte des Unternehmens widerspiegeln und einen Mehrwert für Kunden und Partner bieten. Aber setze nie nur auf Personal Branding und „baue dein Haus nie rein auf fremden Grund“. Was bedeutet, dass der eigene Company Account auch gestärkt werden muss. Dabei eignet sich z.B. Team Content für Employer Branding und auch Stimmen von Kunden und Partnern hervorragend.
„Finanzplanung ist kein Luxus“ – Interview mit Karolina Decker, CEO und Gründerin von finmarie im Interview
Wie können Frauen finanziell unabhängig und selbstbewusster in ihren finanziellen Entscheidungen werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich Karolina Decker, CEO und Gründerin von finmarie . finmarie ist eine Anlageplattform und mobile App speziell für Frauen, die ihnen hilft, ihr Geld sinnvoll anzulegen und für die Zukunft zu planen. Wir haben mit Karolina Decker darüber gesprochen, wie sie auf die Idee kam, Frauen bei der finanziellen Bildung zu unterstützen, wie ihr Konzept funktioniert und welche Tipps sie für angehende Gründerinnen und Gründer hat.
Mit finmarie habt ihr euch das Ziel gesetzt, insbesondere Frauen bei der Finanzbildung zu unterstützen. Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Mit finmarie haben wir uns das Ziel gesetzt, insbesondere Frauen bei der Finanzbildung zu unterstützen. Die Idee entstand aus der Erkenntnis, dass Frauen oft aufgrund historischer Rollenbilder und bestehender Biases häufiger von finanziellen Fehlentscheidungen betroffen sind. Da Frauen die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, sind sie ein essenzieller Bestandteil aller Zielgruppen.
Mit dem gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Diversität und Gleichberechtigung entwickeln Frauen auch im Finanzbereich neue Ansprüche an Serviceleistungen und Angebote. Ihre Bedürfnisse werden in der klassischen Finanzberatung jedoch oft nicht ausreichend berücksichtigt. finmarie wurde gegründet, um diese Lücke zu schließen und Frauen die finanzielle Bildung und Unterstützung zu bieten, die sie benötigen.
Karolina Decker, CEO und Gründerin von finmarie
Wie geht ihr hierbei vor? Wie funktioniert euer Konzept? finmarie ist eine Anlageplattform und mobile App für Frauen in Europa, die sowohl für Privatkunden (B2C) als auch für Unternehmen (B2B) entwickelt wurde. Als umfassende Lösung bietet finmarie digitale Finanzbildung, Vermögensverwaltung mit Robo-Advisor-Tools und eine digitale Versicherungsstrategie. Das Angebot: finmarie will Frauen in erster Linie befähigen, selbst kluge Finanzentscheidungen zu treffen und den Finanzmarkt transparenter und zugänglicher machen. Dabei soll unter anderem die Investment Academy helfen, ein 8-wöchiges Programm, das den Teilnehmerinnen wie eine Art Schritt-für-Schritt Anleitung hilft, ihre Finanzen zu transformieren – von Grundlagenvermittlung bis hin zum ersten Investment. Mehrere Millionen Euro haben Kundinnen mit Hilfe von finmarie mittlerweile investiert.
Für Unternehmen haben wir eine flexible und anpassbare SaaS-Lösung entwickelt. Diese umfasst persönliches Finanzcoaching und eine hybride digitale Financial Wellness Academy, die als White-Label-Option unter der eigenen Marke des Unternehmens angeboten werden kann.
Zahlreiche Studien zeigen immer wieder, dass Frauen anders investieren als Männer, auch weil sie offenbar weniger Finanzbildung haben. Woher kommt dieser Unterschied? Der Unterschied im Investitionsverhalten von Frauen und Männern lässt sich auf mehrere interessante Faktoren zurückführen. Frauen haben oft weniger Zugang zu Finanzbildung als Männer, was ihr Investitionsverhalten beeinflusst. Während Männer bei Verlusten oft einfach weitermachen und weniger darüber reden, neigen sie dazu, mutiger zu sein – manchmal sogar leichtsinnig und übermütig.
Frauen hingegen sind oft vorsichtiger und risikobewusster. Sie investieren lieber mit einem langfristigen Blick und achten darauf, nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Diese Herangehensweise führt dazu, dass weibliche Portfolios oft stabiler sind und auf lange Sicht sogar besser performen. Durch ihre sorgfältige und weitsichtige Anlagestrategie schaffen Frauen eine solide finanzielle Grundlage für die Zukunft.
30 Prozent der Bundesbürgerinnen fühlen sich finanziell abhängig, 82 Prozent von ihnen sind überzeugt, niemals finanziell unabhängig zu werden. Wie kann ein Angebot wie finmarie hier helfen? Jede Frau muss lernen, mutiger mit ihren Finanzen umzugehen und aktiv Geld anzulegen. Die Gender Pay Gap, die Gender Investing Gap und die Gender Pension Gap – also, dass Frauen weniger verdienen, weniger investieren und weniger Geld im Alter haben – sind erhebliche Probleme, die dringend angegangen werden müssen.
Deshalb führt für Frauen an einer soliden Finanzplanung kein Weg vorbei. Der Einstieg kann einfach sein, beispielsweise mit einem ETF-Sparplan ab 25 Euro pro Monat. Je früher man startet, desto besser. Entscheidend ist die langfristige Anlage und die konsequente Verfolgung der eigenen Strategie, ohne sich von Marktschwankungen verunsichern zu lassen.
Finanzplanung ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für jede Frau. Jetzt ist die Zeit, Verantwortung für die eigenen Finanzen zu übernehmen und die Kontrolle über die finanzielle Zukunft zu erlangen.
Frauen zeigen bei Anlageprodukten eine höhere Risikoaversion, zeigen Studien. Wie vermittelt man mehr Mut, um ggf. auch am Finanzmarkt mehr zu investieren? Viele Frauen fehlt oft das Selbstvertrauen in ihre finanziellen Fähigkeiten. Doch um erfolgreich ein Vermögen aufzubauen, muss man kein Anlageprofi sein. Man muss weder Makler noch Statistikexperte sein. Leider wurde das Thema Finanzen lange Zeit als sehr kompliziert dargestellt, was Frauen verunsichert.
Aktuell sehen wir auf dem Markt ein deutliches Beispiel dafür, warum Frauen oft zurückhaltend sind: Sie fühlen sich von der Vielzahl an Informationen und Produkten überfordert. Die ständigen Medienberichte über „Top-Aktien“ und „unbedingt zu kaufende“ Investitionen machen die Sache nur komplizierter und undurchsichtiger.
Deshalb setzt sich finmarie dafür ein, mehr Transparenz und Klarheit in die Finanzwelt zu bringen. Wir möchten Frauen ermutigen, die Kontrolle über ihre Finanzen zu übernehmen und ihnen das Selbstvertrauen geben, das sie brauchen, um erfolgreich zu investieren. Jetzt ist die Zeit, sich selbst zu vertrauen und aktiv zu werden!
Was habt ihr auf eurem Weg mit finmarie besonders gelernt? Gab es Überraschungen im Bereich der Finanztätigkeit und Frauen? Im aktuellen Schulsystem fehlt es an grundlegender Finanzbildung. Kinder in der 6. und 7. Klasse lernen nicht, welche Dienstleistungen und Produkte es auf dem Markt gibt, die für ihre Zukunft wichtig sein könnten. Es erinnert an den viralen Tweet von vor einigen Jahren: Sie können eine Gedichtanalyse in drei Sprachen schreiben, wissen aber nicht, wie man eine Steuererklärung macht. Das muss sich dringend ändern.
Um genau das zu verbessern, haben wir vor Corona die Initiative „Schulgold“ ins Leben gerufen. Unser Ziel ist es, Jugendliche für Finanzen zu begeistern. Wir haben in Berliner Schulen den Unterricht übernommen und ihnen in 45 Minuten die Grundlagen der Finanzwelt beigebracht.
Ihr seid seit 2018 am Start. Seitdem ist viel passiert, die Pandemie, die Zeit der multiplen Krisen. Wie habt ihr als Gründerinnen diese Zeit erlebt? Die Coronapandemie hat uns alle vor enorme Herausforderungen gestellt. Es musste schnell reagiert werden, unter anderem durch die Umstellung und die Digitalisierung von Arbeitsprozessen. Eine klar definierte Unternehmenskultur (Home Office, Remote Work, Vertrauensarbeitszeit) hat uns sehr gut geholfen. Und es geht letztlich auch immer darum, mental gesundes Verhalten vorzuleben, also als Role Model zu fungieren.
Ihr seid ein weibliches Founder-Team und damit in Deutschland und international in der Minderheit. Was könnt ihr Frauen auf dem Weg mitgeben, die auch gründen möchten?
Erstens: Sei immer auf dem neuesten Stand! Halte dich über die aktuellen Entwicklungen in deiner Branche auf dem Laufenden und sorge dafür, dass dein Unternehmen immer am Puls der Zeit ist. Nutze dazu innovative Tools und Technologien, die dir helfen, deine Prozesse zu optimieren und deine Mitarbeiter zu motivieren.
Zweitens: Fokussiere dich auf deine Stärken! Konzentriere dich auf die Bereiche, in denen du besonders gut bist und setze dort gezielt deine Energien ein. Delegiere Aufgaben, die nicht zu deinen Stärken zählen, an dein Team und nutze ihre Kompetenzen, um gemeinsam noch erfolgreicher zu sein!
Und drittens: Sei mutig und innovativ! Trau dich, neue Wege zu gehen und innovative Ideen umzusetzen. Nur so kannst du dich von der Konkurrenz abheben und dein Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft führen.